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Ohne Heimat

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Die gebürtige Thailänderin und ihre Tochter Aleena leben seit drei Jahren in Darmstadt.
Die gebürtige Thailänderin und ihre Tochter Aleena leben seit drei Jahren in Darmstadt. © Roman Grösser

Der gebürtigen Thailänderin Vasana Keeratiset und ihrer siebenjährigen Tochter droht die Abschiebung. Heute steht ein weiterer Anhörungstermin an.

Der Begriff der Heimat ist im Leben von Vasana Keeratiset nicht eindeutig belegt. „Deutschland ist wie meine Heimat“, sagt die 37 Jahre alte Frau. Zwar ist sie in Thailand geboren, doch ab 1989 lebte sie zwölf Jahre mit ihrer Familie in Darmstadt. Und hierher ist sie vor gut drei Jahren mit ihrer Tochter Aleena zurückgekehrt, nachdem sie sechs Jahre mit ihrem amerikanischen Mann in Texas gelebt hatte – bis die Ehe in die Brüche ging.

„Da dachte ich mir: Meine Familie lebt hier, also komme ich nach Hause“, sagt Keeratiset. Hier kann sie, Tochter einer Thailänderin und eines Deutschen, mit ihrer Tochter bei ihrer 71 Jahre alten Mutter in der Eigentumswohnung unterkommen. Hier ist auch ihre Schwester, sind ihre Freunde. Doch hier darf sie nicht bleiben.

Vasana Keeratiset und ihrer sieben Jahre alten Tochter steht die Abschiebung bevor. Denn im Gegensatz zu ihrer Schwester hat sie nie die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Sie besitzt nur einen amerikanischen und thailändischen Pass. Seit sie im Dezember 2007 von den USA visumfrei nach Deutschland eingereist war, genoss Keeratiset als amerikanische Staatsbürgerin einen Sonderstatus: Sie darf sich hier aufhalten, hat aber keine offizielle Aufenthaltserlaubnis. Arbeiten darf sie in Deutschland damit nicht. Doch weil sie das unbedingt will, beantragte sie die Aufenthaltserlaubnis zum Zwecke der Erwerbstätigkeit.

Die Ausländerbehörde konnte darüber nach eigenen Angaben nicht sofort entscheiden. Sie stellte Vasana Keeratiset eine „Fiktionsbescheinigung“ aus. Diese enthält die Nebenbestimmung, dass eine Erwerbstätigkeit nur mit Erlaubnis der Behörde gestattet ist. Seither versucht Keeratiset immer wieder, in Lohn und Brot zu kommen – und scheitert an den Behörden.

Mehrfach bewarb sich die junge Mutter als Reinigungskraft und wäre ihren Angaben zufolge auch eingestellt worden. Doch dazu muss das Ausländeramt die Zustimmung des Arbeitsamts einholen, und das lehnte bislang alle Anträge ab. Die Begründung: Es gebe für diese Stellen genügend „bevorrechtigte“ Bewerber, also deutsche oder europäische Staatsbürger.

Keeratisets Anwalt bat die Behörde um Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis, damit das Arbeitsamt sich nicht mehr gegen eine Arbeitserlaubnis sperren kann. Doch er sieht wenig Hoffnung. Er riet Vasana Keeratiset deshalb, sich eine Arbeit zu suchen, für die keine bevorrechtigten Bewerber in Betracht kommen und für die sie trotz fehlender Berufsausbildung prädestiniert ist – etwa in einem asiatischen Restaurant. Doch das hat Vasana Keeratiset bislang vergeblich versucht.

Die Abschiebung scheint unausweichlich. Heute steht ein weiterer Anhörungstermin an. „Wenn es da keine neue Situation gibt, wird ein ablehnender Bescheid formuliert“, erläutert Behördenleiter Werner Appel. Dann werde die Ausreise gefordert unter Androhung der Abschiebung. „Da bleibt uns gar keine andere Wahl.“ Zwar täte ihnen die Frau leid, „aber wir haben strikte Vorgaben, die wir einhalten müssen“.

Vasana Keeratiset versteht das nicht: dass Menschen, die hier integriert sind, zur Schule gehen und arbeiten wollen, ausgewiesen werden. Was in den USA aus ihr und ihrer Tochter werden soll, weiß sie nicht. „Ich habe Angst, weil ich weiter niemanden kenne da drüben“, sagt sie. „Ich möchte gern hier bleiben.“ (aw)

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