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Mittagsschläfchen trifft Hiphop

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Für die wachsende Zahl älterer Bewohner bietet die Aumühle spezielle Gymnastikkurse.
Für die wachsende Zahl älterer Bewohner bietet die Aumühle spezielle Gymnastikkurse. © Claus Völker

In der Behinderteneinrichtung Aumühle in Wixhausen leben derzeit 151 Menschen mit geistiger Behinderung. Mehr als zwei Drittel davon sind älter als 41 Jahre. Der Generationenwechsel macht sich auch im Alltag der Einrichtung bemerkbar.

In der Behinderteneinrichtung Aumühle in Wixhausen leben derzeit 151 Menschen mit geistiger Behinderung. Sie sind zwischen 18 und 76 Jahre alt, mehr als zwei Drittel sind älter als 41 Jahre. Der Generationenwechsel macht sich im Alltag bemerkbar. „Wir sind ein Spiegel der Gesellschaft“, sagt die Leiterin der Einrichtung Marion Ploner. Die Menschen werden immer älter und damit steigt auch die Zahl von altersbedingten Krankheiten wie Herz- und Kreislauferkrankungen oder Krebs. Das ist auch in einer Einrichtung wie der Aumühle nicht anders. „Unsere Bewohner müssen häufiger zum Arzt als früher“, sagt Marion Ploner. Unvorbereitet trifft die Entwicklung die Einrichtung nicht: „Wir haben uns das lebenslange Wohnen von Anfang an auf die Fahnen geschrieben.“

Die Aumühle ist Wohn- und Arbeitsort für Menschen mit Behinderung. Träger ist die Mission Leben. Die Bewohner werden von über 100 Mitarbeitern betreut. Es sind multiprofessionelle Teams, darunter Kranken- und Altenpfleger sowie Sozialpädagogen. In der Regel gehen die Bewohner nach 20 Jahren Arbeit in den Werkstätten in den Ruhestand.

Zahl der Älteren steigt

Damit diese nicht von einem Tag auf den anderen in ein Loch fallen, gibt es für sie die „Tagesstruktur Wohnen“: Von Montag bis Freitag gibt es ein großes Angebot mit Bastel- und Gymnastikkursen, Frühstück- und Kaffeerunden. Die Senioren gehen gemeinsam einkaufen, sie kochen miteinander und machen Ausflüge. „Sie sollen sinnvoll den Tag erleben“, sagt Marion Ploner. Und da ältere Menschen meist ein stärkeres Ruhebedürfnis haben, ist ein Mittagsschläfchen fest eingeplant. „Die Jüngeren sind ganz anders drauf“, sagt Marion Ploner. Im Unterschied zu den Älteren, die meist sehr behütet in ihren Familien aufgewachsen sind, seien sie zu mehr Selbstständigkeit erzogen worden. Dies liege unter anderem daran, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der Förderangebote deutlich zugenommen habe. Heute, in Zeiten der Inklusion, seien die Kinder stärker integriert. „Sie haben ihren eigenen Kleidergeschmack, hören ihre Musik, tragen Baseballmützen und haben Piercings.“ Marion Ploner findet es spannend, den Spagat zwischen Jung und Alt hinzukriegen. Im Wochenplan der Einrichtung schlägt sich die Generationsvielfalt in den Angeboten nieder. In der Disco haben Rap und Hiphop Volksmusik und Schlager abgelöst, im neuen Computerschulungsraum gibt es Tipps für das Arbeiten am PC, es gibt Kochkurse für Selbstversorger und Kurse, in denen der richtige Umgang mit Geld gelernt wird.

28 Bewohner leben in betreuten Wohnungen in Wixhausen. „Wir sind im Stadtteil integriert“, freut sich die Leiterin. Die Wixhäuser sind kooperativ, wenn es etwa darum geht, der Aumühle Wohnungen zur Verfügung zu stellen, befindet die Einrichtungsleiterin. Mit den Aktiven Senioren und der evangelischen Kirche ist zudem ein Bauprojekt geplant.

Für Marion Ploner steht fest, dass die Bewohner so lange wie möglich in der Einrichtung wohnen bleiben. „Natürlich können wir keine Apparatemedizin bieten.“ Es gebe allerdings Überlegungen, etwa einen geschützten Bereich für Demenzkranke einzurichten. Themen wie Sterben, Tod und Trauer werden in der Aumühle ohnehin nicht ausgespart. „Da wird bei uns ganz offen drüber geredet.“ (hin.)

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