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ÖPNV wird nochmal teurer: Linke und Verkehrsclub kritisieren das

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Von: Claudia Kabel

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Nochmal um 3,9 Prozent sollen sie Preise für den Öffentlichen Nahverkehr steigen.
Nochmal um 3,9 Prozent sollen sie Preise für den Öffentlichen Nahverkehr steigen. © Monika Müller

Kaum wurden die Fahrpreise für Busse und Bahnen zum Jahresanfang erhöht, sollen sie im Sommer nochmal kräftig steigen. Der Verkehrsclub Hessen und die Darmstädter Linksfraktion lehnen dies ab und fordern mehr Mittel von Bund und Land.

Nach einer Preiserhöhung von 1,5 Prozent kostet seit Anfang des Jahres eine Fahrt von Darmstadt-Arheilgen nach Eberstadt-„Wartehalle“ bereits 3,40 Euro; eine Fahrt von „Offenbach Marktplatz“ zur Frankfurter Hauptwache 4,30 Euro. Jetzt hat der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) Ende Januar eine weitere Erhöhung der Fahrpreise um 3,9 Prozent zum 1. Juli beschlossen. Dagegen regt sich Kritik vom hessischen Landesverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und der Darmstädter Linksfraktion.

„Die Preiserhöhung sendet das falsche Signal“, sagt Mathias Biemann, Sprecher der VCD-Regionalgruppe Rhein-Main und Mitglied des Landesvorstands. Der öffentliche Personennahverkehr gelte als das „Rückgrat der Mobilitätswende“ und sei unerlässlich, um im Verkehrssektor die Klimaschutzziele zu erreichen. „RMV-Fahrgäste entlasten die Umwelt“, sei auch auf der Homepage des Verkehrsverbunds zu lesen. „Doch kann sich der Fahrgast diesen Beitrag 2022 noch leisten?“, fragt Biemann.

In Darmstadt fordert die Linksfraktion, die Stadt solle auf den RMV einwirken, um eine Rücknahme der zweiten Preiserhöhung innerhalb eines Jahres zu erreichen. Für eine gerechte Verkehrswende brauche es bezahlbaren ÖPNV für alle.

Es sei unverständlich, dass einerseits die Stadt neu Zugezogenen im Rahmen des Klimatickets drei Monate kostenlosen ÖPNV spendieren wolle und andererseits für alle anderen die Preise so erheblich steigen“, erklärt die Linken-Stadtverordnete Maria Stockhaus.

Erst kurz vor Weihnachten hatte die Stadtverordnetenversammlung Nachbesserungen im Sozialticket beschlossen und eine Ausweitung des städtischen Zuschusses von 33 Prozent auf die 9-Uhr-Monatskarte auf alle Preisstufen innerhalb der Stadt beschlossen. Dies sei ein erster Schritt zu einer gerechteren Preisgestaltung im ÖPNV gewesen, sagt Stockhaus.

In der nun bereits zwei Jahre andauernden Pandemie habe der öffentliche Nahverkehr aus vielfältigen Gründen Fahrgäste verloren – in manchen Gebieten mehr als 40 Prozent. Ziel der Verkehrsunternehmen und Aufgabenträger nicht nur im RMV-Gebiet müsse es sein, diese Kund:innen zurückzugewinnen: „Die Stadt Darmstadt muss sich für einen gut ausgebauten und bezahlbaren ÖPNV einsetzen“, fordert Stockhaus. Bereits jetzt seien die Fahrpreise zu hoch. Deshalb stelle die Fraktion den Antrag, dass die Stadt sich für die Rücknahme der Tarifsteigerung ausspricht und gleichzeitig auf das Land Hessen zugeht, mehr Mittel für einen bezahlbaren ÖPNV bereitzustellen.

Auch der VCD betont, die Verkehrsverbünde in Hessen bräuchten eine solide Grundfinanzierungszusage von Bund und Land, die krisenfest und kalkulierbar sei. Hohe Energiepreise und coronabedingte Einnahmeausfälle könnten nicht allein auf die Geldbeutel der Fahrgäste und hier besonders der Gelegenheitsnutzer:innen umgelegt werden, sagt Mathias Biemann.

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