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Der Darmstädter Energieversorger Entega will die Energiewende weiter antreiben.

Darmstadt

Plattform zeigt Energieströme

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Der Darmstädter Energieversorger Entega bietet einen hessenweit bislang einmaligen Energiewendemonitor an. Zu sehen ist, wieviel Ökostrom in den Kommunen fließt.

Umstrittene Windräder werden gebaut, Fotovoltaikanlagen entstehen auf Dächern von kommunalen und privaten Gebäuden, Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen gehen in Betrieb – all diese Anlagen erzeugen grünen Strom. Doch wohin fließt er? Wie viel des Gesamtbedarfs kann damit gedeckt werden, und welche Rolle spielen Projekte innerhalb verschiedener Kommunen?

Der Darmstädter Energieversorger Entega bietet nun erstmals einen digitalen Energiewendemonitor an und will damit eine Übersicht über Energieströme im Versorgungsgebiet geben. So etwas gibt es nach Angaben des Unternehmens bisher noch nicht in Hessen. Auf der im Rahmen der „Smart Region Initiative Rhein-Main-Neckar“ entwickelten Plattform wird in Echtzeit nicht nur dargestellt, wie viel regenerative Energie aus Wind, Sonne und Biomasse erzeugt wird, sondern auch, wie viel Strom gerade von privaten Haushalte, Gewerbe und Industrie verbraucht wird. Die Angaben aktualisieren sich im 15-Minuten-Rhythmus und stammen aus Daten, die der Netzbetreiber E-Netz, die Entega-Erzeugung und die Entega-Energiehandelstochter Citiworks ohnehin erheben. Personenbezogene Daten werden laut Unternehmen nicht gesammelt.

Ökostromtarife Laut Bundesumweltministerium wird in Europa mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt, als über Ökostromtarife nachgefragt wird. Deshalb sei es wichtig, Ökostromtarife mit Gütesiegel zu wählen. Das Grüner-Strom-Label sowie das ok-power-Label garantierten, dass durch den Ökostrombezug Neuanlagen gefördert werden. Dies ist bei Entega der Fall. Der Darmstädter Versorger gehört zu den großen Anbietern von Ökostrom und verzichtet seit 2008 auf Atomstrom. Strom für Privatkunden soll zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen stammen. Ökotest, TÜV-Süd und andere geben dem Unternehmen Bestnoten. Indes kommt es vereinzelt zu Ärger bei Kunden, die einen günstigen Neukunden-Ökostromtarif abgeschlossen haben, dessen Preis ein Jahr gebunden war. Nach Ablauf können Preiserhöhungen von zehn bis dreißig Prozent anfallen, wie Kunden der FR sowie auf dem Bewertungsportal utopia.de schildern. Sehr zu ihrem Ärger lagen die neuen Preise über denen anderer Tarife. Unternehmenssprecher Michael Ortmanns erklärt auf FR-Anfrage, dass diese Erhöhungen entstünden, weil nach einem Jahr der aktuelle Strompreis berechnet werde. Dieser sei dynamisch und richte sich nach Faktoren wie Postleitzahl, Netzentgelten und EEG-Umlage. So könnten Preise individuell unterschiedlich ausfallen. Laut Verbraucherzentrale Hessen sind Lockangebote mit günstigen Preisen im ersten Vertragsjahr und deutlichen Anhebungen danach in der Branche nicht ungewöhnlich, aber rechtlich nicht zu beanstanden, solange die Rahmenbedingungen eingehalten würden. So müssten etwa die Preiserhöhungen transparent angekündigt und die Kunden auf ihr Sonderkündigungsrecht hingewiesen werden. cka Bisher sind zwar nur sechs der insgesamt 63 Kommunen im Versorgungsgebiet im Monitor eingebunden. Ein Blick darauf lohnt sich dennoch. So ist beispielsweise abzulesen, dass Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau) aktuell rein rechnerisch 34 Prozent seines gesamten Strombedarfs aus erneuerbaren Energien deckt, während es in Roßdorf (Landkreis Darmstadt-Dieburg) 61 Prozent sind und in Fürth im Odenwald sogar 127 Prozent. Das heißt, Fürth produziert mehr Strom, als es benötigt und speist diesen Überschuss bei der Entega-Tochter E-Netz Südhessen ein. Aufgeschlüsselt wird auch, aus welchen Quellen der Strom jeweils stammt.

Weitere Kommunen sollen im Laufe des Jahres eingebunden werden. Gespräche hierzu liefen derzeit, sagt Entegasprecher Michael Ortmanns. Man wolle damit auch eine Art „spielerischen Konkurrenzkampf“ zwischen den Kommunen schaffen. Entega-Vorstandsvorsitzende Marie-Luise Wolff sieht darin einen „wichtigen Beitrag, um die Akzeptanz für die Umsetzung der Energiewende in unserer Region noch weiter voranzutreiben, weil der Status quo jederzeit deutlich wird“.

Energiewendemonitor unter: energiewendemonitor.entega.ag.

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