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Ein Parasit macht sich breit

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Ein ökologisches Naturdenkmal säumt die Dieburger Straße.
Ein ökologisches Naturdenkmal säumt die Dieburger Straße. © Roman Grösser

Die älteste Platanenallee Darmstadts entlang der Dieburger Straße ist von der Massaria-Krankheit befallen. Der Pilz setzt sich an Seitentrieben und einzelnen Kronenästen der bis zu 200 Jahre alten Bäume fest. Die Äste vertrocknen in wenigen Wochen. Seit gestern werden die Bäume beschnitten.

Bis zu 200 Jahre alt sind die Platanen, die entlang der Dieburger Straße stehen. Seit gestern werden sie in Form gebracht und von Ästen befreit, die zum Teil von einem Pilz befallen sind. Eigentlich sollte der Baumschnitt parallel zu Bauarbeiten der Dieburger Straße laufen, um längerfristige Verkehrsbehinderungen zu vermeiden. Doch obwohl die Straßenarbeiten verschoben wurden, legte die Firma Hasshold gestern los. „Erstens ist das Wetter ideal, zweitens war der Auftrag schon erteilt“, sagt Klaus-Dieter Jung vom Umweltamt der Stadt.

Zweige sterben ab

Gegen zehn Uhr fielen die ersten Äste auf die Dieburger Straße, die ursprünglich das Schloss mit dem Oberwaldhaus verband. Knapp 150 Bäume säumen das Teilstück zwischen der Odenwaldbrücke und den Hirschköpfen. Einmaligkeit, kulturgeschichtliche Bedeutung und Schönheit sind die Gründe dafür, dass die Allee geschützt werden muss, erklärt Klaus-Dieter Jung. Auch sei es „ökologisch sinnvoll“, die großen und alten Bäume zu schützen.

Doch macht den 20 bis 25 Meter hohen Bäumen seit diesem Jahr ein Pilz zu schaffen. Dies stellte sich bei den Pflegeschnitten heraus, die die Bäume einmal belaubt und einmal unbelaubt bekommen. Den Gärtnern fiel auf, dass die Bäume zum Teil unter der Massaria-Krankheit leiden. Der Pilz verursacht als Schwächeparasit in erster Linie ein Absterben kleinerer Seitenzweige an einzelnen Kronenästen. Er kann aber auch auf stärkere Äste übergreifen, wenn diese etwa durch Wassermangel oder einen trocknen Sommer geschwächt sind.

Zunächst verfärbt sich die Rinde an den betroffenen Stellen rosa, dann breitet sich die Infektion schwarz und flächig aus.

Die betroffenen Äste sind innerhalb von einem Monat so vertrocknet, dass sie herunterfallen. „Das ist natürlich ziemlich gefährlich“, sagt Klaus-Dieter Jung. Daher müsse man nun zügig alle Bäume kontrollieren – eine Arbeit, die sich je nach Befall einige Wochen hinziehen kann.

Die Massaria-Krankheit wurde in Deutschland erstmals 2003 nachgewiesen, tritt aber schon längere Zeit in benachbarten Ländern wie Italien, Schweiz, Spanien und Frankreich auf. In Städten wie Mannheim und Stuttgart ist der Pilz schon angekommen.

Im Vorfeld etwas gegen den Pilz unternehmen, kann man leider nicht, erklärt Melanie Rohlmann von der Unteren Naturschutzbehörde. „Eine Prophylaxe gibt es nicht“, sagt sie. „Man kann nur den Standort verbessern, also regelmäßig wässern und düngen.“

Naturschutzbehörde zuständig

Die Untere Naturschutzbehörde ist in der Dieburger Straße zuständig, weil die Platanenallee ein Naturdenkmal ist. Um die anderen Platanen in der Stadt kümmert sich das Grünflächenamt – insgesamt sind das 2796 Pflanzen, sagt Sigrid Dreiseitel vom städtischen Presseamt, und somit 7,5 Prozent des städtischen Baumbestands. Wieviele Platanen davon vom Pilz befallen sind, wird nach Angaben der städtischen Sprecherin derzeit geprüft. ( an)

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