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Oberbürgermeister in Teilzeit

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Kerstin Lau ist Sozialpädagogin, Mutter von zwei Söhnen und arbeitet als Personalsachbearbeiterin.
Kerstin Lau ist Sozialpädagogin, Mutter von zwei Söhnen und arbeitet als Personalsachbearbeiterin. © Privat

Uffbasse will mit einer Doppelspitze in die Wahl gehen. Zuvor muss die Darmstädter Wählgemeinschaft rechtliche Hürden überwinden.

Die Darmstädter Wählergemeinschaft Uffbasse besinnt sich auf das „e“ in ihrem Parteinamen, „e“ wie eigenwillig. Die Stadtverordneten Kerstin Lau und Jörg Dillmann wollen bei der Oberbürgermeisterwahl am 27. März als Doppelspitze kandidieren und sich nach einem Wahlsieg das Amt teilen. Das teilten beide am Montag mit.

Die „Unabhängige Fraktion Freier Bürger – Aufrecht Spontan Subkulturell Eigenwillig“ bezieht sich bei der Ankündigung der Doppelkandidatur auf eine „alte Darmstädter Tradition“: Bereits in den Jahren 1479 bis 1567 sei die Funktion des Bürgermeisters zwischen zwei Amtsträgern aufgeteilt worden. Damals entsandte der aristokratische Rat und die Bürgerschaft der Stadt im Jahresrhythmus jeweils einen Bürgermeister.

„Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt Dillmann und nennt gleich eine ganze Reihe von Botschaften, die mit der Doppelkandidatur verbunden seien: bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Zusammenwirken von Frauen und Männern, generell die Aufteilung von Spitzenämtern, in die zwei Personen ihre Stärken einbringen könnten.

Für die Stadt entstünden keine Mehrkosten, da sich die Teilzeit-Oberbürgermeister ein Gehalt teilen wollen.

„Frauen haben ganz andere Denkweisen“, sagt Dillmann, „ein ganz anderes Näschen, wie mit Geld umzugehen ist.“ Dillmann (49), Beruf Hausmeister, war selbst bereits 1993 und 2005 als OB-Kandidat angetreten und hatte dabei mit 3,9 und 6,3 Prozent der Stimmen Achtungserfolge erzielt. „Zu zweit ist man schlagkräftiger“, hofft er auf eine bessere Ausgangsposition zusammen mit seiner Fraktionskollegin.

„Jörg und ich arbeiten sehr eng zusammen“, bestätigt Kerstin Lau (39). Sie selbst wolle wegen der Belastung als berufstätige Mutter zweier Söhne nicht allein in den Ring steigen. Sie freue sich auf die Herausforderung, sagt die Personalsachbearbeiterin, die es bislang nicht in die vorderste Linie der öffentlichen Auseinandersetzung gedrängt hat. Als gelernte Sozialpädagogin und ausgebildete Mediatorin gehe sie eher vermittelnd und sachorientiert an die Themen heran. Schwerpunkte sieht Lau bei Sozial- und Familienpolitik sowie Finanzen, während Dillmann sich vor allem für Themen rund um Bauen und Kultur interessiert.

Vor dem Einstieg in den Wahlkampf steht allerdings die Zulassung der Kandidatur. Im Hessischen Kommunalwahlgesetz heißt es ausdrücklich: Jeder Wahlvorschlag darf nur einen Bewerber enthalten.

„Juristisch wird das nicht ganz einfach“, ahnt Kerstin Lau, „aber man muss das einfach mal testen.“ Uffbasse sehe sich in einer Vorreiterrolle für die gesellschaftlich vorteilhafte Aufteilung von Spitzenämtern. "Das gehört zum Zeitgeist.“ (bad)

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