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Molters Zwickmühle

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Der Schulausschuss will den gemeinsamen Schulentwicklungsplan von Stadt Darmstadt und Landkreis Darmstadt-Dieburg umsetzen - obwohl das Vorhaben auf politischer Ebene offenkundig gescheitert ist.

Der Schulausschuss der Stadtverordnetenversammlung spricht sich dafür aus, den gemeinsamen Schulentwicklungsplan von Stadt Darmstadt und Landkreis Darmstadt-Dieburg umzusetzen - obwohl das Vorhaben auf politischer Ebene offenkundig gescheitert ist.

Mit diesem Beschluss bringen die Parlamentarier Schuldezernent Dierk Molter (FDP) in eine missliche Situation. Dieser hatte sich, wie er in der Sitzung am Mittwochabend sagte, Ende Mai mit seinem Landkreiskollegen Christel Fleischmann (Grüne) darauf verständigt, einen neuen Anlauf für das gemeinsame Projekt nach der Kommunalwahl im März kommenden Jahres zu nehmen. Molter musste sich nun von Hildegard Förster-Heldmann (Grüne) vorwerfen lassen, er habe "keine Traute", den vom Stadtparlament im Dezember 2007 beschlossenen Plan umzusetzen.

Der Schuldezernent hatte eingangs gesagt, er weiche nicht davon ab, dass Darmstadt im Bildungsplan weiterhin eine Einheit bilden müsse, Bezirke also nicht aufgesplittet und mit Landkreisgemeinden vermischt werden dürften. Dem habe Fleischmann so nicht folgen wollen, weshalb das gemeinsame Werk "vorerst ausgesetzt" sei. Molter räumte ein, die "wie eine Grenzziehung wirkende optische Aufteilung" in Bildungsregionen habe zu Missverständnissen bei Eltern und Schulleitern geführt.

Die Ausschussmitglieder kritisierten durchweg das Vorgehen der Frankfurter Agentur, die den Schulentwicklungsplan als Vermittler zwischen allen Beteiligten auf den Weg bringen soll. Die Vorstellung der Bildungsregionen sei "dilettantisch" gewesen, sagte Jürgen Weiler (CDU). Er bemängelte auch, dass der Landkreis zu wenig für seine Schüler zahle, die nach Darmstadt gingen. Molter sagte hierzu, die Kostenbeteiligung des Kreises müsse "intensiv besprochen" werden.

Die Sitzung war aufgrund vieler Anfragen von Bürgern ins Foyer des Liebighauses verlegt worden. Tatsächlich waren etwa zwei Dutzend Gäste gekommen, darunter einige Schulleiter und etliche Lehrer. Ein Lehrer von der Stadtteilschule Arheilgen sieht die Diskussion um die Darmstädter Schullandschaft mit Sorge, weil der Fokus zu stark auf die Gymnasien gerichtet sei. "In Darmstadt gehört man nur dann dazu, wenn man G 8 im Blick hat." Es gebe aber Schulen wie die Kooperative Gesamtschule, an der er unterrichtet, die sich intensiv um Schüler kümmerten, die auf dem Gymnasium überfordert seien. Allein in Klasse sieben habe die Stadtteilschule dieses Jahr zehn Rückläufer aufgenommen. Was das für alle Beteiligten bedeute, "wird öffentlich aber nicht diskutiert", kritisiert der Lehrer.

Auch Wolfgang Germann meldete als Leiter der Justus-Liebig-Schule (Gymnasium) Kritik an. "Es stimmt etwas nicht in der Darmstädter Schullandschaft", sagte er. Seit drei Jahren gebe es einen enormen Zustrom auf die Gymnasien. Er sieht den Schulträger daher in der Pflicht, die Gesamtschulen und die Realschule als Alternative zum gymnasialen Bildungsgang zu stärken. "Da muss erheblich mehr investiert werden, nicht in Geld, sondern in Überzeugungsarbeit."

"Wir müssen das Korsett sprengen, unter dem die Schulen leiden", sagte Germann. Seine Schulleitung weise Eltern offensiv auf die Belastung hin, die die verkürzte Schulzeit G 8 mit sich bringe, "doch die Gesellschaft akzeptiert das nicht". Viele Eltern verhielten sich "wie Lemminge." (how)

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