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Misstrauen im Flugrouten-Dialog

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Von: Claudia Kabel

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Wolkenhimmel rund um den Flughafen: Kondensstreifen von Passagierflugzeugen.
Wolkenhimmel rund um den Flughafen: Kondensstreifen von Passagierflugzeugen. © Rolf Oeser

Im Streit zwischen Darmstadt und Erzhausen um die Verlegung der Startroute „Amtix kurz“ soll jetzt die Vermittlung starten.

Wegen der Planungen zur möglichen Verlegung der Frankfurter Startroute „Amtix kurz“ schwelt schon seit längerem ein Konflikt zwischen Darmstadt und Erzhausen (Kreis Darmstadt-Dieburg). Denn was die Darmstädter entlasten würde, würde in Erzhausen zu einer Mehrbelastung durch Fluglärm führen. Deshalb wurde jetzt auf Dringen der beiden hauptsächlich betroffenen Kommunen ein lokales Konsultationsverfahren einberufen, das die Kommunen stärker als bisher bei lärmverlagernden Maßnahmen beteiligen soll.

Die Gemeinde Erzhausen begrüßte zwar das im kürzlich vorgestellten „Maßnahmenprogramm Aktiver Schallschutz“ vorgesehene Konsultationsverfahren, das in diesem Konflikt vermitteln soll. „Dass jedoch die Moderation des Verfahrens durch ein Darmstädter Beratungsbüro erfolgen soll, lehnt die Gemeinde Erzhausen nachdrücklich ab“, hieß es in einer Mitteilung.

„Die Rede war von einer externen und dadurch neutralen Moderation“, so Bürgermeister Rainer Seibold (parteilos). Damit sei klar gewesen, dass das Büro weder in Erzhausen noch in Darmstadt noch in einer anderen durch die Flugrouten betroffenen Kommune sitzen könne.

Darmstadts Umweltdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne) widersprach der Unterstellung einer unausgewogenen Sichtweise: Das Forum Flughafen und Region (FFR) habe mit dem Büro „Team Ewen“ ein erfahrenes und professionelles Moderationsbüro ausgewählt. „Ich gehe selbstverständlich davon aus, dass die Moderation neutral und professionell umgesetzt wird“, ließ Akdeniz auf FR-Anfrage wissen. Team Ewen könne sich keine einseitige Parteinahme erlauben, um seinen guten Ruf zu wahren. Wer eine unausgewogene Sichtweise unterstelle, handele “nicht sachlich“. Dennoch fordert Erzhausen „eine Moderation, die für alle Beteiligten als neutral nachvollziehbar ist.“ Auch bei dem in Kelsterbach ansässigen Umwelthaus, das dem Forum Flughafen und Region angegliedert ist und das Büro ausgewählt hatte, stieß die Kritik auf Unverständnis. Team Ewen wolle nun als erstes Gespräche mit allen Kommunen – auch mit Erzhausen – führen, um das Konzept der Konsultation zu besprechen, hieß es. Bei der Änderung der Flugrouten geht es konkret um eine Alternative zur derzeit zwischen Wixhausen und Arheilgen verlaufenden Abflugroute. Sie wurde hinsichtlich Lärmwirkung, fliegerischer Umsetzbarkeit sowie auf ihre Sicherheits- und Kapazitätsauswirkung geprüft. Wie die Stadt Darmstadt mitteilte, würde die mögliche neue Abflugroute den bestehenden Verlauf in Höhe Gräfenhausen verlassen, zwischen Wixhausen und Erzhausen verlaufen und hinter Darmstadt wieder auf den aktuellen Routenverlauf einschwenken.

Für die Berechnungen wurde der Frankfurter Fluglärm Index verwendet. Die Zahl der betroffenen Bürger in Darmstadt könnte laut Stadt um mehrere Tausend sinken. Auch in der Nacht ergäbe sich eine deutliche Entlastung. Auf Stadtteilebene sei das Bild nicht einheitlich. Während die Stadtteile Arheilgen und Kranichstein profitieren könnten, würde sich für Wixhausen keine Entlastung ergeben. In der Summe überwiege der Entlastungseffekt deutlich, aus diesem Grund sei diese Schallschutzmaßnahme durch das FFR in das Maßnahmenpaket aufgenommen worden.

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