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Obdachlose (Symbolfoto).

Obdachlose in Darmstadt

Obdachlose als Helfer

Obdachlose sollen in Darmstadt zu sozialen Helfern ausgebildet werden. Die Obdachlosen sollen dadurch Zugang zum gesellschaftlichen Miteinander bekommen. Auch soll ihr Selbstwertgefühl steigen.

Vor-Teil heißt ein neues Projekt des Diakonischen Werks für Wohnungslose in Darmstadt. Obdachlose Menschen sollen zu Helfern für andere ausgebildet werden. Das Ziel: Selbstwertgefühl. Die Idee ist aus der Not heraus geboren. Als 2011 in Deutschland die Wehrpflicht ausgesetzt wurde, fehlten die Zivildienstleistenden überall. Auch in der Teestube „Konkret“, die das Diakonische Werk in der Alicenstraße führt.

Doch ohne Zivis mussten sich Nicole Frölich, Bereichsleiterin Wohnungslosenhilfe, und ihr Team plötzlich fragen, wie dieses Angebot aufrechterhalten werden kann. Die Lösung: Wohnungslose um Mithilfe bitten, etwa um Waschpulver und Hygieneartikel auszugeben oder Kaffee zu kochen. „Mittlerweile läuft das gut“, sagt Frölich, eine feste Gruppe von 20 Wohnungslosen sorge dafür. Und etwas ganz anderes werde damit noch gewonnen: Die Wohnungslosen strukturieren ihren Tag, sie stärken ihr Selbstwertgefühl und trainieren damit, in Zukunft auch wieder in einer festen Anstellung zurechtzukommen.

Initialzündung für Projekt

Diese Erfahrungen seien „die Initialzündung“ für das neue Projekt gewesen, berichtet Frölich. Die Idee, die in der Teestube gelebt wird, soll nun mit „Vor-Teil“ ausgeweitet werden. Wohnungslose werden künftig geschult, um etwa Ansprechpartner für Menschen in der Bahnhofsmission zu sein, dort Kaffee auszugeben oder Kleiderspenden zu verwalten. Auch im Bahnhof sollen die Projekt-Teilnehmer eingesetzt werden, zum Beispiel, um älteren oder gehandicapten Menschen beim Einsteigen in den Zug oder bei der Orientierung im Bahnhof zu helfen.

Eben hier sieht das Diakonische Werk Nachholbedarf: Projekte, die Wohnungslosen „durch die Übertragung verantwortlicher Tätigkeiten einen Zugang zum gesellschaftlichen Miteinander verschaffen“, fehlen in Darmstadt, heißt es im Projektantrag. Eine soziale Isolation, die häufig länger dauere als die Obdachlosigkeit selbst, soll mit „Vor-Teil“ durchbrochen werden. „Sie sind faul, sie wollen nichts, sie können nichts“, so sei oft das Bild, das die Öffentlichkeit von Wohnungslosen habe, sagt Frölich. „Deren Selbstwertgefühl leidet darunter. Mit dem Projekt wollen wir eine Möglichkeit bieten, bei der jeder seine Fähigkeiten einbringen kann und so auch das eigene Selbstbewusstsein steigert.“ Oder, wie Nicole Frölich es ausdrückt: „Drive kriegt.“

Gefördert wird das Projekt mit 165000 Euro von der „Aktion Mensch“. Darum hatte sich das Diakonische Werk beworben. Im Sommer soll die Mannschaft stehen, sagt Frölich. Bis Ende des Projekts, so hofft sie, sollen 40 bis 50 Wohnungslose davon profitieren. (ers)

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