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Neue Tramhaltestelle kann kommen

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Mit der Schnellen 6 – hier ein Zug an der Villenkolonie – gelang der Heag die Trendwende im Nahverkehr.
Mit der Schnellen 6 – hier ein Zug an der Villenkolonie – gelang der Heag die Trendwende im Nahverkehr. © Claus Völker

Die neue Straßenbahnhaltestelle in der Lincolnsiedlung kann kommen. Vor 25 Jahren startete die Expresslinie „Schnelle 6“ als Pionierprojekt.

Seit bekannt ist, dass an der Darmstädter Lincolnsiedlung eine neue Straßenbahnhaltestelle eingerichtet wird, rufen künftige Bewohner bei der Heag an: „Wird da auch die ,Schnelle 6‘ halten?“ Die Frage zeigt, wie sehr sich der Name der Expresslinie den Darmstädtern eingeprägt hat – ein Zeichen des Erfolgs, 25 Jahre, nachdem die Heag dieses damals bundesweit aufsehenerregende Angebot gestartet hat.

Beispiellos war nicht nur das Vorhaben, eine Art Schnellzug in den Fahrplan des Darmstädter Straßenbahnnetzes zu integrieren. Dazu kam die Vorrangschaltung für Bahnen und Busse an den Kreuzungen, und dazu kamen auch die ersten Niederflurbeiwagen. Zudem nahm die erste Generation achtachsiger Triebwagen ihren Dienst auf.

Das alles wurde in den wenigen Jahren zwischen 1991 – als am 25. Februar die „Schnelle 6“ in Betrieb ging – und 1994 verwirklicht. Damit katapultierte sich die Heag mit einem Schlag in die Moderne. „Es ging ja nicht darum, eine Linie etwas schneller zu machen als die anderen“, sagt Heag-Mobilo-Geschäftsführer Matthias Kalbfuss. „Unser Ziel war die Attraktivitätssteigerung des Systems.“

Schon Kalbfuss’ Vorvorgänger Karl-Heinz Bohne hatte daran gearbeitet, Nachfolger Karl-Heinz Holub tüftelte das Projekt dann in aller Raffinesse aus. Schließlich sollten die schnellen Züge den langsamen nicht im Nacken sitzen – und überholen können Straßenbahnen einander nicht.

Anfangs pendelte die „Schnelle 6“ nur zwischen Merck und Frankenstein. Doch selbst auf diesem zehn Kilometer langen Abschnitt fuhr sie gegenüber den Bahnen der Linien 7 und 8 einen Zeitgewinn von neun Minuten heraus. Heute ist die 6 auf der gesamten Strecke zwischen den Endpunkten „Arheilgen-Dreieichweg“ und „Alsbach Am Hinkelstein“ unterwegs; die 22 Kilometer legt sie in 50 Minuten zurück. Allerdings überspringt der Express nur noch zwischen der Neckarstraße und Eberstadt Haltestellen.

Täglich 975 Straßenbahnen

„Die erste mit der grünen Welle“, warb die Heag damals, „die ganz neue Art, Straßenbahn zu fahren.“ Die Modernisierungsoffensive war politisch gewollt; weil es ein Pionierprojekt war, trugen Bund und Land 10,2 der 14,2 Millionen D-Mark Baukosten, „eine Förderquote, von der wir heute nur träumen können“, so Heag-Mobilo-Sprecherin Silke Rautenberg.

Die „Schnelle 6“ schuf ein völlig neues Image des Öffentlichen Nahverkehrs, sie half mit, dass bald auch der Strecken-Neubau kein Tabu mehr war – ohne diesen Erfolg wären die Straßenbahn nach Kranichstein und die „Neuen Wege für Arheilgen“ schwieriger durchzusetzen gewesen. Eine positive Bilanz also? „Ja“, sagen Kalbfuss und sein Vorstandskollege Michael Dirmeier. Der Erfolg hat jedoch auch seine Tücken. In den vergangenen zehn Jahren sind die Fahrgastzahlen der Heag um 43 Prozent gestiegen; das Netz hat die Kapazitätsgrenze erreicht.

Viele Linien überlagern sich, sodass Takte von wenigen Minuten erreicht wurden, „jeder weiß, die nächste Bahn kommt gleich“. Das heißt aber auch: Den Luisenplatz kreuzen 975 Straßenbahnen täglich. Ob in diesem System fast ausgereizter Effizienz die „Schnelle 6“ eine Zukunft hat oder zum Fremdkörper wird, ist unklar.

„Klar ist aber eins“, sagt Dirmeier, „für unsere Fahrgäste – das zeigen die Befragungen jedesmal – steht Schnelligkeit als Qualitätsmerkmal an erster Stelle.“ (ers)

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