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Die Pause macht’s

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Alphornklänge empfangen die Wanderer am Stand der Schweizer Partnerstadt Sannen/Gstaad.
Alphornklänge empfangen die Wanderer am Stand der Schweizer Partnerstadt Sannen/Gstaad. © Roman Grösser

Spezialitäten aus den Darmstädter Partnerstädten verführen die Grenzgänger zum Rasten. Auch Walter Hoffmann ist zum letzten Mal als Oberbürgermeister dabei.

Ein paar hundert Meter hinter Brescia ist das Gläschen schon wieder leer. Der Botticino, den Camilla Roasio aus Darmstadts italienischer Partnerstadt mitten im Mörsbacher Grund eingeschenkt hat, war köstlich. „Mit Käse und Salami schmeckt er am besten“, hatte Roasio gesagt – es stimmt.

Eine gute Stunde zuvor, auf dem Parkplatz der Gesellschaft für Schwerionenforschung, wo der Grenzgang am Samstag beginnt, hat Patricia Bartuschak vom Hauptamt der Stadt ein Glas nach dem anderen ausgeteilt. Das Gläschen, diesmal dem Arheilger Jubiläum – 1175 Jahre – gewidmet, gehört ebenso zum Grenzgang wie die kulinarischen Verlockungen, mit denen die Partnerstädte am Wegesrand aufwarten.

Eines der ungeschriebenen Gesetze des Grenzgangs ist, dass sich etliche Teilnehmer schon vor dessen offiziellem Beginn auf den Weg machen, offenkundig in der – unbegründeten – Sorge, sie könnten beim Boxenstopp an den Verpflegungsstationen etwas verpassen. Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) unkt in seiner Begrüßung denn auch, einige seien wohl schon am Ziel. Er selbst geht zu seinem sechsten und letzten Grenzgang als OB mit.

Auch das Darmstädter Ehepaar Schilde genießt die regelmäßige Rast an den Ständen, an der diesmal knapp acht Kilometer langen Strecke. Rita (64) und Martin (66) sind Stammgäste beim Grenzgang. „Dieser Termin ist uns heilig“, sagt Martin Schilde und schätzt, zum 20. Mal dabei zu sein. Die muntere Gesellschaft mache den Reiz aus, fügt Rita Schilde hinzu. Forstamtsleiter Hartmut Müller hat vor allem die Natur im Blick. Er ist in der Teichschneise, die im Osten der Gemarkungsgrenze den Mörsbach mit der Silz verbindet, strammen Schrittes unterwegs. Er schwärmt vom Kranichsteiner Forst, dessen Erdschicht das Wasser gut im Boden halte, so dass die Eichen wunderbar gedeihen, von der – im Gegensatz zum Westwald – intakten Natur: viele seltene Pflanzen, Spechte, Fledermäuse. Müller: „Das ist hessenweit einmalig.“

Viel Natur hat auch Darmstadts norwegische Schwesterstadt Trondheim zu bieten – und einen freundlichen Botschafter. Gerhard Dalen pflegt die internationalen Beziehungen seiner Heimatstadt, davon können die Darmstädter Silvia und Ernst Sohn ein Lied singen. Der norwegisch-deutschen Begegnung beim Grenzgang im vergangenen Jahr folgte ein Wiedersehen, als die Sohns eine Skandinavienreise unternahmen.

Vor der malerischen Kulisse der Dianaburg stehen Martin Mösching (56) und sein Sohn Benjamin (22). Jeder hat ein Alphorn vor sich, und die Klänge, die die beiden Schweizer aus Gstaad ihnen entlocken, erinnern unwillkürlich an Bergpanoramen.

Bei Hochzeiten, Geburtstagen und anderen Festen spiele er seit 30 Jahren mit seinem Bruder, sagt Martin – da hat er auch für die 20-jährige Partnerschaft zwischen Saanen/Gstaad und Darmstadt etwas im Repertoire. Die Möschings sind Landwirte, betreiben Milch- und Forstwirtschaft und decken Dächer mit Schindeln ein. „Viel Arbeit“, sagt Papa Martin. Dann beglücken er und sein Filius die nächste Gruppe der Wanderer, deren Pulks nun schon weit auseinandergerissen sind, mit wunderschönen Klängen.

Die hört man auch noch am Kalkofen, wo Schlussrast ist. Die gut 900 Grenzgänger, die Hauptamtsleiter und Cheforganisator Roland Dotzert gezählt hat, verteilen sich aufs große Gelände des ehemaligen Forsthauses und stärken sich mit Erbsensuppe.

Irgendwann trifft auch Noch-OB Hoffmann ein. Ein bisschen Wehmut habe ihn schon begleitet, gesteht er. „Das gehört einfach dazu, das ist so populär geworden, ich war immer gern dabei.“ Drei Stunden zuvor, beim Start, hatte sich Oberförster Hartmut Müller diese Bemerkung nicht verkneifen können: „Die Oberbürgermeister wechseln, der Forstamtsleiter bleibt.“ (how)

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