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Der Angeklagte (re.) betritt in Handschellen in Begleitung seiner Anwältin und eines Justizbediensteten den Gerichtssaal.
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Der Angeklagte (re.) betritt in Handschellen in Begleitung seiner Anwältin und eines Justizbediensteten den Gerichtssaal.

Rödermark/Darmstadt

Versuchter Mord im Wald bei Rödermark: Mann gesteht Stein-Attacke

Vor dem Landgericht Darmstadt hat der Prozess gegen einen Mann aus Dietzenbach begonnen. Der 55-Jährige soll versucht haben, am Osterwochenende 2021 auf der Thomashüttenschneise - einem Radweg im Wald zwischen Eppertshausen und Rödermark-Urberach - seine Frau mit einem Stein zu erschlagen. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt sucht indes weiterhin nach Zeugen.

Ein 55-jähriger Industriekaufmann aus Dietzenbach hat zum Auftakt eines Prozesses vor dem Darmstädter Landgericht gestanden, während einer Fahrradtour am Karsamstag vorigen Jahres auf der Thomashüttenschneise - einem Radweg im Wald zwischen Eppertshausen im Landkreis Darmstadt-Dieburg und Rödermark-Urberach im Kreis Offenbach seine drei Jahre jüngere Frau mit einem knapp ein Kilogramm schweren Stein gegen den Kopf geschlagen und sie dabei schwer verletzt zu haben.

Die Frau erlitt durch die Gewalteinwirkung fünf Platzwunden am Kopf, mehrere Knochenbrüche an den Armen sowie eine Hirnblutung, die nach Aussage eines Unfallchirurgen zum Tod der zweifachen Mutter hätten führen können. Die Platzwunden am Kopf seien teilweise so tief gewesen, dass der Schädelknochen zu sehen gewesen sei, berichtete der Arzt am Montag dem Schwurgericht.

Versuchter Mord auf Radweg zwischen der Thomashütte und Urberach

Der Angeklagte ließ zum Prozessauftakt vor der 11. Großen Strafkammer des Landgerichts über seine beiden Verteidigerinnen eine Einlassung zur Tat am 3. April vorigen Jahres verlesen. Er selbst, den seine Frau als dem Anschein nach frommen Katholiken beschrieb, sagte zu Beginn der Verhandlung, er bereue die Tat zutiefst. Sie tue ihm leid, und er würde sie „gerne rückgängig machen“.

Die 11. große Strafkammer des Landgerichts Darmstadt tagt unter dem Vorsitz von Richter Volker Wagner (Mitte).

Der 55-Jährige gab zu, auf einem Radweg im Wald zwischen dem Gutshof Thomashütte bei Eppertshausen und Rödermark-Urberach, der Thomashüttenschneise, an jenem Samstag vor Ostern seine Gattin mit dem in einer Tüte verstauten, etwa mangogroßen Stein von hinten gegen den Kopf geschlagen zu haben. Nachdem die Frau von ihrem Rad auf den Weg gestürzt sei, habe er mit dem etwa zehn mal zehn Zentimeter großen Stein weitere drei bis vier Mal auf sie eingeschlagen.

Versuchter Mord bei Rödermark im Kreis Offenbach: Staatsanwaltschaft sucht weiter nach Zeugen

Die Darmstädter Staatsanwaltschaft wertet die Attacke als versuchten Mord. Staatsanwältin Eva Heid warf dem Angeklagten Habgier und Heimtücke vor, sie bezeichnete den Angriff als hinterlistig. Der Täter habe die Attacke als Unfall aussehen lassen wollen. Als sich ein bislang unbekannter Fahrradfahrer näherte, soll er von seiner stark blutenden Frau abgelassen haben.

Staatsanwältin Heid sagte der FR, dass der 60 bis 70 Jahre alte, kräftige Radfahrer sowie eine etwa 40 bis 50 Jahre alte Joggerin, die mit der am Kopf verletzten Frau und ihrem Ehemann gesprochen und ihr Hilfe geleistet hätten, weiterhin als Zeugen gesucht würden. Die Zeugen waren dem Paar aus Dietzenbach in dem Waldstück an der Grenze zwischen dem Landkreis Darmstadt-Dieburg und dem Kreis Offenbach begegnet. Sie gingen jedoch vermutlich von einem Unfall mit dem Fahrrad aus, halfen der verletzten Frau und verschwanden dann jedoch unerkannt.

Versuchter Mord bei Rödermark: Angeklagter hatte heimliche Geliebte

Der Angeklagte hatte nach eigener Aussage bereits seit Mitte 2019 eine heimliche Geliebte, die zwölf Jahre jünger ist als er. Am Sonntag vor der Tat hatte der Mann mit seiner Frau ein Testament geschrieben, in dem sie sich gegenseitig beim Ableben des jeweils anderen als Alleinerben einsetzten. Gegenüber einem heimlich konsultierten Scheidungsanwalt soll der Mann zudem geäußert haben, seiner in Teilzeit berufstätigen Frau, einer Bankfachwirtin, keinen Unterhalt zahlen zu wollen.

Zu Beginn des Prozesses sagten auch die Ehefrau des Angeklagten als Zeugin und ein Unfallchirurg als Zeuge aus.

Der 55-Jährige gab an, seine Geliebte sei davon ausgegangen, dass er sich an jenem Osterwochenende von seiner Frau trenne. Es sei ihm aber nicht gelungen, während der Radtour mit ihr über die Trennung zu sprechen. Über die Tat sagte der Mann, er habe Wut verspürt und „Druck loswerden wollen“.

Der Prozess vor der Schwurgerichtskammer des Darmstädter Landgerichts wird voraussichtlich noch bis Ende Januar dauern. Für das Verfahren waren zunächst sieben Verhandlungstage angesetzt worden. Sollte bis Ende Januar keine Klärung möglich sein, geht es mit dem Prozess immer mittwochs weiter. 

Versuchter Mord im Wald bei Rödermark: Zeugin meldet sich nach „Aktenzeichen XY“

Bereits im Mai 2021 hatte sich die Polizei mit einer großangelegten Zeugensuche erstmals mit dem Fall an die Öffentlichkeit* gewandt. Mehrere Monate später, im September, hatten die Ermittler noch immer keinen Erfolg mit der Fahndung und begannen, mit einer Plakat-Aktion nach den wichtigen Zeugen zu suchen. 

Erst der Auftritt in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ brachte die Ermittlerinnen und Ermittler entscheidend weiter. Eine der gesuchten Zeuginnen meldete sich im Anschluss an die Fernsehsendung bei der Polizei und wurde schließlich befragt. Der Tatverdächtige aus Dietzenbach saß zu dem Zeitpunkt bereits rund fünf Monate in Untersuchungshaft. Die Polizei hatte ihn noch am Ostersonntag 2021 festgenommen und einem Haftrichter vorgeführt. *op-online.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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