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Opern-Arien mit dem Kopf nach unten

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Akrobatik der Extraklasse zeigt der Zirkus Carl Busch auf dem Messeplatz.
Akrobatik der Extraklasse zeigt der Zirkus Carl Busch auf dem Messeplatz. © Claus Völker

Zirkuszeit auf dem Messeplatz: Das Programm des Deutschen Nationalzirkus Carl Busch kommt bei den Zuschauern bestens an - trotz des Protestes einiger Tierschützer.

Der Geruch von Popcorn, Zuckerwatte und Tieren liegt in der Luft: Es ist wieder Zirkuszeit auf dem Messplatz. Bis Sonntag, 27. April, präsentiert der „Deutsche Nationalzirkus Carl Busch“ sein aktuelles Programm in Darmstadt und trifft damit – wie die Premiere am Donnerstag zeigte – den Nerv der Zuschauer.

An der Begeisterung der über tausend Gäste im Zelt konnten auch die Proteste einiger Tierschützer nichts ändern, die gegen die Haltung von Wildtieren (auf Raubtiere verzichtet der Zirkus in diesem Jahr) demonstrierten. Nach eigenen Angaben geht Zirkus Busch behutsam mit seinen Tieren um. Dromedare, Pferde und Elefanten würden keinen langen Dressuren ausgesetzt, über den Darbietungen steht das Wort „tiergerecht“.

Drei Clowns aus Spanien

Die Stimmung im Zelt ist dennoch gut, zuweilen gar ausgelassen während der rund zweistündigen Show, die nur zweimal – zur Pause und zum Finale – durch eine kurze Moderation unterbrochen wird. Das liegt zum einen an den Dompteuren, Artisten und Akrobaten, vor allem aber an der „Tonito-Truppe“ aus Spanien. Die drei Clowns halten bei jeder ihrer Darbietungen, was das Programmheft verspricht. Egal, ob als Musiker, Jongleure oder klassische Clowns: Der Weißclown und die beiden Auguste ziehen das Publikum in ihren Bann, beziehen es mitunter gar ins Programm mit ein. Kurz gesagt: „Die drei Spanier sind Spaßmacher der Extraklasse, Komiker und exzellente Akrobaten zugleich.“

Die Zuschauer sind dermaßen fasziniert, dass selbst die hohen Temperaturen im Zelt zu Beginn sowie die mitunter unklare Soundtechnik nicht stören. Die Show kann sich schlicht sehen lassen. So verblüfft beispielsweise Tuchakrobatin Jamena Wille-Busch mit ihrer eleganten und zugleich trickreichen Darbietung unter dem Zeltdach. Getoppt wird sie aber noch einmal von ihrer ukrainischen Kollegin Alexandra Gerbey: Die ausgebildete Opernsängerin, die auch das Orchester mit ihrer Stimme unterstützt, zelebriert eine Arie aus der Donizetti-Oper „Lucia di Lammermoor“ – an seidenen Tüchern und mit dem Kopf nach unten hängend.

Dass Spanien nicht nur im Spitzensport Weltklasse verkörpert, demonstrieren unterdessen die Brüder Eric und José Munoz: Eric jongliert Keulen, Bälle und Teller in einem Tempo, dass einem beim Zuschauen schon fast schwindlig wird, José sorgt mit seinem „Tanz“ auf dem Drahtseil für Staunen. Frenetisch bejubelt wird schließlich sein Rückwärts-Salto, den die Veranstalter vorab schon als „absolute Welt-Sensation“ angepriesen hatten.

Wer denkt, es könne nun keine Steigerungen mehr geben, hat sich getäuscht: Abschluss und Höhepunkt der Vorführung ist eine Handstanddarbietung des russischen „Duo Serjo“. Ein Raunen geht durch die Zuschauer, ehe die Akrobaten unter Beifall verabschiedet werden. Doch auch dieser Programmpunkt ist noch zu toppen: Illusionist Dennis Rush lässt eine Kollegin in einem Sarg verschwinden, kurzerhand klettern zwei junge Damen wieder aus der Holzkiste heraus. Das Publikum ist verblüfft, ratlos und beeindruckt. Logische Folge: Lang anhaltender Applaus. (ers)

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