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Neubau stößt auf Widerstand

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Das Grundstück neben dem Halbneun-Theater soll neu bebaut werden. Nachbarn sind deswegen besorgt.
Das Grundstück neben dem Halbneun-Theater soll neu bebaut werden. Nachbarn sind deswegen besorgt. © Guido Schiek

Die Anwohner der Sandstraße befürchten, dass der Neubau eines Wohnhauses dem Halbneun-Theater Probleme bereiten könnte.

Eberhard Balzer geht davon aus, dass durch die Bauarbeiten nebenan bei ihm der Putz von den Wänden fällt, der große Baum im Hof abstirbt, seine Wohnung sich dann im Sommer unerträglich aufheizt und das Halbneun-Theater „ruiniert“ wird. Das mag arg apokalyptisch gedacht sein. Aber dass der Neubau eines Wohnhauses in der Darmstädter Sandstraße 30 berechtigte Fragen aufwirft und Widerstände bei Anwohnern provoziert, ist ein Fakt.

Am Freitagabend hatte der Sprecher der „Initiative Lebenswerte Sandstraße und Umgebung“ zu einer Bürgerversammlung in den Hof des Halbneun-Theaters und Restaurants „Karagöz“ eingeladen. Anlass: der anstehende Abriss des Komplexes auf dem Grundstück nebenan in der Sandstraße 30 und der geplante Neubau eines Hauses mit zehn Eigentumswohnungen und einer Tiefgarage. „Wir haben nichts gegen die Bebauung auf dem Nachbargrundstück“, betonte Balzer.

Doch sei er unter anderem verärgert, dass die Anwohner nicht oder falsch darüber informiert würden. Man habe erst vor vier Wochen auf Umwegen von den Bauplänen erfahren und beim Bauamt Akteneinsicht genommen. Was dabei ersichtlich wurde, schürt bei Balzer und anderen Anwohnern Ängste.

Punkt eins: Durch den Bau der Tiefgarage werde ein großer Gewölbekeller aus der Vorkriegszeit zerstört. Vor allem aber grenze die Parkgarage unmittelbar an den Wurzelbereich eines gesunden Baumes mit circa 2,5 Meter Stammumfang und mindestens 15 bis 20 Meter Kronendurchmesser, der wegen seines Schatten werfenden Effekts sehr wichtig für das Wohnklima umliegender Wohnungen sei. „Er würde durch die geplante Baumaßnahme absterben beziehungsweise seine Standfestigkeit verlieren“, ist sich Balzer sicher. Und betont, dass der Baum unter die Baumschutzsatzung der Stadt falle und nicht gefällt werden dürfe.

Punkt zwei: Wie das Haus geplant sei, blickten die Wohnungseigentümer von ihren Balkonen auf den Karagöz-Biergarten und das Halbneun-Theater. „Sie werden sehr wahrscheinlich auf die Nachtruhe ab 22 Uhr pochen“, meint Balzer. „Da muss man dann das Halbneun-Theater in Halbsieben-Theater umbenennen.“

Kritik an Informationspolitik

Was Eberhard Balzer ebenfalls empört: Er hat sich an die Stadt gewandt und herausgefunden, dass das Bauaufsichtsamt die Genehmigung ohne Einbeziehung des Umweltamts erteilt hat. Ein Mitarbeiter der Umweltbehörde habe den Baum auf seine Intervention hin begutachtet und dessen Schutzwürdigkeit festgestellt. Da die Baugenehmigung aber bereits rechtswirksam sei, könne das Umweltamt nichts mehr dagegen unternehmen.

„Vorsicht mit Unterstellungen“, mahnte Georg Mehlhart, Stadtverordneter der Grünen, der neben Irmgard Klaff-Isselmann und Hans Wegel (beide CDU) zu der Versammlung geladen war. Nach Gesprächen mit der Stadtverwaltung räumte er zwar ein, dass sich hier Bauaufsichts- und Umweltamt nicht wie nötig miteinander abgestimmt hätten. „Ich sehe das hier auch als einen Sonderfall, man hätte das anders regeln können.“ Etwa durch eine kleinere Bebauung, die weniger nah an diese große Platane heranreiche.

Etwas beruhigen konnte Jürgen Keller vom Halbneun-Theater. Sie hätten in 35 Jahren nie Probleme mit Nachbarn gehabt. „Ich weiß nicht, wie empfindlich Leute sind, die für Hunderttausende Euro Luxuswohnungen kaufen“, befand er. „Aber ich denke, wir können uns mit denen arrangieren.“ (aw)

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