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Möglicher Fall von Selbstjustiz in Erzhausen bei Darmstadt

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Von: Annette Schlegl

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Das Polizeipräsidium Südhessen sucht nach Zeugen für den Angriff auf den 14-Jährigen.
Das Polizeipräsidium Südhessen sucht nach Zeuginnen und Zeugen für einen Angriff auf einen 14-Jährigen. © Michael Schick

Unbekannte sollen einen 14-Jährigen in Erzhausen bei Darmstadt wegen des Verdachts der Vergewaltigung verprügelt haben. Die Polizei warnt vor solcher Selbstjustiz.

Zwei bislang unbekannte Männer sollen am Samstag gegen 19.15 Uhr auf der Bahnstraße in der Gemeinde Erzhausen nördlich von Darmstadt auf einen 14-Jährigen losgegangen, diesen getreten, geschlagen und mit einem Messer bedroht haben. Ihr mögliches Motiv: Selbstjustiz. Der Jugendliche soll ein Mädchen vergewaltigt haben.

Nach Polizeiangaben hatten Berichte unterschiedlicher Medien sowie Veröffentlichungen in den sozialen Medien wohl zu der Attacke auf den 14-Jährigen geführt. Gegen ihn besteht der Anfangsverdacht eines Sexualdelikts, das sich am 11. Juli tagsüber in einem Wald an der Wolfsgartenallee in der Nähe der Weiterstädter Hessenwaldschule zugetragen haben soll. Laut Staatsanwaltschaft Darmstadt hatte die Familie des 15-jährigen möglichen Opfers Anzeige wegen Vergewaltigung erstattet.

Erzhausen: Staatsanwaltschaft und Polizei in Darmstadt warnen vor Vorurteilungen

Die Staatsanwaltschaft und das Polizeipräsidium Südhessen warnen ausdrücklich vor Vorverurteilung, Selbstjustiz oder Verbreitung von Mutmaßungen. In einigen Medien und in den sozialen Netzwerken habe dies mittlerweile „eine Eigendynamik entwickelt, die teilweise die Schwelle zur Strafbarkeit überschritten hat“, schreibt die Polizei. Die Strafverfolgungsbehörden würden solche Äußerungen und Handlungen konsequent verfolgen. Solches Verhalten erschwere auch die Ermittlungen.

Die Darmstädter Staatsanwaltschaft führt laut Pressesprecher Robert Hartmann derzeit Vernehmungen des Mädchens und des Beschuldigten durch. Erst einmal gelte die Unschuldsvermutung für den 14-Jährigen – und zwar bis zur Urteilsverkündung, sagte Hartmann der FR.

Polizei steht in Kontakt mit allen Beteiligten, Schule und Jugendamt

Der besondere Schutz von Jugendlichen sei sowohl für Beschuldigte als auch für Geschädigte zu beachten – vor allem in diesem Fall der Verdachtsberichterstattung. Erhebliche negative Auswirkungen auf deren Persönlichkeitsentwicklung seien zu erwarten, schreibt die Polizei in einer Pressemitteilung. Deshalb sei die Staatsanwaltschaft mit Mitteilungen zu derartigen Sachverhalten äußerst zurückhaltend.

Gerade bei mutmaßlichen Sexualdelikten unter Jugendlichen sei zu Ermittlungsbeginn nicht absehbar, ob und inwieweit sich Vorwürfe überhaupt erhärten oder sich vielleicht sogar als unzutreffend erweisen. Angaben seien erst durch objektive Beweismittel zu untermauern oder zu widerlegen. Die Polizei stehe seit Bekanntwerden des Vorfalls in engem Austausch mit allen Beteiligten sowie der Schule und dem Jugendamt. Auch die Opferschutzberatung sei eng mit in den Fall eingebunden.

Selbstjustiz in Erzhausen: Täter trugen Tattoo am Arm und Kreuzkette

Die Beschreibung der Männer, die den 14-Jährigen angegriffen haben sollen: Einer soll 25 bis 30 Jahre alt und um die 1,80 Meter groß gewesen sein. Er soll schwarze kurze Haare, einen schwarzen Bart und ein Tattoo am rechten Arm gehabt haben. Bekleidet war er mit grauem Tank-Top und einer grauen kurzen Hose. Er hatte eine Gürteltasche um seine Schulter hängen.

Sein Komplize war etwa 25 Jahre alt und 1,80 Meter groß. Er soll längere Haare und einen Dreitagebart gehabt haben. Er trug eine Kreuzkette und eine Sonnenbrille, war mit schwarzem Tank-Top mit buntem Aufdruck und einer grauen kurzen Hose bekleidet.

Zeugenhinweise an das Kriminalkommissariat 10 in Darmstadt unter der Telefonnummer 06151/969-0.

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