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Noch immer kokelt es im Wald bei Münster

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Von: Annette Schlegl, Jens Joachim

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Der Waldboden muss gekühlt werden, damit sich umstürzende Bäume nicht entzünden.
Der Waldboden muss gekühlt werden, damit sich umstürzende Bäume nicht entzünden. © Annette Schlegl

Der große Waldbrand nahe des Muna-Geländes in Münster ist zwar unter Kontrolle, aber Glutnester flammen immer wieder auf. Im Wald gehen Munitionsreste hoch.

Montagmittag in Münster-Breitefeld, Tag drei der Waldbrandbekämpfung: Es gibt keine Rauchsäule mehr, die von dem Großbrand nahe dem Gelände der früheren Munitionsanstalt der Wehrmacht, dem sogenannten Muna-Gelände, kündet. Dafür sind jetzt am Himmel Hubschrauber der Polizei und Bundeswehr zu sehen, die „massive Löscharbeiten aus der Luft leisten“, wie sich der stellvertretende Kreisbrandinspektor Matthias Maurer-Hardt ausdrückt. Alle paar Minuten fliegen die Helikopter mit Löschwasser-Außenbehältern – sogenannten Bambi-Buckets – über die Köpfe der Einsatzkräfte hinweg.

Bisher 2500 Feuerwehrkräfte beim Brand am Muna-Gelände in Münster im Einsatz

Noch immer sind rund 450 Feuerwehrleute gleichzeitig in mehreren Schichten im Einsatz, um den Großbrand im Mischwald zu löschen. In der Nacht zum Montag wurden zwei weitere Feuerwehrkräfte leicht verletzt. Einer von ihnen erlitt eine Rauchgasvergiftung, der zweite eine Platzwunde am Kopf. Insgesamt mussten bisher 22 Feuerwehrleute behandelt werden, so Maurer-Hardt. Sie hatten Rauchgas eingeatmet, waren dehydriert oder schlichtweg erschöpft. Auch ein verstauchter Knöchel musste verarztet werden. „Von Samstagnachmittag bis heute waren 2500 Kräfte von Feuerwehr, THW, Rotem Kreuz und den Johannitern im rollierenden Wechsel im Einsatz“, sagt Feuerwehrsprecher Werner Flechsenhar. Die Bundeswehr unterstützt mit einem großen Hubschrauber.

Nach dem Feuer sieht der Wald nahe dem Muna-Gelände in Münster-Breitefeld aus wie eine Mondlandschaft.
Nach dem Feuer sieht der Wald nahe dem Muna-Gelände in Münster-Breitefeld aus wie eine Mondlandschaft. © Annette Schlegl

Der Brand begann südwestlich des Muna-Geländes, wurde am Samstag gegen 13 Uhr gemeldet. 250 000 Quadratmeter Wald sind bisher verbrannt – ein Areal so groß wie 35 Fußballfelder. Seit Sonntagnacht sei das Feuer zwar unter Kontrolle und breite sich nicht weiter aus, so Flechsenhar. Allerdings habe ein Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera am Montag zwei größere Flächen mit Glutnestern entdeckt, die durch aufkommenden Wind angefacht wurden. Außerdem sei der Waldboden noch sehr heiß und müsse heruntergekühlt werden, damit umstürzende Bäume nicht Feuer fangen.

Brandursache für das Feuer am Muna-Gelände ist noch unklar

Die Löscharbeiten werden wohl noch bis Ende der Woche weitergehen müssen, blickt Maurer-Hardt voraus. Die Brandursache ist noch unbekannt, sei Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen. „Sämtliche Entzündungsmechanismen sind möglich – zum Beispiel auch ein Tier, das über Munitionsreste lief“, sagt er.

Weitere Brände

Die Feuerwehren mussten in den vergangen Tagen in der Region noch weitere Brände löschen:

Bei Darmstadt-Wixhausen brannte es am Freitagabend hinter der Gesellschaft für Schwerionenforschung im Unterholz eines Waldstücks.

In Raunheim warf am Freitagvormittag ein unbekannter, etwa 25 bis 30 Jahre alter Radfahrer zwischen der Kläranlage und einem Einkaufszentrum einen Zigarettenstummel weg, der ein Feuer auf einem Stoppelacker entfachte.

In Bischofsheim brannte am Sonntagnachmittag eine 5000 Quadratmeter große Grünfläche an der Autobahn 671. jjo

In dem Waldgebiet bei Münster hatte die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg eine Munitionsanstalt (Muna) errichtet, in der Luftwaffenmunition hergestellt und in oberirdischen Bunkern gelagert wurde. Als die amerikanischen Fronttruppen nahten, sprengte die Wehrmacht die meisten Bunker selbst in die Luft. Munitionsreste flogen auf den Waldboden und blieben dort liegen. „Die Munition liegt heute größtenteils nicht mehr frei herum“, sagt Maurer-Hardt. Auch die Munitionslager und restlichen Bunker sind heute leer.

Kampfmittelsondierung läuft schon seit Jahren im Wald bei Münster

Im Auftrag von Waldbesitzern lässt das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt in dem großen Waldgebiet seit Jahren schon Kampfmittel sondieren und räumen. „Die Firma, die damit beauftragt ist, musste im Zuge des Brandes – auch um die Löscharbeiten zu ermöglichen – ihre Arbeiten unterbrechen, wird diese jedoch zeitnah wieder aufnehmen“, heißt es auf FR-Anfrage aus dem RP. Das Forstamt habe entsprechende Karten zu geräumten Arealen, auf denen sicher gelöscht werden könne.

Ein Polizeihubschrauber holt Wasser aus einem Löschwasser-Faltbehälter.
Ein Polizeihubschrauber holt Wasser aus einem Löschwasser-Faltbehälter. © Feuerwehr Darmstadt

Es gibt jedoch noch große Flächen, die nicht vollständig von Munitionresten geräumt sind. Die Patronen und Granaten sind mittlerweile ins Wurzelwerk der Bäume eingewachsen oder liegen unterhalb des Waldbodens. Die Feuerwehrkräfte betreten deshalb nur die Waldschneisen und die ausgebauten Wege, können das Feuer auch nur von dort aus bekämpfen. Im unwegsamen Waldgelände ist nur Luftbrandbekämpfung möglich.

Immer wieder gingen bei dem Waldbrand in Münster Munitionsreste hoch

Der Waldrand rund um die alten Munitionsdepots herum, die mit einem Zaun gesichert sind, wird mit Kreisregnern beregnet – ähnlich den Geräten, die Landwirte auf ihren Feldern nutzen. Spezialgeräte sind auch die sogenannten Holland-Fire-Systeme – riesige Pumpeneinheiten mit sehr großvolumigen Schläuchen, die an offene Gewässer in der Umgebung angeschlossen sind.

Verletzt wurde bei dem Brandeinsatz bisher niemand – obwohl immer wieder Munitionsreste hochgingen. „Keine Explosion, sondern die thermische Umwandlung von Schwarzpulver“, beschreibt Flechsenhar das Szenario, das wohl eher einer Verpuffung glich.

In der Nacht zum Montag hatte die Leitstelle des Kreises Darmstadt-Dieburg über Warnapps die Bevölkerung im Landkreis Darmstadt-Dieburg erneut vor Rauchentwicklung und Geruchsbelästigung durch den Waldbrand gewarnt. Erst am Sonntagabend war eine gleichlautende Warnmeldung wieder zurückgenommen worden. mit jjo

Die Feuerwehrkräfte suchen nach Glutnestern im Boden.
Die Feuerwehrkräfte suchen nach Glutnestern im Boden. © Annette Schlegl

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