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Was kreucht und fleucht im Totholz? Der Fabienne-Steig bringt Aufklärung.

Darmstadt

Neuer Urwaldpfad zeigt Sturmschäden

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Entwurzelte Bäume und umgeknickte Stämme: Der Fabienne-Steig im Kranichsteiner Wald bei Darmstadt zeigt die natürliche Erneuerung. Ohne menschlichen Einfluss.

Es ist laut Umweltministerium ein hessenweit einmaliges Projekt: Im Kranichsteiner Wald bei Darmstadt entsteht derzeit ein Urwald im Kleinformat – und ein Weg hindurch wurde jetzt eröffnet: Auf 700 Metern schlängelt sich der Fabienne-Steig durch den Wald. Über querliegende Bäume muss man klettern, auf umgestürzten Stämmen balancieren, vorbei an den zahlreichen, aus dem Boden ragenden mannshohen Wurzeltellern. Und überall dazwischen wächst bereits der junge Wald nach.

Benannt ist der Pfad nach Sturm Fabienne, der hier am 22. September 2018 eine Schneise der Verwüstung von Langen über Darmstadt und Dieburg Richtung Aschaffenburg hinterließ. Noch sind nicht alle Schäden aufgeräumt. Hier am Fabienne-Steig wird niemals aufgeräumt werden.

Urwald von morgen

Der Eingang zum Fabiennesteig befindet sich einige Hundert Meter hinter dem Parkplatz zur Gaststätte zum alten Forsthaus Kalkofen (Kalkofenweg 90 in Darmstadt). Dort kann man sich nach der Erkundung des Urwaldes ausruhen. Öffnungszeiten: https://kalkofen.com.

Kernflächen Naturschutz wurden bisher in 41 hessischen Forstämtern ausgewiesen. Dort gibt es überdurchschnittlich viele alte Buchenbestände, aber auch seltene Waldgesellschaften wie Erlenbrüche, Auewald, Trockenwälder und Schluchtwälder. Schwarzstorch, Buntspecht, Waldfledermaus sowie bestimmte Käferarten fühlen sich hier besonders wohl.

„Auf dem neuen Erkundungspfad erfahren die Besucherinnen und Besucher alles darüber, welchen Einfluss Stürme auf die Entwicklung unserer Wälder haben und was passiert, wenn man nicht aufräumt“, sagte Staatssekretär Oliver Conz am Dienstag bei der Eröffnung des Steiges. Laut der Darmstädter Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne) kann hier auch beobachtet werden, welchen Einfluss klimatische Veränderungen auf den Wald haben.

Sieben Stationen klären über Besonderheiten des Waldes auf und darüber, wie sich Sturm und Klimaveränderungen auf die Bäume auswirken. Der dichte Boden vor Ort führt beispielsweise dazu, dass Buchen sehr flache Wurzeln bilden und die Bäume beim Sturm umfallen können. Die tieferen Pfahlwurzeln der Eichen sind dagegen fest im Boden verankert, deswegen brechen die Bäume häufiger ab. Darüber hinaus zeigt der Pfad, wie schnell sich verschiedene Holzarten zersetzen oder welche Tiere und Pflanzen sich in abgestorbenen Bäumen ansiedeln. Konzipiert wurde der Pfad vom Museum Bioversum Jagdschloss Kranichstein.

Klettern muss man können auf dem Fabienne-Steig in Darmstadt.

Die Kletterhilfen in Form von Holztreppen und Geländern wurden von Berufsschülern der Peter-Behrens-Schule gebaut. Dass Kinder hier den Wald erkunden, ist laut Hessenforst ausdrücklich erwünscht, „nur aufpassen sollte man, dass man sich nicht verläuft“, sagt Bioversum-Mitarbeiterin Scarlett Umlauf. „Wir würden uns freuen, wenn Kinder und Erwachsene hier ein Gefühl für den Wald bekommen“, sagte Forstamtsleiter Hartmut Müller.

Der Fabienne-Steig gehört mit zwölf Hektar zu den 27 000 Hektar Kernflächen Naturschutz, die Hessen seit 2013 ausgewiesen hat. Auf ihnen wurde die Bewirtschaftung komplett eingestellt. „Wenn etwas gefällt wird, bleibt es liegen“, so Conz. Wissenschaftlich begleitet wird die Entwicklung der Areale von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt.

Staatssekretär Conz kündigte an, weitere Kommunen darin zu fördern, Kerngebiete zu schaffen, auch wo der Wald in privatem Besitz sei. Bislang habe Hessen zehn Prozent seines Waldes zu Kernflächen gemacht, dies entspreche den internationalen Vorgaben.

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