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Aus Nadelgehölz wird Laubwald

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Das Forstamt setzt auf Eichen, die mit der Klimaerwärmung besser klarkommen als das Nadelgehölz. Pro Hektar sind 250 Kilogramm Saatgut bestimmt. Da heißt es Eicheln sammeln, sammeln, sammeln.

Der Wald zwischen Rüsselsheim und Mörfelden-Walldorf wird seit dem Jahr 2010 umgebaut. Die dortigen Nadelwälder werden nach und nach zu Laubmischwäldern umgewandelt. Vor dem Hintergrund der voranschreitenden Klimaerwärmung setzt das Forstamt Groß-Gerau hierbei vermehrt auf die Eiche und ein traditionelles Verfahren: die Saat.

Der 15 Jahre alte Martin Holzheuser, Schüler der Groß-Gerauer Prälat-Diehl-Schule, erlebt die Arbeiten im Wald gerade während seines Betriebspraktikums bei Hessen-Forst mit. Eicheln sammeln steht auf dem Programm. Gute 1500 Kilogramm benötigt das Forstamt Groß-Gerau für die in diesem Jahr vorgesehenen Verjüngungsflächen. Pro Hektar sind 250 Kilogramm Saatgut bestimmt.

Zusammen mit den Forstwirten sammelt Martin Holzheuser die unter den Bäumen liegenden Eicheln auf. Dass diese die Grundlage für den Wald von morgen und zugleich einen zentralen Bestandteil zur Verjüngung von Nadelwaldbeständen bilden, ist nicht für jeden auf den ersten Blick ersichtlich. Viele Waldbesucher zeigen sich erstaunt über die Arbeiten, die das Forstamt seit nunmehr sechs Jahren durchführt. Ziel sei es, den Wald aktiv so zu gestalten, wie dies etliche Förstergenerationen zuvor in die Wege geleitet haben – die Förderung von Laubmischwald mit einem hohen Eichenanteil.

Die Stieleiche kommt mit nährstoffarmen und trockenen Sandböden gut zurecht, sie erträgt in gewissen Grenzen auch Witterungsextreme, wie sie im Zuge der Klimaerwärmung verstärkt auftreten. Dennoch ist die Stieleiche auf Hilfe angewiesen, da sie ohne aktive Förderung von Schatten ertragenden Baumarten, wie etwa der Buche, hoffnungslos überwachsen werden würde.

Kein einfaches Unterfangen

Wie Martin Holzheuser an seinem zweiten Praktikumstag von Wolfram Hammes, dem Leiter des Groß-Gerauer Forstamts, lernt, ist es also kein einfaches Unterfangen, diese Baumart zu verjüngen. „Da Eichen sehr viel Licht zum Wachsen benötigen, müssen die zur Verjüngung anstehenden Flächen im Vorfeld durch Baumfällungen vorbereitet werden“, erläutert Hammes und verweist auf die zahlreichen Baumstümpfe im Bestand.

„Genau das stößt bei vielen Waldbesuchern aber nicht unbedingt auf Verständnis, da diese die Hintergründe nicht kennen. Da gilt es Aufklärungsarbeit zu leisten“, so Hammes. Angesichts des auf den Flächen erforderlichen Maschinen- und Forstwirteinsatzes seien Nachfragen vorbei radelnder oder gehender Waldbesucher nachvollziehbar.

Das natürlichste aller Verjüngungsverfahren habe entscheidende Vorteile. Anders als Baumschulpflanzen, die in Beeten angezogen und mehrfach umgepflanzt werden, können die aus Saat aufwachsenden Eichen ihre Pfahlwurzeln ungestört im Boden entwickeln. Gerade auf trockenen Standorten seien Anwuchserfolg und Stabilität der Bäume dadurch deutlich höher. Dass die Eicheln aus den eigenen Wäldern stammen und somit an die besonderen Wuchsbedingungen des Rhein-Main-Gebiets angepasst sind, sei ein weiterer Vorteil.

Bei der eigentlichen Saat ist Praktikant Holzheuser auch wieder mit von der Partie. Die Eicheln werden mittels Forstschlepper und Sämaschine in den Boden gebracht. Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Eicheln nicht zu tief in den Boden eingebracht, optimal verteilt und nur leicht übersandet werden. Wenn alles gut läuft, wachsen aus den Samen etwa 50 000 kleine Eichen je Hektar, was für die Bildung eines stabilen Eichenwalds mehr als ausreichend ist. Da das Saatgut von vielen verschiedenen Mutterbäumen aus unterschiedlichen Waldbereichen geerntet wurde, ist zudem die genetische Vielfalt in der neuen Generation groß. (ers)

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