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Das neue Landesmuseum

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Eine ganze Herde von Tierskeletten erwartet die Museumsbesucher in der zoologischen Abteilung.
Eine ganze Herde von Tierskeletten erwartet die Museumsbesucher in der zoologischen Abteilung. © andré hirtz

Sieben Jahre wurde saniert, vieles ist neu und aufregend, selbst altgediente Museumsgänger gehen noch einmal auf Entdeckungstour im neuen Landesmuseum. Wie Neues und Altes zusammenkommen können, ist in der zoologischen Abteilung zu sehen.

Am Wochenende nach Weihnachten entdecken die Darmstädter das Landesmuseum wieder. Sieben Jahre wurde saniert, vieles ist neu, alles ist aufregend, und selbst altgediente Museumsgänger gehen in der Ausstellung noch einmal auf Entdeckungstour. So wie Familie Meißner, bestehend aus Regina, Dieter und Benedikt, die das Chiavenna-Zimmer betreten und einen Schwung Begeisterung mit hereinbringen.

„Früher waren wir immer mit unseren Kindern hier, immer dann, wenn es geregnet hat“, erzählen sie. Heute sind sie mit Enkelsohn Benedikt (bald 9) unterwegs. „Schau doch mal hier, diese Schnitzereien, diese Landschaften dort“ ertönt es. Das Zimmer ist aus dunkler Holzvertäfelung gefertigt, vom Boden bis zur Decke, mit einer kunstvollen Globus-Uhr in der Mitte und einem grünen Schmuckofen in der Ecke. Draußen fällt Schnee, was das Chiavenna-Zimmer noch gemütlicher macht. Auch Benedikt ist fasziniert. Einige Runden im Museum hat er schon hinter sich, seine Geschwister sind müde und gegangen, aber Benedikts Interesse ist ungebrochen. „Die ausgestopften Tieren waren am besten. Der Python hat mir gefallen und das Walskelett, und auch die riesigen Walknochen an der Tür.“

Grönwal fasziniert Besucher

Es sind die gigantischen Unterkieferknochen eines Grönwals, die früher wie heute Besucher in ihren Bann ziehen. Großvater Dieter gräbt in Erinnerungen. „War dieser Raum schon immer öffentlich? Kann mich gar nicht erinnern“, sagt er, und diese Frage ist ein Leitmotiv vieler Museumsbesucher. Sieben Jahre sind genug Zeit, um einiges zu vergessen. Oder sind die Exponate nur so in Szene gesetzt, dass sie ganz anders wirken als zuvor? Die kirchliche Schatzkammer gleich neben dem Chiavenna-Zimmer jedenfalls wirkt so neu, als seien all die Trophäen erst gestern entstanden und nicht schon vor vierhundert Jahren. Ein Trinkspiel glitzert, im Nashornpokal schimmern die Edelsteine, der Rubinglas-Pokal scheint von innen heraus rot zu leuchten.

Wie Neues und Altes zusammenkommen können, ist in der zoologischen Abteilung zu sehen. Seit 1906 sind die Dioramen, große Tier-Schaukästen, eine Darmstädter Besonderheit. Alt sind hier die Exponate, das Guanako im Südamerika-Diorama etwa, das wie gehabt auf einem Pappmaché-Felsen steht, der einen Höhenunterschied von mindestens dreitausend Metern gegenüber dem Amazonas symbolisiert. Dort tummeln sich Tukane und Tapire, Affen und Faultiere auf einem gemalten Urwaldboden. Neu sind die Touchpads, die auf eine Berührung hin weitere Informationen liefern.

Neu sind auch Details, etwa das große Walskelett an der Decke der zoologischen Ausstellung. In seiner früheren Position wirkte es statisch, heute aber ist Dynamik drin dank der wellenförmigen Körperhaltung. „Der Kopf ist so groß, das ist krass“, wundert sich da der neun Jahre alte Philipp, der mit seiner Mutter Ursula vor der Herde aus Tierskeletten steht. „Zwischen diesen Tieren ist ein Mensch ziemlich klein.“

In der Abteilung Erd- und Lebensgeschichte erklärt Martin Päckert einigen Bekannten den Inhalt eines Schaukastens. Zwei Jahre hat er selbst hier gearbeitet, kurz vor der Schließung, da sei noch vieles in der Art der 1950er Jahre aufgemacht gewesen. „Sie haben es nun geschafft, die Präsentation ins Jahr 2014 zu bringen“, freut er sich. „Es macht viel Spaß, zu entdecken, was sich verändert hat, was geblieben ist.“ Überraschungen gibt es daher bestimmt auch noch 2015. (eda)

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