1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Die Tür nach China öffnen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Verständigen auf Chinesisch: Verena Menzel will Interesse für die Sprache wecken.
Verständigen auf Chinesisch: Verena Menzel will Interesse für die Sprache wecken. © Wolfgang Karg

Die Darmstädterin Verena Menzel gründete in Peking eine Internetseite zum Chinesisch-Lernen in deutscher Sprache. Das mittlerweile beliebteste Chinesisch-Portal im deutschsprachigen Raum soll in Zukunft weiter wachsen.

Schon mal eine Nachspeise bestellt und stattdessen vom Kellner zwei Batterien gebracht bekommen? Das kann passieren, wenn man sich an einer Bestellung im Restaurant auf Chinesisch versucht. Denn in China sind sich die Wörter für „Dessert“ und „Batterie“ von der Aussprache her zum Verwechseln ähnlich – zumindest für westliche Ohren.

„Solche grotesken Dinge können schon mal passieren, wenn man den Tonverlauf chinesischer Wörter nicht richtig trifft“, sagt Verena Menzel (33) und schmunzelt. Die gebürtige Darmstädterin meistert solche sprachlichen und kulturellen Hürden mittlerweile mit Bravour. Und falls doch einmal etwas schiefgeht, hilft die nötige Prise Humor, sagt sie. „In China laufen die Dinge eben manchmal anders als gedacht. Da muss man flexibel sein. Mit meinem deutschen Hang zum Planen war das anfangs schon eine nervliche Zerreißprobe, aber mit der Zeit wird man gelassener.“

Verena Menzel arbeitet seit knapp sechs Jahren in der chinesischen Hauptstadt Peking als Redakteurin und Übersetzerin in der deutschen Abteilung eines mehrsprachigen Magazins. Sie spricht fließend Chinesisch. Tonhöhen treffen, sich im Schriftzeichen-Dschungel zurechtfinden – diese Dinge gehören für die Darmstädterin mittlerweile zum Alltag.

Rucksackurlaub entflammte das Interesse

„Leider glauben immer noch zahlreiche Menschen, dass Chinesisch irgendwie unerlernbar ist. Dabei macht die Sprache gerade am Anfang sehr viel Spaß und bietet spannende Einblicke in die fremde Kultur und Denkweise“, gibt Verena Menzel zu Bedenken. Sie selbst begann, nach ihrem Abitur an der Lichtenbergschule schon während ihrer Studienzeit an der Universität Mainz, Chinesisch zu lernen. Das war 2006. „Kurz danach bin ich in den Semesterferien für knapp zwei Monate allein mit dem Rucksack durch China gereist, um meine ersten sprachlichen Erfahrungen zu machen, und natürlich auch, um Land und Leute kennen zu lernen. Im Gepäck hatte ich immer einen kleinen Stapel Darmstädter Postkarten, um den Menschen, die ich traf, zu zeigen, wo ich herkomme. Der Stapel ist mit der Zeit immer kleiner geworden“, erzählt sie.

Schon damals erkannte Verena Menzel, dass China mehr ist als Tai-Chi, Teezeremonie und traditionelle chinesische Medizin. „Mir wurde auch nirgends Hundefleisch aufgetischt. Und ich habe alle möglichen Supermärkte abgeklappert, aber in keinem einzigen einen Glückskeks im Sortiment entdeckt.“

Den Zugang zu den Einheimischen habe sie stets über die Sprache gefunden und auf diese Weise mit vielen Vorurteilen aufgeräumt. „In Deutschland setzt man irgendwie voraus, dass jeder Deutsch spricht. In China ist es vielerorts noch immer eine kleine Attraktion, wenn ein Ausländer sich auf Chinesisch verständigen kann. Die Sprache öffnet sofort Tür und Tor, und man wird herzlich aufgenommen“, erzählt Verena Menzel. Mit Englisch komme man dagegen kaum voran.

Woran es bisher in Deutschland mangele, sei ansprechendes Chinesisch-Lehrmaterial. „Vieles erscheint entweder auf Englisch oder kommt ziemlich angestaubt daher“, sagt die Darmstädterin. Um das zu ändern und noch mehr Menschen den Zugang zur chinesischen Sprache und Kultur zu erleichtern, nahm die Sprachbegeisterte die Sache 2013 einfach selbst in die Hand und gründete gemeinsam mit einer chinesischen Freundin in Peking die Internet-Seite Niu Zhongwen, ein Portal zum Chinesisch-Lernen in deutscher Sprache.

Über diese Seite bereitet das deutsch-chinesische Gründerduo seither ehrenamtlich neueste und authentische Ausdrücke aus Internet und Sozialen Medien sowie der chinesischen Alltagssprache und Medienwelt auf, stellt chinesische Popmusik, Filme, Seifenopern, Fernseh-Shows und Dokumentarfilme vor. Mittlerweile hat sich die Seite zum beliebtesten Chinesisch-Portal im deutschsprachigen Raum gemausert.

Das Start-up soll in Zukunft weiter wachsen. „Wir wollen ein Stück echtes China nach Deutschland bringen, beispielsweise mit dem Mikrofon durch Pekings Straßen ziehen und echte Stimmen einfangen. Auch ist eine App-Anwendung für unsere Alltagsvokabeln geplant.“ Und Chinesisch-Sprechübungen für Zuhause soll es geben – damit in Zukunft keine Batterien, sondern frittierte Apfelringe auf den Teller kommen. (ers)

Die Sprachlernseite Niu Zhongwen ist unter zu finden.

Auch interessant

Kommentare