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Auf Museumstour mit dem Tablet

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Von: Peter Hanack

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Schüler und Schülerinnen der Albrecht-Dürer-Schule sind mit dem Tablet im Landesmuseum Darmstadt unterwegs und gewinnen einen Preis.

Von wegen Geschichte ist langweilig: Schüler und Schülerinnen der Albrecht-Dürer-Schule sind auf Entdeckungstour ins Landesmuseum Darmstadt aufgebrochen. Dort haben sie gefilmt und fotografiert, um daraus virtuelle Führungen durch die Ausstellung zu produzieren. Gelohnt hat sich das allemal. Haben Sie damit doch ein digitales Klassenzimmer im Wert von 20 000 Euro gewonnen. Am heutigen Dienstag war die Übergabe.

Tobias Brodzik-Nanitz untertreibt: "Die Distanz zwischen Schülern und ihrem Smartphone oder Tablet ist ziemlich klein", sagt der Lehrer, der an der Albrecht-Dürer-Schule in Weiterstadt Informatik und Geschichte unterrichtet. Tatsächlich sind die kleinen digitalen Begleiter Menschen, die jünger als - sagen wir - 20 Jahre sind, an der Hand festgewachsen.

Brodzik-Nanitz und drei seiner Kollegen haben sich diese Nähe zunutze gemacht. Sie haben sich mit ihren Klassen aufgemacht ins benachbarte Darmstadt und dort das gerade runderneuerte Hessische Landesmuseum mit seinen sehenswerten Sammlungen besucht. Nun ist aber nichts so sehenswert, dass man es nicht noch ein bisschen besser präsentieren könnte. Und genau das war dann die Aufgabe der Schülerinnen und Schüler.

Diese haben zu den verschiedensten Ausstellungsstücken kurze Videofilme produziert, diese mit Animationen, Texten und Effekten aufgepeppt. Und weil dies alles mit Tablet-Computern und im Rahmen des Wettbewerbs "Ideen bewegen" passierte und weil zudem die Filme auch richtig gut geworden sind, haben die vier Lehrkräfte mit ihren fleißigen Schülerteams eine digitale Klassenzimmer-Ausstattung gewonnen, mit der man so ziemlich alles machen kann - außer fliegen.

"Schüler und auch manche Lehrer tun sich meist schwer damit, fächerübergreifend zu arbeiten", erzählt Anna Eifert-König, eine der Mitstreiterinnen. Mit den Tablets aber habe das bestens funktioniert. Eifert-König unterrichtet Kunst und Ethik, ihre Kollegin Tanja Dombrowski Kunst und Biologie, mit von der Partie war außerdem Felix Diaz - inklusive Informatik-Lehrer Brodzik-Nanitz bringen die vier gleich fast ein halbes Dutzend Fächer zusammen. Für die Entscheidung der Jury, die Albrecht-Dürer-Schule auszuzeichnen. war dieser fächerverbindende Einsatz besonders wichtig. Die Digitalisierung spiele eine immer wichtigere Rolle, deshalb sei es wichtig, dass sich Schülerinnen und Schüler noch in der Schulzeit die Kompetenzen in diesem Bereich aneigneten, sagte Steffen Ganders, der beim Elektronikkonzern Samsung für dessen Engagement in der Bildung verantwortlich ist.

So vielfältig die Unterrichtsfächer, so vielfältig waren die Aufgaben und Tätigkeiten, mit denen die Schülerinnen und Schüler im Laufe des sechswöchigen Wettbewerb-Zeitraums befasst waren. Sie haben getextet, sich mit Kunsthistorie befasst, naturwissenschaftliche Vorgänge beschrieben, Comics gezeichnet, gefilmt, fotografiert, Videos geschnitten und vertont.

"All das hat mit den Apps auf den Tablets ganz prima geklappt", berichtet Eifert-König. Sogar die gesamte Projektplanung sei teilweise auf den Mini-Computern gelaufen, weil man dort auch gut Mind-Maps erzeugen und schnell wieder verändern könne. Die digitale Ausstattung des Klassenraums, die sie für den Projektzeitraum leihweise erhalten hatten, habe es zudem möglich gemacht, die Ergebnisse schnell allen anderen vorzuführen und gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge schnell umzusetzen. "Es war toll zu sehen, wie sich die verschiedenen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler ergänzt haben", sagt Dombrowski. Deshalb seien auch die Ergebnisse so gut geworden.

 Die Filme, die aus dem Projekt hervorgegangen sind, werden von Mitarbeitern das Landesmuseums gesichtet und sollen - nach kleineren Überarbeitungen - für die Besucher zugänglich gemacht werden.

Tablets Bereicherung im Unterricht

Tobias Brodzik-Nanitz wäre kein echter Informatiklehrer, wenn er nicht die mobilen Computer künftig am liebsten überall in der Schule einsetzen würde. "Es wäre ein Traum, die Lehrbücher durch Tablets zu ersetzen", schwärmt er. Auch Tanja Dombrowski möchte auf die digitalen Möglichkeiten nicht mehr verzichten. Diese müssten unbedingt überall zur Verfügung stehen, sagt sie. Aber sie müssten natürlich nicht immer und überall eingesetzt werden.

Für Anna Eifert-König sind Tablets ebenfalls eine Bereicherung im Unterricht. Das neue digitale Klassenzimmer werde sicher regelmäßig zum Einsatz kommen, sagte Sie anlässlich der Preisverleihung. Ihr Verhältnis zur digitalen Technologie aber ist eher pragmatischer Natur. Vor allem aber, sagt sie, "liebe ich Bücher". Wenn die Arbeit mit digitalen Medien in der Schule dauerhaft erfolgreich verlaufen solle, müsse aber sichergestellt sein, dass die Infrastruktur und die Geräte auch gewartet würden. Nach heutigem Stand könnten die Lehrkräfte dies nicht einfach so zusätzlich übernehmen.

An der Albrecht-Dürer-Schule gilt, wie an vielen anderen Schulen, ein Smartphoneverbot im Unterricht und sogar in den Pausen. "Auch das gehört zum digitalen Lernen", sagt Brodzik-Nanitz: zu wissen, wann das Gerät Arbeitsmittel und nützliches Instrument ist - und wann es privat genutzt wird und vom Lernen ablenkt.

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