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Autor Oliver Reinhardt an einem seiner Schauplätze: Im Parkhaus an der Lichtwiese findet im Roman regelmäßig die Geldübergabe statt.

Darmstadt

Ein Fall für Reporter Groning

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In Darmstadt gibt es eine ganze Reihe von Lokalkrimis. Einer von ihnen ist der "Schwarzer Bock". Der Autor Oliver Reinhardt und andere seiner Kollegen laden zur Premiere-Lesung ein.

Schon wenn Oliver Reinhardt erzählt, wie er auf die Idee kam, seinen ersten Darmstadt-Krimi „Schwarzer Bock“ zu schreiben, hört sich das wie ein Krimi an: Vor drei Jahren bettelten ihn auf dem Parkplatz eines Discounters in Pfungstadt, wo er lebt, zwei Männer und eine Frau mit einem Schild „Wir sind taubstumm“ an. Er vermutete Betrug und hielt ihnen einen zehn Euroschein hin mit der Bitte: „Das ist mir zu viel, aber könnt ihr mir fünf Euro rausgeben?“ Als der eine daraufhin „ja“ sagte, war klar, wie der Hase lief. Und als Reinhardt begann, Handyfotos von ihnen zu machen, flüchteten sie mit einem schwarzen Golf. Reinhardt, ganz Fernsehjournalist, versuchte die Identität des Halters herauszubekommen, was ihn in einen Wohnblock in Kranichstein führte. Zwar fand er nicht besagten Autohalter, jedoch fand er eine Frage: Was wäre wenn? Für ihn ist das die wichtigste Frage eines Schriftstellers überhaupt. Was wäre, wenn die „ausländisch aussehenden“ Bettler dazu gezwungen worden wären, betteln zu gehen?

Die Story, die Reinhardt seinen Helden Tim Groning, einen Fernsehreporter aus Darmstadt, erleben lässt, behandelt ein brandaktuelles Thema: Flüchtlinge und Asylsuchende werden ausgenutzt und erpresst. Sie liest sich spannend und ist teils schockierend.

Reinhardt, selbst aus dem Metier, beschreibt, wie sich für den Protagonisten, einen frustrierten Mitvierziger, die Sehnsucht nach investigativem Journalismus durch Zufall erfüllt. Dabei wirft der Fall einer menschenverachtenden Mafia, die Flüchtlinge entführt und misshandelt, „die Frage auf, wie Medien ihre Rolle im Dienst der Öffentlichkeit definieren“, sagt der Frankfurter Verleger Gerd Fischer, in dessen Verlag Mainbook „Schwarzer Bock“ vor einigen Wochen erschienen ist.
Ist Tim Groning ein Alter Ego von Oliver Reinhardt? Vielleicht ein bisschen, räumt der 48-Jährige ein, allerdings habe er selbst kein massives Alkoholproblem und höre auch keine Stimme im Kopf wie sein Held.

Reinhardt schreibt gezielt über Darmstadt, wie er sagt: „Weil ich mich hier auskenne.“ Er kenne die Heiner und ihre Befindlichkeiten. Das merkt man den detailreichen Bildern, die er zeichnet, an. So gibt es viele Schauplätze tatsächlich, etwa das Parkhaus an der Lichtwiese, wo im Roman die Geldübergabe zwischen Asylbewerbern und ihren Ausbeutern stattfindet oder Gronings Wohnung in der Heinrichstraße 193a: In ihr lebte Reinhardt jahrelang selbst, bevor er nach Pfungstadt zog. Er fügte der Hausnummer nur ein A hinzu, „damit es keine Beschwerden gibt“. Auch Charakterzüge ehemaliger Kollegen oder anderer Darmstädter Persönlichkeiten fließen, teils überzeichnet, in die handelnden Personen des Buches ein.

Für das Schreiben hat Reinhardt vor drei Jahren seinen Job als freier TV-Journalist an den Nagel gehängt. Er war 20 Jahre lang für Sender wie den MDR, n-tv, Vox, Sat.1, NDR und Arte tätig. Dementsprechend authentisch geht es in seinem Krimi-Debüt zu.

„Wenn ich ein Buch schreibe, ist es, als würde meine Seele ausatmen“, sagt Reinhardt. Trotzdem sei dabei Disziplin notwendig, ergänzt der gebürtige Hamburger, der als Schüler mit seiner Familie nach Darmstadt zog und schon als Zehnjähriger erste Kurzgeschichten verfasste. Mit seinem Arbeitsalltag als hauptberuflicher Schriftsteller, der morgens um halb acht zu schreiben beginnt, ist er glücklich. Ob er wirklich irgendwann davon leben kann, muss sich zeigen.

Zunächst freut er sich darüber, sein erstes Buch in Händen zu halten. Auch zu ersten Lesungen ist er bereits eingeladen.

Reinhardt plant bereits sein nächstes Buch, denn Tim Groning soll weitere kriminelle Machenschaften in Darmstadt aufdecken. Darin wird es um Selbstjustiz in einer Darmstädter Klinik gehen, so viel verrät Reinhardt. Erscheinen soll es im kommenden Jahr im Mainbook-Verlag.

Oliver Reinhardt: „Schwarzer Bock“, 282 Seiten, Mainbook-Verlag, ISBN-10: 394641382X, 11,95 Euro.

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