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Mittagstisch bleibt

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Die gemeinnützige Firma Integis übernimmt tagsüber das Essensangebot in der Darmstädter Centralstation.

Auch im kommenden Jahr wird es Tagesgastronomie in der Centralstation geben. Die gemeinnützige Integis GmbH wird ab Januar montags bis samstags von 10 bis 17 Uhr Frühstück, Mittagsbüfett und Nachmittagskaffee anbieten. Alles wie gewohnt also, allerdings mit zwei Änderungen.

In der Centralstation arbeiten künftig Mitarbeiter mit und ohne Behinderungen zusammen. Die Integis hat sechs Menschen mit Einschränkungen angestellt, die so künftig nicht mehr von Hartz IV und Wohngeld - also von Arge und Stadt - leben müssen. Und der Kulturbetrieb der Centralstation übernimmt drei Mitarbeiter der bisherigen Tagesgastronomie, womit drei der fünf ausgesprochenen Kündigungen zurückgenommen werden können. Diese drei Mitarbeiter werden an Integis ausgeliehen. Das ist die eine Änderung. Die andere bezieht sich aufs Programm: Samstag ist künftig Familientag mit Pizza, Pasta und pädagogischen Angeboten.

Es reicht aus, Kosten zu decken

Integis hat Erfahrung mit integrativer Erwerbsarbeit. Die gemeinnützige Firma, die auf ihr eigenes unternehmerisches Risiko arbeitet, beschäftigt nun 66 Menschen in verschiedenen Branchen von der Gärtnerei bis zum Hausmeister im ersten Arbeitsmarkt. Sie müssten nicht gewinnorientiert, sondern nur kostendeckend arbeiten, erläuterte Integis-Geschäftsführer Peter de Gennaro. Und sie profitieren von einem niedrigen Mehrwertsteuersatz. Zudem gibt es im einen oder anderen Fall Beihilfen. So hoffen Centralstation, Integis und Stadt darauf, dass das restliche Defizit von 25 000 Euro noch ausgeglichen wird, entweder weil das Projekt als Modell vom Landeswohlfahrtsverband anerkannt und unterstützt wird oder womöglich die HSE-Stiftung einspringt. Eine Anfrage sei gestellt, sagte Sozialdezernent Jochen Partsch (Grüne).

Ein Rollifahrer an der Kasse, eine sehbehinderte Servicekraft, die der Gast mit einem Glöckchen aktiviert, ein Rückengeschädigter, der Cappuccino zubereitet, das mag ungewöhnlich sein, gilt aber für alle Beteiligten als wegweisend.

Im Sommer hatte die Betriebskommission der Centralstation das Ende des Tagesbetriebs beschlossen, weil er jährlich ein Defizit von 150 000 Euro einfuhr, erinnerte Oberbürgermeister Walter Hoffmann. "Eine schwierige Entscheidung nach langer Diskussion, weil eigentlich alle der Auffassung waren, das müsste erhalten bleiben." Die Centralstation liege im Herz der Innenstadt, sorge für deren Belebung, sei Treffpunkt für Jung und Alt, Professor wie "armen städtischen Angestellten", biete kurze Wege. Zur Lösungsfindung wurde eine AG mit Vertretern verschiedener Dezernate installiert. Dann sei Integis ins Spiel gekommen.

Sozialpolitisches Projekt

Partsch betonte, man kenne die gemeinnützige Firma in verschiedenen Bereichen als "kompetenten, zuverlässigen, ideenreichen Partner". Mit der nun gefundenen Lösung gebe es "mitten in der Stadt ein sehr ambitioniertes, sozialpolitisches Projekt mit Pilotcharakter".

Alexander Marschall, Geschäftsführer der Centralstation, nannte es eine "ganz geniale Idee". Ihn ärgere nur, dass sie nicht selbst draufgekommen seien. Er glaubt an eine bessere Auslastung und hohe Akzeptanz des neuen Angebots, das Menschen mit Handicaps sichtbar integriere. Der Integis sprach er Lob aus: "Hier treten Eigenschaften und Prinzipien zutage, die für jeden Betrieb gut wären." (rwb)

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