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Ein neues Gesicht für die Stadt

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Saniert werden Bauverein-Wohnungen am Spessartring – die Modernisierung ist in Sicht.
Saniert werden Bauverein-Wohnungen am Spessartring – die Modernisierung ist in Sicht. © Guido Schiek

Bauverein will in den nächsten Jahren 150 Millionen Euro in Modernisierung investieren

Der Vorstand der Darmstädter Bauverein AG, Sybille Wegerich und Armin Niedenthal, kündigt für 2016 ein Jahr der Weichenstellungen an. Die städtische Wohnungsgesellschaft startet ein 150 Millionen Euro schweres Investitions- und Sanierungsprogramm.

In den nächsten drei Jahren will die städtische Bauverein AG jeweils 50 Millionen investieren. Das verkündet Bauverein-Vorstand Sybille Wegerich im Gespräch. Ein Anteil von 20 Millionen Euro soll in die Modernisierung des Bestands gesteckt werden, 30 Millionen Euro in den Neubau von Wohnungen. Zwei Drittel der Investitionen in Neubauten würden für die Lincoln-Siedlung, wo 3000 Wohnungen entstehen, aufgewendet. „Wir wollen zukunftsfähig sein“, sagt Armin Niedenthal, der seit 1. Januar 2016 den Vorstand der Bauverein AG ergänzt und gleichberechtigt mit Sybille Wegerich ist.

Niedenthals Thema ist der technische Bereich. Somit ist er zuständig für Neubau, Instandhaltung, Modernisierungsvorhaben und für das Bauträgergeschäft. Bei Letzterem möchte die städtische Gesellschaft nachlegen. Denn derzeit sei die Bauverein AG zu schwach in dem Segment, sagt Wegerich. Es laufe auf die strategische Entscheidung hinaus: ganz oder gar nicht.

Für die Mieter ist die Nachricht eine wichtige Weichenstellung

„Wir wollen weiter wachsen“, gibt Niedenthal die Devise aus. Insofern wolle sich die Baugesellschaft auch intern verstärken, „um extrem schlagkräftig zu sein“, so Wegerich. Der Kernmarkt sei Südhessen, die Wohnungen in Mittelhessen und im sächsischen Freiberg hat die Bauverein AG verkauft – es sei eine marktgerechte Rendite erzielt worden, unterstreicht Wegerich.

In Offenbach können sich die beiden Vorstände ein Engagement der Darmstädter Wohnungsgesellschaft noch vorstellen, in Frankfurt und Wiesbaden dagegen eher nicht. Als kleiner Fisch im Haifischbecken sei der Markt in den beiden größten hessischen Städten schwierig. „Ich bin lieber in den Gebieten, wo ich schon groß bin, der King“, meint Wegerich. 15829 Wohnungen hat der Bauverein in Hessen im Bestand, davon 11776 in Darmstadt. Für die Mieter der Bauverein AG ist die neue Weichenstellung eine gute Nachricht.

Der neue Vorstand Niedenthal sieht seine Aufgabe darin, Stadtreparatur zu betreiben, „um der Stadt ein neues Gesicht zu geben“. Die meisten Bauverein-Wohnungen stammen aus den 1950er und 1960er Jahren und sind über viele Jahre nicht saniert oder modernisiert worden. Das soll nun nachgeholt werden. Beispielsweise werde ab 2017 der komplette Rhönring – noch mit denkmalgeschützten Gebäuden aus den zwanziger Jahren – mit rund 1400 Wohnungen modernisiert.

Mit dem Spessartring geht es bereits in diesem Jahr los. Gleichwohl spricht Niedenthal auch die Probleme an, wenn im bewohnten Bestand saniert wird: „Es dauert bis zu einem Jahr, bis wieder Ruhe in die Liegenschaft einkehrt.“ Daher sei viel Kommunikation mit den Mietern gefragt. In der Wohnung sei mit bis zu sechs Wochen Belastung zu rechnen. Die Sanierungen sollen kostenneutral für die Mieter sein.

Das geplante Modernisierungs- und Investitionsprogramm wird sich auf den städtischen Haushalt auswirken, denn „um nachhaltig den Bestand zu stärken, braucht unser Unternehmen die Einnahmen, die es erwirtschaftet“, sagt Sybille Wegerich, die für das Kaufmännische bei der Bauverein AG verantwortlich ist. Den Gewinn von 2014 in Höhe von 23 Millionen Euro habe die Gesellschaft komplett an die Stadt abgeführt. Für 2015 rechnet Wegerich mit rund 24 Millionen Euro Gewinn – ihrer Kenntnis nach habe die Stadt zwölf Millionen Euro davon für den Haushalt eingeplant. Zwölf Millionen Euro sollen im Bauverein bleiben.

Für falsch hält Wegerich, die seit Oktober 2014 die Geschäfte der AG führt, die Forderung der SPD, die Mieten auf drei Jahre einzufrieren. Das sei kontraproduktiv, das Geld werde für die Sanierung gebraucht. Die Miete bei den frei finanzierten Bauverein-Wohnungen in Darmstadt wird durchschnittlich um 0,6 Prozent erhöht. Ein Verzicht auf Mieterhöhungen in den kommenden drei Jahren würde für die Bauverein AG eine Ertragsminderung in Höhe von rund drei Millionen Euro bedeuten, heißt es vom Unternehmen.

Zu dem von Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) formulierten Ziel, bis 2020 rund 10 000 Wohnungen zu bauen, sagt Wegerich: „Die müssen wir ja nicht alleine bauen.“ Sie traue der Bauverein AG 1500 bis 2000 Wohnungen in den nächsten Jahren zu. Völlig in den Sternen stehe, ob die Wohnungsgesellschaft auf der Konversionsfläche der Cambrai-Fritsch-Kaserne zum Zuge komme. ers

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