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Der Name des früheren Reichspräsidenten Hindenburg soll in Darmstadt verschwinden.
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Der Name des früheren Reichspräsidenten Hindenburg soll in Darmstadt verschwinden.

Darmstadt

Nazi-Vergangenheit in Darmstadt: Umbenennung von Straßen nimmt Form an

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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In Darmstadt sollen Hindenburg und andere Namen von Unterstützern des Nationalsozialismus aus dem Straßenbild weichen. Dazu sind erstmals seit Beschluss Veranstaltungen geplant.

Dass Hindenburg und sieben weitere Namen von Darmstädter Straßenschildern verschwinden sollen, ist ausgemachte Sache. Bereits vor zwei Jahren hat die Stadt nach jahrelanger öffentlicher Debatte die Umbenennung beschlossen, weil die Straßen an Unterstützer des Nationalsozialismus erinnern.

Eigentlich waren dazu für 2020 Informationsveranstaltungen Fachtagungen und Ausstellungen geplant. Auch müssen noch neue Namen gefunden werden. Wegen der Corona-Pandemie fiel aber alles aus. Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache: Am Donnerstag, 1. Juni, soll es ein öffentliches Online-Symposium der Stadt mit Fachleuten geben. Das teilte die Regionale Arbeitsgruppe Südhessen des Vereins „Gegen das Vergessen – Für Demokratie“ mit. Anlässlich einer ebenfalls geplanten Ausstellung veranstaltet der Verein unter Federführung der Archivpädagogik des Staatsarchivs Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv ein Projekt für Jugendliche. Diese können sich dabei qualifizieren, um an der aktuellen Diskussion zur Umbenennung der Straßen teilzunehmen.

Etwa 50 Jugendliche werden sich bis 26. Mai mit Themen, die sich auf die Geschichte Darmstadts zwischen Kaiserreich und dem Kalten Krieg beziehen, beschäftigen.

Wege der Erinnerung

Auftaktveranstaltung des Projekts „Kampf um Straßennamen“ mit Vorträgen am 5. Mai 2021. Anmeldung per E-Mai bei harald.hoeflein@hla.hessen.de

Es sprechen Rainer Pöppinghege, 14 Uhr, „Wege des Erinnerns – Was Straßennamen über deutsches Geschichtsbewusstsein aussagen“ und Holger Köhn, 15 Uhr: Straßennamen und Erinnerungskultur in Darmstadt.

Studie zu Darmstädter Straßennamen: https://docplayer.org/158363280-Projekt-darmstaedter-strassennamen.html

Ihre Ergebnisse sollen die offizielle Ausstellung der Stadt von Holger Köhn und Christian Hahn zu Straßennamen und Erinnerungskultur in Darmstadt ergänzen. Dies könne in Form von QR-Codes, Videobeiträgen und im Internet sein, teilte der Verein mit. Im Kern gehe es um die Frage, was Straßennamen über die Geschichte einer Stadt aussagen, sagt der Pädagogische Leiter des Staatsarchivs Harald Höflein. Hierbei sei „Darmstadt noch im Sinne des alten Kaiserreichs strukturiert“.

Zu der oft geführten Debatte, ob man Straßen umbenennen oder ihre Bezeichnungen beibehalten und durch einen historischen Kontext ergänzen sollte, sagt Höflein der Frankfurter Rundschau: „Straßennamen sind nichts Sakrales, man hat das Recht sie umzubenennen, man kann sie aber auch kommentieren.“

Grundlegend sei, dass von ihnen eine subtile Prägung ausgehe, da sie gemeinhin zum Andenken der jeweiligen Person vergeben wurden, so Höflein. So sei zum Beispiel ein Adolf-Hitler-Platz, wie früher der Luisenplatz hieß, heute undenkbar. Die Resonanz unter den Jugendlichen für das reine Online-Projekt sei sehr groß gewesen. Deswegen sind bereits alle Plätze vergeben. Allerdings können Interessierte an der Kick-Off-Veranstaltung am 5. Mai über das Internet teilnehmen. Dann wird es Vorträge des Historikers Rainer Pöppinghege und Holger Köhn vom Büro für Erinnerungskultur in Babenhausen zum Thema geben.

Köhn hatte 2018 im Auftrag der Stadt ein Gutachten erstellt und Recherchen nicht nur zu Paul von Hindenburg, sondern zu 110 Personen angestellt, die in der NS-Zeit lebten und nach denen in Darmstadt Straßen benannt sind. Ein Fachbeirat prüfte die Ergebnisse und sprach Empfehlungen aus.

Schlussendlich entschied sich die Stadtverordnetenversammlung für die Umbenennung der Straßen die an Hans von der Au, Gustav Brandis, Walter Georgii, Peter Grund, Christian Heinrich Kleukens, Richard Kuhn, Alarich Weiss und Paul von Hindenburg erinnern.

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