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Neue Rotoren sind am Netz

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Energieversorger GGEW nimmt Windpark auf dem Tannenkopf in Betrieb

Der Windpark auf dem Tannenkopf in Roßdorf ist am Dienstag offiziell in Betrieb genommen worden. Der Strom, den die zwei Anlagen erzeugen, soll rechnerisch für die Versorgung von 5000 Haushalten reichen.

Ein schmales blaues Band am Aufgang zum Stahlrohrmast war es, das von Roßdorfs Bürgermeisterin Christel Sprößler (SPD) und GGEW-Vorstand Peter Müller als symbolisches Zeichen der Inbetriebnahme des Windparks zerschnitten wurde. Dabei mussten die geladenen Gäste und Besucher der Eröffnungsfeier am südlichen der beiden neuen Windräder unweit der B 26 nur den Kopf heben, um Gewissheit zu haben. Die drei 60 Meter langen Rotorblätter drehten sich beständig im Wind, begleitet von brummelndem Rauschen.

Die Zeit drängte, wie Peter Müller freimütig eingestand. „Spätestens zum 31. Dezember wollten wir die Windräder in Betrieb nehmen, um noch die Einspeisevergütung für 2015 geltend machen zu können“, betonte er. Nun ist das Ziel gut eine Woche früher als nötig erreicht worden. Am Freitag vergangener Woche wurde die erste Kilowattstunde ins Netz eingespeist, die maßgeblich ist für die Abrechnung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, fügte Florian Grob (GGEW) an. In den nächsten Wochen werden noch Feinjustierungen vorgenommen, während der Probebetrieb läuft. Anfang 2016 dürfte der Windpark in den Regelbetrieb übergehen und dauerhaft Strom liefern.

Christel Sprößler erinnerte daran, dass es bis zur ersten Kilowattstunde vom Tannenkopf ein langer Weg war. Vor viereinhalb Jahren hatte die Gemeinde Roßdorf eine Kommission gegründet, die sich mit der Energiewende beschäftigte. Das Ergebnis lautete: „Wenn wir es ernst meinen, müssen wir auf Windkraft setzen.“ Ursprünglich sollte der Windpark in Roßdorf aus vier Anlagen bestehen. Doch unter anderem wegen eines Rotmilan-Paares war die Zahl schließlich auf zwei begrenzt worden.

Fast einstimmig

„Es gab auch kritische Stimmen gegen den Windpark im Parlament“, sagte Sprößler. Die Beschlüsse jedoch wurden fast einstimmig vorgenommen. Außerparlamentarisch hatte sich der Verein Roßdorfer Energie-Gemeinschaft gegründet, der den Bau beförderte. Gegen den Windpark erhob eine Bürgerinitiative die Stimme. Neben dem ideellen Motiv, vor Ort zur Energiewende beizutragen, spielt für Roßdorf auch der wirtschaftliche Aspekt eine Rolle. Weil die Windräder auf dem Grund und Boden der Gemeinde Roßdorf stehen, fließen Pachterträge und Gewerbesteuer in die kommunale Kasse.

Der Zeitplan für die Errichtung des Windparks war durch eine Eingabe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) durcheinander geraten. GGEW-Vorstand Müller erinnerte daran, dass der DWD Bedenken angemeldet hatte, die Windräder könnten die Radarstation in Offenthal beeinträchtigen. GGEW und DWD einigten sich schließlich darauf, die beiden Anlagen 20 Meter kleiner als geplant zu errichten.

„Für die Energiewende in Südhessen ist der heutige Tag ganz wichtig“, sagte Peter Müller. Die nächstgelegenen Windräder stehen auf dem Binselberg in Groß-Umstadt und entlang der Hutzelstraße bei Ober-Beerbach. Der Standort am Tannenkopf sei kein Starkwindgebiet. Daher gelten die beiden Anlagen als Schwachwindräder. Sie charakterisieren sich vor allem durch eine besondere Formgebung der Rotorblätter und „sind viel strömungsgeeigneter und greifen den Wind besser auf“, sagte Müller. Wenn auch nicht immer stark, so wehe der Wind „in 90 Prozent des Jahres“.

Als Bonbon gab das Vorstandsmitglied des Energieversorgers den Besuchern mit auf den Weg, dass es ab 2016 einen Windbonustarif für Roßdorf geben werde. (ers)

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