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Das Pflaster hält nicht viel aus

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Pflastersteine halten dem Verkehr in Arheilgen nicht stand.
Pflastersteine halten dem Verkehr in Arheilgen nicht stand. © André Hirtz

Fünf Jahre nach der Sanierung sind Teile der Frankfurter Landstraße marode. Das Pflaster hält nicht viel aus. Die Kosten der fälligen Baumaßnahmen werden mit 960.000 Euro beziffert.

Wenn Autos vor der Ampel am „Goldnen Löwen“ abbremsen, hört man lose Pflastersteine klackern. In Höhe der Haltestelle Fuchsstraße ragt ein Metalldeckel zentimeterweit aus der Pflasterdecke hervor. Weiter südlich Richtung Virchowstraße wachsen Moos, Gräser und Löwenzahn aus breiten Pflasterfugen. Kurz zusammengefasst: „Die Pflasterflächen sind störanfällig und abgängig. Es muss nun erneuert werden.“

So steht es in einer Magistratsvorlage mit dem Titel „Frankfurter Landstraße – Fertigstellung der Fahrbahn“. Die Vorlage wurde vom Darmstädter Stadtparlament bei seiner jüngsten Sitzung mit breiter Mehrheit gebilligt, nur die Uwiga stimmte dagegen. Die Kosten der fälligen Baumaßnahmen werden mit 960 000 Euro beziffert.

Das ist viel Geld für die Reparatur einer maroden Straße, deren letzte Erneuerung in Arheilgen und darüber hinaus noch gut im Gedächtnis ist. Im Zuge einer aufwendigen Neugestaltung war die Frankfurter Landstraße in den Jahren 2006 bis 2011 auf 2,5 Kilometer Länge grundhaft erneuert und mit zusätzlichen Straßenbahngleisen versehen worden. Der ursprünglich angesetzte Kostenrahmen war dabei um fast das Doppelte überschritten worden, was für heftige kommunalpolitische Turbulenzen sorgte.

Pflasterschäden vor dem „Goldnen Löwen“ waren bekannt: Lastwagen und Busse seien schwerer als noch wenige Jahre zuvor üblich, hatte Baudezernentin Cornelia Zuschke (parteilos) bereits zur Begründung erklärt.

Pflaster ungeeignet

Inzwischen haben das Straßenverkehrs- und Tiefbauamt sowie Heag-Mobilo die Schäden analysiert, auch ein externer Sachverständiger wurde hinzugezogen. Ergebnis: Pflaster sei als Fahrbahnmaterial generell ungeeignet „bei zu hoher Fahrzeugbelastung und gleichzeitiger Wechselwirkung zwischen der üblichen Dynamik des Gleiskörpers und der umgebenden Fahrbahndecke“.

Hinzu kommt, so die Magistratsvorlage, „die fehlende Versiegelung der Pflasterflächen gegen eindringendes Wasser in den Baukörper“. Auf eine Füllung der Pflasterfugen mit elastischem Bitumen sei bewusst verzichtet worden. Als Grund dafür werden „stadtgestalterische Vorgaben“ genannt: Das helle Pflaster sollte nicht durch schwarze Fugen beeinträchtigt werden. Bedauerlich: „Diese Bauweise hat sich als nicht belastungsadäquat erwiesen.“

Pflasterungen von Gleisanlagen hätten ihre Praxistauglichkeit vielerorts unter Beweis gestellt, heißt es in der Vorlage. Genannt werden Luisenplatz und Ludwigshöhstraße. Verantwortlich für die Schäden auf der Frankfurter Landstraße sei die „komplexe Wechselwirkung“ zwischen der Gleisbewegung und den „Scher- und Torsionskräften“ durch Fahrzeuge.

Auffällig ist allerdings, dass die Pflasterung dort besonders ramponiert erscheint, wo nur die abgetrennte Straßenbahntrasse betroffen ist. Die Kfz-Fahrbahnen verlaufen dort beidseitig auf Asphalt. Verkehrsbetreiber Heag-Mobilo wollte zu den Schäden auf Anfrage nicht Stellung nehmen.

Die kaputten Abschnitte sollen nun entweder asphaltiert oder mit einbetonierten Steinen versehen werden. Die Sanierung des Bahnkörpers soll im Herbst beginnen. (bad)

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