1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Wassermangel im Darmstädter Woog: Kritik an Regenwasseranlage der TU

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Claudia Kabel

Kommentare

Der Wassermangel ist auch im Darmstädter Badesee Woog zu spüren. (Archivbild)
Der allgemeine Wassermangel ist auch im Darmstädter Badesee Woog zu spüren. (Archivbild) © Renate Hoyer

Die TU Darmstadt testet gerade ihre neue Regenauffanganlage, mit der sie viel Trinkwasser sparen will. Die Woogsfreunde zum Schutz des Naturbadesees sind skeptisch.

Mehr als 42 Zentimeter unter dem Sollwert liegt aktuell der Wasserpegel des Großen Woog. Der Darmbach, der den Darmstädter Badesee speist, ist trocken gefallen. Laut Reinhard Cuny, dem Vorsitzenden der Bürgeraktion Woogsfreunde, ist für das Fehlen von frischem Wasser nicht nur die Trockenheit vergangener Jahre und die derzeitige Wetterlage verantwortlich, sondern auch die immer weiter fortschreitende Flächenversiegelung auf dem TU-Campus Lichtwiese. „Der Darmbach wird nicht nur aus Quellen gespeist, sondern auch aus der Umgebung“, sagte er der FR.

Darmbach speist Großen Woog in Darmstadt

Die Woogsfreunde sehen nicht nur die Bebauung des Campus kritisch, sondern auch die Inbetriebnahme der neuen Wasserbewirtschaftungsanlage. Diese sammelt Regenwasser, das zuvor in die Kanalisation floss, und führt es unter anderem dem Grundwasser zu. Laut den Woogsfreunden hätte man die Anlage so konzipieren müssen, dass ein Teil des Wassers dem Darmbach und damit dem Woog zugeleitet wird.

Pumpen, Drainagen und Sickerungsmulden auf der TU-Lichtwiese in Darmstadt.
Pumpen, Drainagen und Sickerungsmulden auf der TU-Lichtwiese in Darmstadt. © Renate Hoyer

TU Darmstadt: Regenwasser ging vorher in die Kanalisation

Bei der TU sieht man das anders. „Das neue Wasserbewirtschaftungskonzept beendet einen ökologisch und wirtschaftlich unsinnigen, historisch bedingten und längst überkommenen Zustand, nämlich das Einleiten großer Mengen Niederschlagswasser ins öffentliche Kanalnetz“, teilte Pressesprecher Jörg Feuck mit. Das auf der Lichtwiese gesammelte Regenwasser „sei noch nie, auch nicht in Teilmengen, so geleitet worden, dass es ‚im Woog ankommt‘“.

Durch die kürzlich gebauten Versickerungsmulden sollen bei Regen pro Sekunde rund 100 Liter Regenwasser in die Versickerungsanlagen gepumpt werden und künftig das natürlich gefilterte Niederschlagswasser in die seit Jahren bestehende Brauchwasseranlage eingespeist werden. Der Bau eines vernetzten Systems aus Sickerbecken, Pumpen und Brunnen sorge für eine Balance. Es werde überwacht, dass der Grundwasserpegel nicht unter einen Minimalstand sinke und damit Ökosysteme gefährde und nicht über einen Maximalstand steige und Gebäude gefährde. Damit will die TU jährlich 150 000 Kubikmeter Trinkwasser sparen, weil sie stattdessen Brauchwasser verwendet – etwa für die Kühlung technischer Anlagen, Sanitäranlagen und zur Grünpflege.

Laut TU-Sprecher Feuck gibt es keinen Zusammenhang zwischen Campusbebauung und dem Trockenfallen des Darmbachs. Dies sei durch Gutachten, wissenschaftliche Untersuchungen und Stellungnahmen des Regierungspräsidiums bestätigt. Cuny sagte der FR dazu, das Regenwasser sei vor der Bebauung der Lichtwiese, vor 40 bis 50 Jahren, durchaus dem Darmbach zugeflossen. Der Bach sei auch bis vor etwa zehn Jahren nicht trocken gefallen.

Auch interessant

Kommentare