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Personal fühlt sich überlastet

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In der Sozialverwaltung im Stadthaus an der Frankfurter Straße gibt es viel zu tun.
In der Sozialverwaltung im Stadthaus an der Frankfurter Straße gibt es viel zu tun. © Guido Schiek

Mitarbeiter der Sozialverwaltung beklagen eine Überlastung. Die Situation sei ohnehin schon problematisch. Und nun komme auch noch die Flüchtlingsbetreuung hinzu. Sozialdezernentin Akdeniz widerspricht der Kritik.

Mitarbeiter der Sozialverwaltung schlagen Alarm. Nach einer Information der Gewerkschaft Verdi leiden Beschäftigte wegen fehlendem Personal und immer komplexeren Aufgaben unter einer „extremen Belastung“.

„Die prekäre Lage spitzt sich immer mehr zu“, heißt es in dem Verdi-Papier der Vertrauensleute der Stadtverwaltung Darmstadt. Aktuell sei die Abteilungsleitung der Kindertagesstätten zum zweiten Mal seit Monaten unbesetzt, für die Leitung der Kinder- und Jugendpflege fehle seit August eine Nachfolge, und der Jugendamtsleiter sei krankheitsbedingt ein Jahr nicht im Dienst gewesen.

Stellvertretungen müssten in solchen Situationen einspringen und ihre Tätigkeiten wiederum auf Kollegen verteilen, die das zusätzlich zu ihrer eigentlichen Arbeit erledigen müssten. Und nun kämen noch die Aufgabenstellungen der Flüchtlingsbetreuung hinzu. Kollegen seien dem Arbeitsdruck nicht mehr gewachsen. Die „extreme Belastung“ führe zu erhöhten Krankheitsausfällen, Aufgaben seien kaum noch zu bewältigen.

„Eine positive medienwirksame Außendarstellung hat Vorrang gegenüber inhaltlichen Aspekten der Arbeit“, teilt auf eine Person aus dem Beschäftigtenkreis mit, der namentlich nicht genannt werden will. In der Sozialverwaltung sei die Arbeit in den letzten Jahren immer komplexer geworden, die Mitarbeiterzahl aber nicht mitgewachsen.

Das habe nicht nur intern negative Auswirkungen: Bei der Jugendhilfe etwa sei angesichts der hohen Personalfluktuation die kontinuierliche Arbeit mit Familien tangiert, eine fundierte Fallbearbeitung „kaum noch möglich“.

Wenig zuträgliche Führungskultur

Als Ursache wird „eine möglichst schlank aufgestellte Verwaltung verbunden mit möglichst geringen Personalkosten und dem Ziel eines ausgeglichenen Haushalts“ genannt. Zudem ist von einer „wenig zuträglichen Führungskultur“ die Rede.

Die Kritik richtet sich dabei konkret an Sozialdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne), der eine „mangelnde Kompetenz bei der Mitarbeiterführung“ vorgeworfen wird. „Alle Arbeitsabläufe werden kontrolliert, jedoch nicht mehr inhaltlich diskutiert.“ Die Dezernentin wird auch in dem Verdi-Schreiben der Vertrauensleute angesprochen. Sie fordern sie auf, „sich der Situation zielorientiert anzunehmen“.

Akdeniz räumt „Problemlagen“ ein. „Wir sind an einer kontinuierlichen Bearbeitung von Belastungssituationen, das ist eine Daueraufgabe.“ Die Sozialverwaltung sei in ihrer Zeit als Dezernentin seit 2011 enorm gewachsen, die Mitarbeiterzahl von 800 auf 920 angestiegen – vor allem wegen des Ausbaus der Kinderbetreuung. „Es ist ein Riesenladen, in dem sich permanent Anforderungen auch in Sachen Personal ergeben.“ Die Fluktuation in der Darmstädter Sozialverwaltung sei „völlig normal“.

Eine besondere Belastungssituation sieht auch sie in den Bereichen Kinderbetreuung und Flüchtlinge. Doch habe man reagiert und stocke Personal auf: In der für Kitas zuständigen Abteilung kämen eine stellvertretende Leitung und drei weitere Stellen hinzu. In der Kinder- und Jugendförderung fange zum 1. Januar eine neue Leitung an. Und für die Flüchtlingsbetreuung seien 50 weitere Stellen beschlossen.

In vielen Punkten indes widerspricht sie der Kritik. „Jede Stelle ist so zügig wie möglich wiederbesetzt worden.“ Sie erinnert an früher, als es noch jahrelange Stellenbesetzungssperren gegeben habe. Bei der Klage über extreme Belastungen spricht sie von „subjektivem Empfinden“.

Und was ihre Mitarbeiterführung angeht, verweist sie auf regelmäßige Besprechungsrunden, in denen sich jeder einbringen könne. Auch sonst könne man sie erreichen. „Aber wer sich nicht traut, was zu sagen, da kann ich auch nichts machen.“ (aw)

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