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Nachmittag ist ein Problem

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Bei den Hortplätzen haben Alleinerziehende Vorrang.

Hortplätze sind rar. 1800 gibt es in der Stadt, allein 1200 Erstklässler wurden vergangene Woche eingeschult. Der Ausbau wurde vernachlässigt, weil die Stadt davon ausging, dass die flächendeckende Ganztagsbetreuung an Grundschulen kommt.

Doch deren Einführung läuft schleppend, zudem sind die Betreuungszeiten für berufstätige Eltern oft nicht ausreichend. Und endet die Grundschulzeit, sind die Eltern der im Schnitt Zehnjährigen wieder auf sich allein gestellt, während die Hortbetreuung das zwölfte Lebensjahr mit einschließt.

Ein Zustand, den Simone Müller (Name von der Redaktion geändert), für unerträglich hält. Sie hat verzweifelte Briefe an die Stadt geschrieben, um für ihre gerade eingeschulte Tochter einen Hortplatz zu ergattern. Die zweifache Mutter kann nicht verstehen, dass es politisch zwar gewollt ist, dass Frauen arbeiten, ihre Kinder aber nicht betreuen lassen können. Kinder, die schon den Kindergarten einer Einrichtung mit Hortangebot besucht haben, werden bevorzugt genommen. Sind dann noch Plätze frei, haben Alleinerziehende Vorrang. Unmöglich, findet Simone Müller. „Jeder sollte die freie Wahl haben.“

Frauen, die wegen ihrer Kinder jahrelang dem Arbeitsmarkt fernblieben, müssen mit Gehaltseinbußen rechnen, weiß Müller, die in der Erwachsenenbildung arbeitet. Allein könnte ihr Mann die vierköpfige Familie erst recht nicht finanzieren, sie müssten ergänzende Hilfen beantragen: finanziert vom Steuerzahler.

„Die Frauen sollen erst mal Kinder kriegen – und dann tappen sie in die Falle“, stellt sie fest. Monatelang musste sie zittern, Ende Juli kam endlich der Bescheid, dass ihre Tochter einen Hortplatz bekommt. ( rwb)

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