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Nach Rio zu Olympia

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Der Student und Gewehrschütze Henri Junghänel will nach Rio zu Olympia. Mindestens dreimal pro Woche fährt er derzeit ins Leistungszentrum nach Frankfurt-Schwanheim und am Wochenende besucht er oft Lehrgänge oder Wettkämpfe.

"Wenn man klare Ziele vor Augen hat, kann man sich motivieren“, sagt Sportschütze Henri Junghänel, Weltmeister und 2014 Weltranglisten-Erster im Kleinkalibergewehr 60 Schuss. Der Breuberger hat sich gleich zwei Ziele gesetzt, ein akademisches und ein sportliches. An der HDA möchte er im Oktober mit seiner Masterarbeit beginnen, die bis März 2016 fertig sein soll. Sportlich bereitet sich der Odenwälder, der diese Woche 27 Jahre alt wurde, auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 vor.

Natürlich sei es nicht immer einfach, zwei Großprojekte unter einen Hut zu bringen, sagt Junghänel, der mindestens dreimal pro Woche ins Leistungszentrum nach Frankfurt-Schwanheim pendelt und am Wochenende oft Lehrgänge oder Wettkämpfe besucht. Dennoch glückte dem jungen Mann 2014, was vor ihm noch kein Gewehrschütze des Deutschen Schützenbundes geschafft hatte: Er war Spitzenreiter der Disziplin Kleinkalibergewehr 60 Schuss liegend.

Damit hatte er sich an die Weltspitze gesetzt, nachdem er bereits im Frühling und Sommer 2014 das Weltcup-Finale in München gewonnen und zweimal Gold beim Weltcup im südkoreanischen Changwon geholt hatte. In diesem Jahr stehen Wettkämpfe in Dortmund und der Weltcup in Südkorea an, schließlich die Europameisterschaft im Juli in Maribor (Slowenien). Dafür jedoch muss er sich im Juni in Aserbeidschan erst noch qualifizieren – und das, obwohl er dann mitten im Sommersemester ist.

Bislang habe es kaum Überschneidungen bei Wettkämpfen und Hochschulterminen gegeben, sagt Junghänel. Freitags plant er keine Pflichtpraktika ein, die Klausurtermine nimmt er wahr – und sollte es Überschneidungen geben, zeigten sich die Professoren kompromissbereit. „Priorität hat das Studium, der Trainingsplan wird danach organisiert“, sagt Henri Junghänel, der als Neunjähriger erstmals an einer Schießbude stand und den Eltern „das Geld aus der Tasche zog“. Sie schickten den Buben zum SV Rai-Breitenbach – der Verein im Odenwald, für den er noch heute startet.

25 Bundesstaaten bereist

Obwohl er schon als Jugendlicher erfolgreich war, gab ihm erst ein dreijähriger Studienaufenthalt im US-Staat Kentucky den entscheidenden Kick. „Die Bedingungen für Sportler sind dort sensationell.“ Fünf Minuten brauchte er von seiner Wohnung auf dem Campus zum Schießstand, sieben Minuten zur Vorlesung, drei zur Bibliothek. „Kurze Wege erleichtern die Logistik sehr.“ Dank des Sports habe er 25 Bundesstaaten bereist „und viele tolle Sportler kennengelernt“.

Der Zusammenhalt sei super, das Niveau hoch. Wenn er in Frankfurt etwas vermisse, dann sei es ein größeres Team an Trainingspartnern. Die Vormittage verbringt Junghänel an der HDA, die Nachmittage beim Sport; auch Fitness gehört zum Programm. Freizeit hat der sportliche Student wenig, „aber wenn man Sport nicht mit einem gewissen Ehrgeiz betreibt, kommt man nicht weit.“ Wenigstens muss er nicht nebenher jobben wie der Großteil seiner Kommilitonen. Geld fließt dank eines Sportstipendiums und der Deutschen Sporthilfe. „Damit komme ich hin.“

Trotz der klar formulierten Ziele, des strikten Zeitplans und des Traums von Rio freut sich der sympathische Schütze schon jetzt: „Nach den Spielen 2016 lege ich die Waffe für ein halbes Jahr beiseite.“ Und dann? „Geht’s auf Weltreise.“ (an)

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