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Operieren im Container

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Das Marienhospital wird renoviert.
Das Marienhospital wird renoviert. © Andreas Arnold

Am Marienhospital ersetzen mobile Räume während der Sanierungsarbeiten die OP-Säle - die Patienten merken davon angeblich wenig.

Lautlos surren große Edelstahl-Schiebetüren zurück, Rollbetten werden ruckelfrei über den blitzsauberen fugenlosen Bodenbelag geschoben, Hightech-Gerätschaften der modernen Medizin warten in mobilen Regalen auf ihren Einsatz. Wer es nicht weiß, der wird kaum auf den Gedanken kommen, dass der derzeitige Operationstrakt des Marienhospitals vor wenigen Wochen noch eine Parkplatzfläche war – und in einigen Monaten genau das wieder sein wird. Derzeit wird in mobilen OP-Modulen operiert, die für ein knappes halbes Jahr die sanierungsbedürftigen regulären Operationsräume ersetzen.

Sieben transportable medizinische Operationsmodule – drei OP-Räume sowie vier Vor- und Nebenräume – hat das Marienhospital bei einer Spezialfirma angefordert, nachdem im vergangenen Mai ein geplatztes Rohr im Hauptgebäude des Krankenhauses Teile des regulären OP-Bereichs unter Wasser gesetzt hatte. Einer von vier Operationssälen war in Mitleidenschaft gezogen worden. Während der erforderlichen Sanierung können auch die drei anderen Räume nicht genutzt werden. Kosten trägt die Versicherung

Versicherung trägt Kosten

Für die Modul-Lösung habe man sich „nach intensiver Beratung mit internen und externen Fachleuten entschieden“, erklärte gestern Klinikleiterin Schwester Liberata Ricker, „auch wenn dies die teuerste Lösung ist. In Sachen Medizin, Hygiene und Patientensicherheit machen wir keine Kompromisse.“ Die Kosten – nach Rickers Worten rund eine Million Euro – trägt allerdings die Versicherung.

Die sieben Modulcontainer, die auch von außen wie feste Gebäude wirken, stehen auf 430 Quadratmeter Fläche an der Klinik-Nordseite zum Lossenweg hin. Vom Hauptgebäude aus wurde eigens ein Verbindungsflur zum provisorischen OP-Trakt gebaut, der ebenfalls im Sommer wieder verschwinden soll. „Die Patienten merken von dem Ortswechsel wenig“, versichert die Klinikleiterin.

Der Leitende Arzt des Krankenhauses, Manfred Klein, hat am Montag die erste Container-Operation durchgeführt und ist mit den Bedingungen zufrieden. „Das ist kein anderer Eindruck als vorher“, sagte er gestern, „vielleicht sogar etwas moderner wegen der LED-Lampen.“ Die Module waren bereits mit der modernen Beleuchtungstechnik angeliefert worden. „Die Operation verlief problemlos, die Schwestern wussten, wo alles ist.“ Auch die Hygienestandards seien gewahrt.

Ursprünglich hatte die Klinikleitung die Nutzung der OP-Module bereits für Mitte November angekündigt. Auflagen des städtischen Bauamts – etwa für Ersatzparkplätze, die in Absprache mit der Polizei vor dem Präsidium an der Klappacher Straße gefunden wurden – sowie die Einholung von Genehmigungen für den Transport der überbreiten Module durch vier Bundesländer hätten für die zweimonatige Verzögerung gesorgt, erklärten Schwester Liberata Ricker und Bauleiter Matthias Lückel.

Der Mitarbeiterparkplatz neben dem Kutscherhaus wurde eingeebnet, tragfähige Fundamente sowie Versorgungsleitungen wurden gelegt. Der eigentliche Aufbau der Module habe nur zwei Wochen gedauert, sagte Lückel. Der Abbau werde voraussichtlich noch schneller vonstattengehen, allerdings müssten die Anwohner während des Abtransports der Container nochmals kurzzeitige Parkbeschränkungen hinnehmen. (bad.)

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