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Neue Gleise für die Linie 9

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In diesem Sommer erneuert die Heag die Gleise der Linie 9, hier am Roßdörfer Platz.
In diesem Sommer erneuert die Heag die Gleise der Linie 9, hier am Roßdörfer Platz. © Guido Schiek

Heag nutzt die Sommerferien für Reparaturarbeiten auf vier Abschnitten. Auf der Strecke der Linie 9 gibt es auf insgesamt 700 Metern neue Gleise. Die ausgewechselten Gleise sind im Schnitt fünfzig Jahre alt.

Ein ADAC-Fahrer im Pannendiensteinsatz drückt es so aus: „Jeden Sommer dasselbe, überall sind Gleisbaustellen.“ Großer Seufzer. Der Vorarbeiter, der das Geschehen zwischen Grohe und Roßdörfer Platz leitet, würde dem ADAC-Mann antworten: „Ja, denn die Schienenköpfe sind so abgefahren, da läuft der Spurkranz des Rades unten auf der Rille. Das ist schlecht, wenn die Bahn bremsen muss.“

„Aha“, sagt der ADAC-Mann. Wenn sein Gelber-Engel-Wagen an der Ampel steht, von hinten die Tram naht, und statt zu halten rutscht sie mit ihrem Tonnengewicht weiter – hm. Doch dann besinnt sich der Pannenhelfer. „Ich komme aus Oberschlesien. Beuthen. Ich sage Ihnen, die abgefahrenste Schiene von hier wäre dort noch höchster Komfort.“ Er besinnt sich noch mal. „Aber es ist ja gut, wenn hier die Aufsichtsbehörden dafür sorgen, dass da gar nicht erst was passiert.“

Der Mann hat recht, auch damit, dass Ferienzeit Baustellenzeit ist, nicht zuletzt bei der Heag. Baustellen sind, wie Heag-Mobilo das ausdrückt, „Maßnahmen zum Erhalt der Infrastruktur“. In den vergangenen Sommern war die Strecke der Linien 1,6,7,8 dran, da wurde in Bessungen und Eberstadt gewerkelt. In diesem Sommer trifft es die Linie 9 – mit gleich vier Abschnitten: auf der Bahnbrücke in der Rheinstraße, in der unteren Nieder-Ramstädter Straße, im Paulusviertel an der Ohlystraße und in der Endschleife am Böllenfalltor.

Am sechsten Tag der Arbeiten geht es überall heftig zur Sache. Bis zum Wochenende waren an drei Stellen bereits die alten Gleise ausgebaut, stapelten sich die jahrzehntealten Schienen auf der Straße. Kurz später lag auf langen Passagen bereits der neue Fahrweg im Gleisbett. An der Riedlingerstraße wurde das gerade „gestopft“, wie Fachleute sagen. Schotter wird mit Presslufthämmern so lang unters Gleis gedrückt, bis es die richtige Lage hat. Vorberechnete Messpunkte dienen zur Prüfung. „Wasser!“ ruft der Polier, „Wasser“, echot der Arbeiter im Gleis 30 Meter weiter. „Was bedeutet ,Wasser‘?“ fragen wir den Polier. Er kratzt sich hinterm Ohr. „Ja, eigentlich so was wie ,okay‘.“

Tiefbauer haben eben ihre eigene Sprache, ihre eigenen Sitten. Der Presslufthammereinsatz zum Beispiel wird zu viert ausgeführt, und zwar in einer Art, bei der Fußballfans von Choreografie sprechen würden. Wäre es nicht so laut und wäre es nicht so heiß, man könnte seine Freude dran haben. Der Schottertanz dauert jeweils sieben Minuten, dann ist wieder ein Schluck aus der Wasserflasche dran (jedoch ohne „Wasser“-Ruf). Und ab und an legt der Zweiwegebagger (fährt auf Gleis und Straße) ein kraftvolles Solo ein. Der Polier versichert, man sei gut in der Zeit. Dieselbe Auskunft gibt es an der Rheinstraße, wo die neuen Gleisroste – zwischen den Schienen sorgen Abstandsstangen dafür, dass die Spurweite eingehalten wird – schon gelegt sind. Geliefert werden sie in 15-Meter-Portionen, auf der Baustelle werden sie zu einem fugenlosen Gleis verschweißt.

Während also am Mozartturm schon bald wieder asphaltiert werden kann (vier Schichten, sowie der Spezialasphalt direkt an der Schiene), wird an der Ohlystraße eben erst die Rasendecke weggegraben, in der die Schienen liegen. Vorm Betriebshof und in der Endschleife wiederum ist die Trasse einen Meter tief ausgekoffert. Und am Grohe wird es erneut Zeit fürs Schottertänzchen. „Wasser?“ – „Wasser!“. (ers)

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