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Neue Version des Tatablaufs

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Im Prozess um die tödlichen Schüsse im Darmstädter Martinsviertel äußert sich der Angeklagte erstmals ausführlich zum Tatablauf und sorgt dabei in einigen Punkten für Verwirrung. Die eigentlich erwarteten Schlussplädoyers werden verschoben.

Viele Tränen flossen am Mittwoch im Saal 3 des Gerichtsgebäudes am Mathildenplatz – vergossen von dem 34 Jahre alten Pfungstädter, der sich seit November wegen Mordes vor dem Landgericht verantworten muss. Der aus der Türkei stammende Mann äußerte sich am vierten Prozesstag erstmals ausführlich zum Ablauf der Bluttat vom 21. März in der Taunusstraße.

Der Angeklagte wiederholte überwiegend Darstellungen, die bereits auf anderen Wegen in das Verfahren eingebracht worden waren. In einigen Punkten stiftete er neue Verwirrung. Bereits zu Prozessbeginn hatte der 34-Jährige in einer Erklärung eingeräumt, für die fünf tödlichen Schüsse auf einen 50 Jahre alten Darmstädter verantwortlich zu sein. Dieser hatte ein intimes Verhältnis zur Frau des Angeklagten. Zum Tatablauf hatte der Beschuldigte jedoch im Gerichtssaal geschwiegen.

Am Mittwoch waren eigentlich die Schlussplädoyers der Anklage, der Nebenkläger sowie der Verteidiger erwartet worden. Der Pfungstädter erklärte jedoch, nunmehr Fragen des Gerichts beantworten zu wollen. Zum Auftakt gab ihm der Vorsitzende Richter auf den Weg, die bisherige Beweisaufnahme spräche für eine Tatversion, „die für sie problematisch sein könnte“: Demnach habe er dem Darmstädter zunächst in den Rücken geschossen und dann weiter auf das am Boden liegende Opfer gefeuert.

Bei Angehörigen entschuldigt

Er wolle sich zunächst bei den Angehörigen des Toten entschuldigen, sagte der Angeklagte. „Ich habe ein sehr schlechtes Gewissen.“ Er schilderte, wie er durch Überwachung des Smartphones seiner Frau von ihrer Affäre mit dem Darmstädter erfahren habe. Bei mehreren Anläufen zu einer Aussprache habe seine Frau das Verhältnis stets abgestritten. Ein von ihm angeregtes Dreier-Gespräch habe sie abgelehnt. Schließlich sei er nach Darmstadt gefahren, um seinen Nebenbuhler zur Rede zu stellen.

Warum er dazu eine Waffe mitnahm, wollte der Richter wissen. „Ich wollte ihn einschüchtern“, antwortete der 34-Jährige. Der weitere Tatablauf nach der Version vom Mittwoch: Der Pfungstädter sah seinen Nebenbuhler aus dem Haus kommen und drängte ihn zu einem Telefonat mit der Ehefrau. Dabei habe der Darmstädter zunächst erklärt, keinen Kontakt mehr zu suchen.

Nach dem Telefonat habe der andere angekündigt, die Liebschaft doch fortsetzen zu wollen. „Dann ging bei mir alles zu“, sagte der Angeklagte, „mir wurde schwarz vor Augen. Ich kam erst wieder zu Bewusstsein, als ich am Boden Blut sah.“ Der Prozess wird am kommenden Mittwoch, 17. Dezember, fortgesetzt. (bad)

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