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Nach Kelsterbach-Prozess: Polizei reagiert auf Rassismus-Vorwurf

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Von: Jens Joachim

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Die Führung des Polizeipräsidiums Südhessen in Darmstadt ist der Auffassung, dass der Versuch von zwei Anwälten, nach einem versuchten Totschlag in Kelsterbach die Polizeiarbeit und einen leitenden Kriminalbeamten zu diskreditieren, gescheitert ist.
Die Führung des Polizeipräsidiums Südhessen in Darmstadt ist der Auffassung, dass der Versuch von zwei Anwälten, nach einem versuchten Totschlag in Kelsterbach die Polizeiarbeit und einen leitenden Kriminalbeamten zu diskreditieren, gescheitert ist. © Michael Schick

Das Polizeipräsidium Südhessen sieht nach dem Ende eines Prozesses gegen drei Glücksspieler „keinen weiteren Handlungsbedarf“. Die Verteidiger von zwei freigesprochenen Männern hatten dem Ermittlungsführer der Kripo vorgeworfen, selbstherrlich agiert und seine Dienstpflichten verletzt zu haben.

Eine Woche nach dem Freispruch von zwei ursprünglich wegen des Verdachts des versuchten Mordes angeklagten Männern hat das Polizeipräsidium Südhessen heftige Vorwürfe der Verteidiger der beiden Männer in einer Stellungnahme an die Frankfurter Rundschau zurückgewiesen.

Die 11. Strafkammer des Darmstädter Landgerichts hatte am Dienstag vergangener Woche einen 37-jährigen Mann aus Rüsselsheim wegen versuchten Totschlags nach einem Würfelspiel in einem Kiosk in Kelsterbach als Alleintäter zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten verurteilt. Der fünffache Vater soll in einigen Monaten in einer Maßregelvollzugseinrichtung untergebracht werden, um dort seine Alkohol- und Drogensucht zu behandeln.

Der Rüsselsheimer hatte einen 57-jährigen Mitspieler auf einem Parkplatz vor dem Kiosk brutal zusammengeschlagen. Der Mann wäre wohl gestorben, wenn nicht ein Passant den Notarzt gerufen hätte. Zwei zusammen mit dem Rüsselsheimer angeklagte Glücksspieler aus Kelsterbach und Raunheim sprach das Gericht hingegen mangels Beweisen frei. Für die mehrmonatige Untersuchungshaft sollen sie nun entschädigt werden.

Die Anwälte der beiden Männer hatten in ihren Plädoyers dem Ermittlungsführer der Kriminalpolizei „schlampige Ermittlungsarbeit“ vorgeworfen. So sei etwa ein entlastendes Video einer Überwachungskamera erst von ihnen ins Verfahren eingebracht worden, weil es von der Polizei nicht gesichert worden war. Auch war von einer „unheiligen Allianz“ zwischen dem Ermittlungsbeamten und dem geschädigten 57-Jährigen die Rede. Zudem, so die Verteidiger, habe der Beamte seine Dienstpflichten grob verletzt und soll sich „selbstherrlich und rassistisch“ verhalten beziehungsweise geäußert haben.

Der Vorsitzende Richter Volker Wagner hatte bereits in seiner Urteilsbegründung von einer „Milieutat“ gesprochen und die Vorwürfe der beiden Anwälte gegen den Ermittlungsführer der Kriminalpolizei zurückgewiesen. Das Verhalten der beiden freigesprochenen Männer, von denen einer das Glücksspiel organisiert hatte und die um mehr als 100 000 Euro gespielt hatten, bezeichnete der Richter als „höchst kriminell“. Er könne zwar die Motivation ihrer Verteidiger verstehen, habe hierfür aber „kein Verständnis“, so Richter Wagner.

Auf Anfrage der FR hat nun das Polizeipräsidium Südhessen zu den schweren Vorwürfen gegen den Ermittlungsführer Stellung genommen. Katrin Pipping, die stellvertretende Polizeisprecherin, teilte mit, in der Urteilsverkündung des Richters sei deutlich gemacht worden, „dass in diesem Zusammenhang zum aktuellen Zeitpunkt kein weiterer Handlungsbedarf gesehen wird“.

Auf die Frage, ob es Anlass für die Polizeiführung gebe, die Ermittlungsarbeit in dem Kelsterbacher Fall kritisch zu hinterfragen beziehungsweise ob gegebenenfalls Konsequenzen gezogen würden, teilte die Polizeisprecherin mit, unabhängig von Verfahrensausgängen werde innerhalb der Polizei „grundsätzlich bei allen Einsatzlagen und Ermittlungsverfahren auf eine Nachbereitung großer Wert gelegt“.

Gerade bei einer solchen arbeitsintensiven Ermittlung sei es „wichtig, sachdienliche und persönliche Eindrücke bereits im Verfahren sowie auch danach immer wieder zu reflektieren“. „Der Versuch seitens der Verteidigung, die Polizeiarbeit und den Beamten persönlich zu diskreditieren, sind auch nach unserer Ansicht zu Recht gescheitert.“

Solche Vorwürfe gingen „immer dann zu weit, wenn sie auf dem Rücken der Ermittler ausgetragen werden und die fachlich orientierte objektive Polizeiarbeit dadurch infrage gestellt wird“, heißt es in der Stellungnahme des Polizeipräsidiums abschließend.

Ob die beiden freigesprochenen Männer etwa noch wegen unterlassener Hilfeleistung belangt werden können oder ob Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt worden seien, konnte der Sprecher der Darmstädter Staatsanwaltschaft am Mittwoch zunächst nicht sagen.

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