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Niebergalls Grab verfällt

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Das Ehrengrab des Darmstädter Dichters und Schöpfers des „Datterich“ ist ungepflegt. Darüber ärgert sich Gertrude Becker jedesmal, wenn sie auf den Alten Friedhof geht. Und mit ihr auch andere.

Darmstadt begeht den 200. Geburtstag des Dichters Ernst Elias Niebergall mit einem „Datterich-Festival“. Die Grabstätte Niebergalls verwildert unterdessen. Das ärgert so manchen. „Wann-mer unne leid, kennd’s aam jo eischendlich egal seu, wos die Plänzjer do owwe dreiwe“, wispert Niebergall (1815-1843) aus seinem Grab. „Awwer e-bisje schenierlisch iss-es schun. Mer iss doch schließlich aach wer gewääse.“

Und zwar „der berühmte Sohn der Stadt“, wie es auf der Internetseite „datterich-festival.de“ heißt. Diese Berühmtheit sieht man der Ruhestätte des Darmstädter Dichters – in der er freilich nie gelegen hat –, nicht an. Zwar hat der Schöpfer des „Datterich“ links und rechts neben sich seine beiden besten Hauptdarsteller liegen – Joseph Offenbach und Robert Stromberger –, doch das eigene Gärtchen wirkt wie ein Armesündergrab.

Bürger verärgert

Darüber ärgert sich Gertrude Becker jedesmal, wenn sie auf den Alten Friedhof geht. Und mit ihr auch andere. Becker hat in ihrer Jugend bei der Spielgemeinschaft als Regieassistentin und Souffleuse agiert. So liegen ihr Niebergall und seine Werke am Herzen. „Ich persönlich reg‘ mich da auf. Jetzt ist ja jeden Tag Niebergall in der Zeitung, Veranstaltungen rauf und runter, Spaziergänge zum Datterich und so fort. Ei, ich würd gern mal einen von denen an der Hand nehmen und zum Niebergallgrab führen. Das sieht doch aus wie Hund.“

Becker spielt auf das derzeitige „Datterich-Festival“ an, ein Feuerwerk der Unternehmungen. Anlass ist der 200. Geburtstag Niebergalls. Ein Anlass auch, das städtische Ehrengrab auf dem Alten Friedhof herzurichten? Trauriger Anblick: Grabstein schief, von Büschen überwuchert, Pflanzschale leer; der Boden teils blanke Krume, teil Efeuwüste; hier liegen Granitbrocken herum, da kriechen bleiche Blüten über die Einfriedung, dazwischen reckt sich eine halbverdorrte Rose dem Betrachter entgegen.

Die Stadt konnte am Freitag keine Auskunft geben, warum die gärtnerische Betreuung des Ehrengrabs ausgeblieben ist. (ers)

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