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Der Neue im Landtag

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Der 30-Jährige streitet gern und leidenschaftlich.
Der 30-Jährige streitet gern und leidenschaftlich. © Hermann Heibel

Der CDU-Abgeordnete Manfred Pentz, in Darmstadt geboren und in Groß-Zimmern aufgewachsen, ist Nachfolger von Silke Lautenschläger.

Manfred Pentz weiß zwar noch nicht genau, wie er vom Plenarsaal in die Landtagskantine kommt, aber er kennt schon die Frau, die hinter der Theke steht: Senja Delic. Der Neue im hessischen Parlament begrüßt sie auf Serbokroatisch. Delic kommt aus Bosnien – genau wie Pentz Mutter Raifa.

Der neue CDU-Abgeordnete, in Darmstadt geboren und in Groß-Zimmern aufgewachsen, hat einen Migrationshintergrund, über den er stolz berichtet. Sein Vater Michael stammt aus Kroatien.

Die Mutter habe dafür gesorgt, dass er zweisprachig erzogen wurde, jetzt auch fließend Serbokroatisch spreche und voll integriert sei. „Jeder hat die Möglichkeit, sich hier in die Gesellschaft einzufügen – wenn er es will“, leitet er daher aus seiner und der Biografie der Familie ab.

Schon als Schüler war Pentz politisch interessiert, verglich Parteiprogramme. Während sein Vater bis heute SPD-Mitglied ist, ging Manfred Pentz zur CDU – und setzte sich rasch an die Spitze. Der Kreisvorsitzende Pentz ist mit seinen 30 Jahren nicht nur Chef der CDU-Fraktion in seinem Heimatort Groß-Zimmern, sondern auch Spitzenkandidat seiner Partei für die Wahl des neuen Kreistags, in dem er bereits seit fast fünf Jahren in der ersten Reihe sitzt.Jetzt also ist der politische Senkrechtstarter in Wiesbaden angekommen – als Nachfolger für Silke Lautenschläger, die ihr Mandat niedergelegt hatte.

Dort sitzt Pentz erst einmal in der hintersten Reihe – zwischen dem früheren Sozialminister Jürgen Banzer und dem abgedankten Finanzminister Karlheinz Weimar. Der Neue wirkt, als habe er dort schon immer gesessen. Dabei sind es seine ersten Stunden im Parlament – und er beschwert sich schon über die Sitze des im Kreis angeordneten Landtags. „Ich empfinde das als eng und unbequem“, kritisiert er.

Er hat den alten Landtag noch von einem Besuch als Schüler als viel großzügiger in Erinnerung. Die Gelegenheit, den Landtag von innen zu sehen, will er auch anderen geben: „Wer mich in Wiesbaden besuchen will, den empfange ich gern“, verkündet er.

Die Kollegen aus der 46-köpfigen CDU-Fraktion haben ihn „herzlich aufgenommen“, wie er sagt. Aber auch die interfraktionelle Gruppe der Jungen Abgeordneten, habe ihm ihre Hilfe angeboten, erzählt Pentz.

Er müsse noch viel lernen, gibt Pentz unumwunden zu. Er hat schon an Fraktionssitzungen teilgenommen, war auch mit dem Europa-Ausschuss in Brüssel auf Dienstfahrt, arbeitet Termine ab, die ihm seine Vorgängerin hinterlassen hat. Die Einarbeitung braucht Zeit.

Er werde sich auch als Neuling im Interesse der Bürger seines Wahlkreises einmischen und einbringen, verspricht der Abgeordnete. Wer ihn kennt, weiß, dass Pentz gern und leidenschaftlich streitet. „Dabei bin ich eigentlich ein harmoniebedürftiger Mensch“, schätzt er sich selbst ein.

Ob er sich nicht zu viel abverlangt? Denn zu den politischen Ämtern – und dem einsetzenden Kommunalwahlkampf – kommt, dass er im Beruf als Versicherungskaufmann noch bis Jahresende seinem Arbeitgeber Helvetia in Frankfurt verpflichtet ist, seinen Aufgabenbereich ordentlich übergeben will.

Er zögert, zu erzählen, dass er seit sechs Jahren eine Freundin hat. Sie möchte „gern im Hintergrund bleiben“, betont er. Sie stehe voll hinter ihm, gebe ihm Rückhalt. Er träumt von Familie, Kindern. Aber das hat wohl noch Zeit.

Pentz scheint ruhig, gelassen, bestens gelaunt, als er sich mit einem Händedruck verabschiedet und ankündigt: „Jetzt muss ich mich in die Arbeit stürzen.“ (tim)

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