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Harald Polster von Gewobau erklärt den Bewohner Elisabeth Brust und Doris Papendick, dass ihre Häuser abgerissen werden.
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Harald Polster von Gewobau erklärt den Bewohner Elisabeth Brust und Doris Papendick, dass ihre Häuser abgerissen werden.

"Pfungstädter Dörfchen"

Neue Wohnung im alten Quartier

In Pfungstadt wird eine ganze Siedlung abgerissen. Doch die Mieter, meist alleinstehende Senioren, die seit Jahrzehnten dort wohnen, üben keinen Widerstand, sondern freuen sich auf die neuen Wohnungen.

Von Michael Grabenströer

Elisabeth Burst, gerade 81 Jahre alt geworden, muss trotz ihres Alters noch einmal umziehen. Sie bleibt jedoch in ihrer gewohnten Umgebung, wo sie schon seit über einem halben Jahrhundert lebt - mit alten Freundinnen und vertrauten Nachbarn. Weihnachten 1953 ist sie mit ihrem Mann in die damals neuen Wohnblocks an der Goethestraße in Pfungstadt gezogen.

Sie gehört damit zu den ersten Mietern in diesem Wohnquartier, das die gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft(Gewobau) Pfungstadt errichtet hat. Im Herbst wird dort umgebaut. Die alten dreigeschossigen Wohnblocks werden abgerissen und durch eine neue Wohnanlage ersetzt. Aus 45 Wohnungen werden so 94 neue. "Aber das Quartier bleibt bestehen", ist die zentrale Botschaft von Gewobau-Geschäftsführer Harald Polster. "Die alten Mieter bleiben die alten Mieter. Die sozialen Zusammenhänge bleiben bestehen."

Harald Polster läßt sich den Stolz über das neue Projekt nach zwei Jahren Vorbereitung anmerken. "Die Häuser waren renovierungsbedürftig, teilweise nicht mehr seniorengerecht." Die Mieter waren jedoch Genossen und für Polster war klar, dass man sie bei dem Umbauvorhaben mitnehmen muss.

Ab Herbst können sie vermutlich zuschauen, wie der erste Wohnblock fällt. Ist das neue Gebäude dann fertig, beginnt der erste Umzug. "Danach fällt der zweite Wohnblock." So wird das Konzept umgesetzt, das nicht ohne Grund den Namen "Pfungstädter Dörfchen" trägt. Eine kleine Dorfgemeinschaft sollen die alten Mieter bleiben.

Auch Doris Papendick, 79, kann auf ein halbes Jahrhundert in der Goethestraße zurückblicken. Natürlich wird sie bleiben, wird den Umzug mitmachen. Derzeit wird die Siedlung noch von 36 Personen bewohnt, 34 davon Singles, weitgehend ältere Leute, deren Partner gestorben sind.

Die alten Wohnungen, in denen auch die Papendicks mit ihren Kindern lebten, waren eher klein - 42 und 60 Quadratmeter. Die neuen Wohnungen sind nicht größer - aber seniorengerecht. Es gibt einen Fahrstuhl, die Wohnungen sind barrierefrei erreichbar. Damit die Leute wohnen bleiben können, ist im Quartier auch ein Zusatzappartement vorgesehen, in das sich schon einmal Verwandte oder Betreuer einquartieren können .

"Wenn ich hier rausgehe, treffe ich immer jemanden, den ich kenne." Schon das ist für Doris Papendick ein Grund zu bleiben, schließlich bleiben auch die anderen. Man wird sich weiter treffen. Anna Koehler, 86, die im Garten hinter einem Wohnblock Paprika, Tomaten und Gurken setzt, "ohne Angst vor den Eisheiligen", ist jedoch skeptisch. "Ich werde den Umzug nicht mehr erleben", meint sie.

Da ist Harald Polster gefragt, der Geschäftsführer, der sich bei samstäglichen Rundgängen nach den Mietern erkundigt. Er verspricht ihr "zum Umzug ein Glas Sekt auf dem neuen Balkon".

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