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Multikulti mit Nikolaus

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Die Kita-Kinder aller Nationalitäten beteiligen sich an weihnachtlichen Vorbereitungen.
Die Kita-Kinder aller Nationalitäten beteiligen sich an weihnachtlichen Vorbereitungen. © Hans Dieter Erlenbach

Wie feiern Kindergärten mit einem hohen Migrantenanteil christliche Feste? Eigentlich ganz normal. So wie in der Kindertagesstätte Meißnerweg im Darmstädter Stadtteil Kranichstein.

Wer die im Schatten zahlreiche Hochhäuser liegende Kita betritt, wird weihnachtlich empfangen. Rechts neben dem Eingang steht ein geschmückter Weihnachtsbaum, an einer Kordel im Eingangsbereich hängen Weihnachtsbilder, die Eltern beim Nikolausabend gemalt haben. Auf den Tischen brennen Kerzen, von der Decke hängen Weihnachtssterne und Kugeln. 95 Prozent der 120 Kinder haben einen Migrationshintergrund, und die meisten von ihnen eigentlich mit einem christlichen Fest nichts am Hut. Oder?

„Natürlich feiern wir die christlichen Feste“, sagt Leiterin Nicole Friedrich und berichtet, mit welchem Eifer die Eltern mitmachen. Und zwar egal welcher Nationalität. Zwar engagierten sich nicht alle, aber die meisten. Ganz besonders freut sich Friedrich über die Aussage einer türkischen Mutter, die zwar den Erzieherinnen signalisierte, sie selbst wolle zu den Feiern mit christlichem Hintergrund nicht in die Kita kommen. Trotzdem lege sie großen Wert darauf, dass ihr Kind die christlichen Bräuche kennenlerne.

Daher ist es ganz normal, das der Nikolaus in den Kindergarten kommt. Alle Kinder bringen einige Tage vorher Strümpfe mit, die mit kleinen Geschenken gefüllt werden. Es ist auch normal, dass Weihnachtslieder gesungen werden. Vor allem Lieder, die die Kinder gut kennen. Das Lied über die Weihnachtsbäckerei gehöre dazu, erzählt die Leiterin. Lieder wie „Vom Himmel hoch“ werden aber nicht gesungen. „Schließlich ist es nicht unsere Aufgabe, christliche Aspekte zu vermitteln.“

Köstlichkeiten verschiedener Nationen

Dass fast alle Eltern zum Nikolausabend kommen, freut die Erzieherinnen, die einen ebenso multikulturellen Hintergrund haben wie ihre Schützlinge. Beim Nikolausabend hätten alle Eltern ein Weihnachtsbild gemalt. Die Kinder mussten am nächsten Tag erraten, welches Bild von ihren Eltern stammt. Der Nikolausabend sei immer besonders schön, weil die Eltern aus verschiedenen Nationen Köstlichkeiten aus ihrer Heimat für ein Büffet mitbringen. Zudem habe jeder ein kleines Geschenk dabei. Später würden diese Geschenke vom Nikolaus verteilt. Alle hätten ihren Spaß, egal welchen religiösen Hintergrund sie haben.

„Wir unterscheiden uns eigentlich nicht wesentlich von einem konfessionellen Kindergarten“, sagt Nicole Friedrich und weist dann auch gleich auf einen Unterschied hin. Das islamische Zuckerfest wird nämlich auch gefeiert. Und bei der Terminierung des Sommerfestes wird natürlich auf den Ramadan geachtet. „Würden wir unser Sommerfest während des Ramadans feiern, kämen sicher kaum Eltern“, so die Kita-Leiterin. Das Martinsfest wurde früher mal „Lichterfest“ genannt, inzwischen heißt es aber wieder Martinsfest. Auch hier machten alle Kinder mit.

Kürzlich wurden die Kinder gefragt, was sie sich zu Weihnachten wünschen. Laserschwerte und Star-Wars-Artikel hätten ganz oben auf der Wunschliste gestanden. Als die Kleinen aber gefragt wurden, welche speziellen Wünsche sie an ihre Eltern persönlich hätten, wünschte sich ein muslimischer Junge einen Weihnachtsbaum. (hde)

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