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Wann genau die Umgestaltung des Schreberwegs beginnt, ist noch offen.

Darmstadt

Noch eine Fahrradstraße

Die Stadt baut mit dem Schreberweg das Radwegenetz weiter aus.

Er ist 700 Meter lang, verbindet die Arheilger Maulbeerallee mit der Arheilger Straße im Martinsviertel und überquert dabei dreimal die Bahngleise: der Schreberweg. Die verkehrsberuhigte Parallele zur Frankfurter Landstraße soll Fahrradstraße werden. Welche Veränderungen damit einhergehen, haben nun die Projektplaner im Vereinsheim des Kleingartenvereins Maulbeerallee erklärt.

„Darmstadt arbeitet seit Jahren daran, die Bedingungen für den Radverkehr zu verbessern“, sagte Karin Weber, freiberufliche Stadt- und Verkehrsplanerin. „Wir haben mit einem neuen Fahrradstadtplan die Hauptrouten im Alltag aufgelegt. Auf vielen Abschnitten gibt es noch Luft für Verbesserungen, und der Schreberweg gehört dazu.“

Die Verkehrsregeln sind einfach: Auf einer Fahrradstraße haben Fahrräder immer Vorrang und dürfen nebeneinander fahren. Die Geschwindigkeit ist auf Tempo 30 begrenzt, allerdings hat sich der Autoverkehr an den Zweirädern zu orientieren. „Fahren Senioren oder Familien langsamer, dann ist das eben die Geschwindigkeit“, so Weber.

Viermal so viele Räder wie Pkw

Doch nicht jede Straße kann einfach zur Fahrradstraße werden: „Der Radverkehr muss die zahlenmäßig stärkste Gruppe sein. Im Schreberweg fahren viermal so viele Räder wie Pkw“, erläuterte die Verkehrsplanerin. Fahrradstraßen gibt es seit 1997 in Deutschland, und sie werden auch rege eingerichtet. In über 80 Städten findet man sie laut Weber mittlerweile.

Insgesamt sind einige kleine bauliche Maßnahmen im Schreberweg vorgesehen. Unter anderem werden Schilder und Markierungen am Boden die Fahrradstraße kennzeichnen. Der Straßenbelag wird an einigen Stellen ausgebessert und die Bahnübergänge werden sicherer gestaltet. Die Parksituation soll geändert werden und eine Verbindung von Kranichstein bis zum Nordbahnhof entstehen. Dort befindet sich bisher nur ein schlammiger Trampelpfad, der sich mit der Zeit gebildet hat.

Ute Müller nutzt diesen regelmäßig und freute sich über die geplante Maßnahme: „Ich sehe, dass hier immer mehr Leute Rad fahren“, sagte sie. „Das tut der Stadt und der Umwelt gut und sollte gefördert werden.“ Das belegen auch die Zahlen. Laut den Projektvertretern sind ein Viertel der Nahverkehrsteilnehmer in Darmstadt Radfahrer, Tendenz stark steigend.

Nicht jeder überzeugt

Doch nicht jeder ist von der Fahrradstraße überzeugt. „Ich bin dagegen. Wir haben in Darmstadt genug Radwege, die nicht in Ordnung sind und die man verbessern muss“, sagte Norbert Wiese. Für ihn ist es Unsinn, einfach ein paar Schilder aufzustellen und die Straße anzumalen. Stattdessen müssten Radfahrer und Autofahrer endlich lernen, miteinander umzugehen.

„Es gibt viele Punkte mit persönlicher Betroffenheit, denen wir auch versuchen, nachzugehen“, verspricht Ullrich Ranly, Leiter der Planungsabteilung Straßenverkehr. „Es sind auf jeden Fall Probleme angesprochen worden, die wir so nicht im Fokus hatten.“ Die endgültige Entscheidung obliege jedoch den Gremien der Stadt, die Bewohnerschaft habe keine Entscheidungsgewalt, stellte Ranly fest. Es gebe immer gesamtstädtische Aspekte zu beachten, da könnten nicht einzelne Anlieger entscheiden.

Wann genau die Pläne für den Schreberweg umgesetzt werden, ist noch offen. Langfristig soll eine Nord-Süd-Verbindung ganz Darmstadt durchziehen und es Radfahrern ermöglichen, die Hauptverkehrsstraßen zu meiden. Die Fahrradstraße im Schreberweg ist ein wichtiger Teil dieser Verbindung. „Es ist die einzige Ausweichstrecke für Menschen, denen die Frankfurter Landstraße zu laut oder zu gefährlich ist“, sagte Thomas Grän vom ADCF. (eda)

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