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Neue Wohnformen für das Alter

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Christliches Sozialwerk errichtet eine Gemeinschafts-Wohnanlage.

Das hier sind nur fünf Kilometer Luftlinie von unserem Pflegeheim in Harreshausen“, sagt Tom Best, Bevollmächtigter des Christlichen Sozialwerks, das in Harreshausen und Schaafheim zwei gut gehende Pflegeheime betreibt, daneben ambulante Dienste sowie Essen auf Rädern anbietet. Das jüngste Projekt liegt knapp außerhalb der Kreisgrenze, auf bayrischem Boden in Stockstadt. Dort entstehen derzeit im Ortskern eine Wohnanlage mit Pflegeausrichtung für zwölf Mieter und zwölf Eigentumswohnungen, alles natürlich alters- und pflegegerecht.

„Größere Heime wird es weiter geben, für die schweren Pflegefälle, manchmal auch schon mit Hospizcharakter für jene Menschen, die absehbar bald sterben werden“, sagt Tom Best, während wir zur Baustelle gehen. „Aber allen ist klar, dass es zwischen der Pflege daheim in der Familie und einem Heim viele Zwischenschritte geben muss.

Wir haben uns als Heimbetreiber deshalb auf den Weg gemacht, erstmals ein solches Wohnkonzept entworfen und nun auch bald umgesetzt. So ähnlich dürften auch die Projekte werden, die „Senio“ mit „Gesprenz“ für Fischbachtal und Groß-Bieberau vorsehen.“

Was wird neu und besonders sein an der Wohnanlage in Stockstadt? „In der Senioren-Hausgemeinschaft mietet jeder Bewohner ein 27 bis 35 Quadratmeter großes Zimmer, plus Bad und Mini-Küche, alles für etwa 500 Euro“, erläutert Tom Best. Auf drei Etagen – vier Zimmer pro Etage, die Geschosse verbunden über Treppen und Aufzug – befindet sich auf der untersten Ebene zusätzlich eine große Gemeinschaftsküche.

Dreh- und Angelpunkt des Konzepts ist, dass die Bewohner – Mindestalter 55 Jahre ist vorgeschrieben – sich neben möglichen ambulanten Pflegediensten mindestens eine gemeinsame Präsenzkraft für die Pflege rund um die Uhr teilen kann. Wer also beispielsweise in der Nacht immer wieder auf Hilfe zum Toilettengang angewiesen ist, tagsüber nicht mehr allein aus dem Sessel kommt, Unterstützung bei den vielen Kleinigkeiten des Alltags braucht, hat immer einen helfenden Menschen um sich herum, teilt sich aber die Kosten mit den anderen Bewohnern.

Zwölf Eigentumswohnungen

„Bei all dem gibt es strenge Vorgaben, dass es sich dennoch weiter um reines Wohnen handelt, also keinen Heimcharakter hat“, ergänzt Tom Best. Für ein Heim gibt es nicht nur andere bauliche Auflagen. Auch die Bewohner erhalten nur dann bestimmte finanzielle Unterstützungen von ihrer Pflegekasse für ambulante Leistungen, wenn sie eben nicht in einem Heim sind.

Die Rund-um-die-Uhr-Präsenzkräfte im Schichtdienst dürfen deshalb dort kein Zimmer haben, kein Büro, noch nicht einmal einen Kleiderspind, bestenfalls ein Schlafsofa und einen Kleiderhaken. Dadurch, dass die künftigen Mieter ihre Zuschüsse aus der Pflegekasse zusammenlegen, können sie sich vereint diese 24-Stunden-Helfer leisten, zusätzlich zu einen ambulanten Pflegedienst, der für einzelne Anwendungen am Tag kommt und geht.

Das Christliche Sozialwerk ist Vermieter. Das Angebot der Präsenz-Pflege, für die jeder Nutzer etwa 1000 Euro im Monat wird bezahlen müssen, ist freibleibend. Damit läge die private Zuzahlung noch knapp unter der im Heim – bei weitaus individuellerem Wohnen. Angehörige können sich zudem einbringen, beispielsweise die Wäsche waschen, um so weitere Ausgaben zu vermeiden. Das ist im Heim nicht möglich.

Neben dieser Gemeinschaftswohnanlage für Mieter gibt es ein angrenzendes Gebäude mit zwölf Eigentumswohnungen, von denen die Hälfte bereits verkauft sind. Kosten: etwa 3000 Euro pro Quadratmeter, zuzüglich Tiefgarage/Stellplatz. Ab Ende Mai/Juni sollen die Miet- und Eigentumswohnungen bezugsfertig sein. Ansprechpartner ist das Christliche Sozialwerk Harreshausen 06073/7286111. (piz)

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