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Nicht nur der Geruch wird besser

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Das neue Rechenwerk der Kläranlage.
Das neue Rechenwerk der Kläranlage. © Alexander Heimann

Die Arbeiten an der Kläranlage gehen voran. Im September beginnt die Testphase der Anlagenteile, im Frühjahr 2016 soll der Betrieb laufen.

Die Stiegen der Stahltreppe vibrieren unterm Fuß, als Harald Steiger den Besuch entlang des Gerüsts, das derzeit den Neubau des fast zwölf Meter hohen Rechengebäudes umgibt, treppauf führt: Bauingenieur Steiger ist Leiter der Stadtentwässerung Groß-Gerau und informierte über den Stand der Großbaustelle an der Kläranlage.

„Wir sind gut im Plan – zeitlich und finanziell“, sagt er, auf dem Flachdach des Rechengebäudes angekommen, wo Kuppelfenster, die für Deckenlicht sorgen, aufragen. Der Blick schweift hinaus über die Felder bei Wallerstädten und bietet zugleich einen imposanten Blick aufs Areal der Kläranlage mit Alt- und Neubau der Anlagen am Neuwiesenweg.

„Knapp sieben Millionen kostet – wie veranschlagt – die Erneuerung der Einlaufgruppe. Im September beginnen wir mit der Testphase der Anlagenteile, im Frühjahr 2016 soll der Betrieb laufen“, so Harald Steiger. Er erläutert: „Unsere alte Anlage von 1960 wird komplett aus dem Betrieb genommen, ist nach mehr als 50 Jahren quasi hinüber. Abgerissen haben wir sie nicht. Sie wird zum Teil als Lagerfläche für Betriebsmaterial genutzt. Die Vorklärbecken sollen eine Pufferzone als zusätzlicher Zwischenspeicher bieten.“ Auch die drei Faultürme, in denen der ausgefilterte Schlamm stabilisiert wird, um Faulgase in Energie umzuwandeln, bleiben erhalten. „Unsere Kläranlage wird damit zum hohen Teil mit Strom und Wärme versorgt“, sagt Steiger.

Gesamte Anlage wird begrünt

Im Rechengebäude geht der erste Teil der mechanischen Wasservorreinigung vonstatten, wobei Grobstoffe aus täglich durchschnittlich 6000 Kubikmeter Wasser herausgefiltert und in Container befördert werden. Vom Dach fällt der Blick auf die neuen Übergabeschachte. Dort kommt das Abwasser von Wallerstädten, Dornheim und dem Kernstadtgebiet beim Klärwerk an. Zur rückwärtigen Seite des Areals schaut man hinab auf den neuen, zweispurigen Sandfang mit zusätzlicher Notfallspur, dem Bypass. Außerdem sind die Vorkläranlage, das Belebungsbecken der biologischen Abwasserreinigung und das Nachklärbecken zu sehen.

„Betriebssicherheit, Reinigungsleistung und Arbeitsbedingungen werden verbessert. Sie entsprachen nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben. Die Ausfallhäufigkeit wird minimiert“, sagt Steiger. Mehrfach gab es Sanierungen und Erweiterungen – Anfang 2000 wurde die Schlammfaulung ertüchtigt, 2009 die Schlammentwässerung und Gasverwertung erneuert –, doch sei ein Neubau der Einlaufgruppe mit Rechen, Sandfang und Zulaufhebewerk nun unerlässlich.

„An den Bauteilen bestand aufgrund der Betriebsdauer sowie durch die kanalatmosphärisch bedingte aggressive Umgebungsluft Erneuerungsbedarf“, erklärt Steiger. Kurz: Es miefte. Die Geruchsentwicklung stelle eine unzumutbare Arbeitsbelastung dar, der Beton der alten Anlage war angegriffen. Ab September soll dies anders sein. Modernste Lüftungstechnik sowie Beförderung von Grobstoffen in Absackvorrichtungen, ummantelt von Plastikschläuchen, verhindern den üblen Geruch. „Baulich sind über 90 Prozent der Anlage fertig. Jetzt sind die Ausbaugewerke dran – Elektrotechnik, Verkabelung, letzte Fassadenarbeiten“, sagt Steiger. Er weist zudem auf die teils sandigen, teils verkrauteten Flächen an der Kläranlage hin, erläutert, dass auch der Ästhetik Rechnung getragen werde: „Ein breiter Grüngürtel zum Neuwiesenweg hin sowie die Begrünung des gesamten Anlageberitts gehören dazu.“ (lot)

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