1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Pflanzen, Kunst und Kaffee

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Marion Ploner und Götz Hauptmann bei den Weihnachtssternen, die demnächst in der Aumühle verkauft werden.
Marion Ploner und Götz Hauptmann bei den Weihnachtssternen, die demnächst in der Aumühle verkauft werden. © Guido Schiek

Die Behinderteneinrichtung Aumühle will frei werdendes Gelände der Stadtgärtnerei nutzen.

Rot ist derzeit die dominierende Farbe in den Gewächshäusern der Gärtnerei Aumühle. In der in Wixhausen ansässigen Behinderteneinrichtung recken die Weihnachtssterne ihre farbigen Hochblätter dem Licht entgegen. „Wir haben vor 30 Jahren mit Gärtnerei und Wäscherei angefangen“, sagt Götz Hauptmann, Leiter der Behindertenwerkstatt, die mittlerweile auch einen Industriedienstleistungs- und einen Hauswirtschaftsbereich umfasst. „Und natürlich macht man sich da auch so seine Gedanken, wohin man sich noch entwickeln kann, wie man weitere Arbeitsplätze für behinderte Menschen schaffen kann.“

Eine konkrete Richtung bekamen die schon länger gehegten Planspiele, als Hauptmann und die für die gesamte Einrichtung (inklusive Wohnbereich) verantwortliche Marion Ploner von der bevorstehenden Schließung der Stadtgärtnerei hörten. Ab Januar 2015 benötigt das städtische Grünflächenamt die im Nordosten der Orangerie liegenden Gebäude, Gewächshäuser und Freiflächen nicht mehr. „Und da dort ja schon immer eine Gärtnerei ansässig war, dachten wir: Das passt zu uns“, erzählt Hauptmann. Bereits Anfang des Jahres hat er deshalb das Aumühlen-Konzept dem Grünflächenamt zur Prüfung vorgelegt.

Café im Gewächshaus

Danach sollen die Gewächshäuser der Stadtgärtnerei zukünftig als Verkaufsräume für Pflanzen dienen. In einem Gewächshaus soll ein Café eingerichtet werden. „Kaffeegenuss unter Palmen anzubieten – das hätte schon seinen besonderen Reiz und wäre hier in der Region einmalig“, schwärmt Marion Ploner. Auch ein Mittagstisch wäre denkbar.

Übergeordnetes Ziel ist, Arbeitsplätze für geistig behinderte Menschen zu schaffen. 20 bis 25 Plätze hält Götz Hauptmann für möglich, dazu kommen Leitungsstellen. „Außerdem wollen wir zu einem selbstverständlicheren Umgang von Menschen mit und ohne Behinderung beitragen, Berührungsängste abbauen“, betont er. „In Wixhausen ist das hervorragend gelungen. Nicht zuletzt, weil unsere Kunden unseren zuvorkommenden Service schätzen. Dieses Aumühlen-Flair würden wir gern auf Bessungen übertragen.“ Das soziale Miteinander befördern soll eine Kunstwerkstatt, in der Künstler und Behinderte zusammenarbeiten, aber auch Kurse und Workshops für Jedermann angeboten werden. „Und auch die Zusammenarbeit mit Kitas und Schulen können wir uns vorstellen“, ergänzt Marion Ploner.

Marktanalyse sieht Chancen

Wichtig ist Götz Hauptmann, der sich in Sozialpädagogik und Sozialwirtschaft qualifiziert hat, dass die Planung auf einer soliden Finanzierung fußt. „Pflanzenverkauf und Café müssen sich wirtschaftlich selbst tragen“, betont er. Marion Ploner stimmt zu: „Wir haben eine Marktanalyse durchgeführt und sehen eine realistische Chance, dass unser Konzept funktioniert.“ Pachtzahlungen an die Stadt sind einkalkuliert.

Man wolle kein Abenteuer eingehen, sondern ein tragfähiges Projekt verfolgen, betont Hauptmann: „Immerhin ist das Ganze ja mit hohen Investitionskosten verbunden.“ Dazu zählt er die Neuverglasung von Gewächshäusern, die Café-Einrichtung, die Erfüllung von Brandschutzanforderungen sowie der eventuell anstehende Neubau eines Sozial- und Funktionsgebäudes. „Baldige Klarheit wäre gut“, wünscht sich Hauptmann, „denn von einem Tag auf den anderen lässt sich das alles nicht realisieren.“ wka

Auch interessant

Kommentare