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Mieter dürfen bleiben

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Die Kosten für Renovierung und Umzüge übernimmt der Bauverein.
Die Kosten für Renovierung und Umzüge übernimmt der Bauverein. © Claus Völker

Einen kleinen Sieg haben die Mieter der Bauverein-Wohnungen in der Oppenheimer Straße in Darmstadt errungen. Mindestens zehn Jahre lang können einige von ihnen in den Häusern mit den Nummern 1, 3 und 5 wohnen bleiben, die zum Abriss vorgesehen waren.

Das ist das Ergebnis langer Verhandlungen zwischen der Mieterinitiative Oppenheimer Straße/Postsiedlung und der Bauverein AG, die vom Darmstädter Sozial- und Wohnungsdezernenten Jochen Partsch (Grüne) moderiert wurden.

Beide Parteien äußerten sich gestern zufrieden über die gefundene Kompromisslösung. Einige Detailfragen sollen noch im engen Dialog geklärt werden. Die Kosten für Umzüge und Renovierung übernimmt der Bauverein, Mieter ziehen ihre Klagen gegen das Wohnungsbauunternehmen zurück.

Zur Vorgeschichte: Im September hatte der Bauverein den Mietern von 14 Mietshäusern in der Oppenheimer und Binger Straße gekündigt. Auf der Gesamtgrundfläche von 13?000 Quadratmetern sollten 40 Reihen- und drei Mehrfamilienhäuser mit Eigentumswohnungen gebaut und die Zahl der Wohneinheiten von 330 auf 377, darunter 92 Sozialwohnungen, erhöht werden.

Nach dem Motto „arm raus – reich rein“ fürchteten die vorwiegend älteren Mieter nicht nur, ihr vertrautes Wohnumfeld zu verlieren, sondern künftig auch wesentlich höhere Mieten zahlen zu müssen. Einige klagten daraufhin gegen die Bauverein AG.

„Darmstadt ist eine wachsende Stadt, wir brauchen Lösungen für die große Wohnungsnachfrage. Dabei ist der Bauverein der wichtigste Partner der Stadt“, betonte Moderator Partsch. Vom Bauverein werde so etwas wie die „Quadratur des Kreises“ verlangt: Mieterzufriedenheit auf der einen Seite, Schaffung zusätzlichen Wohnraums und Sanierung unter dem Gesichtspunkt Energieeffizienz andererseits. Partsch räumte ein, dass das Wohnungsbauunternehmen anfangs seine Anliegen nicht gut genug kommuniziert habe und es deshalb zu der Auseinandersetzung gekommen sei. In der Vergangenheit habe die AG aber auch schon bei Umbauprojekten in der Binger und Moltkestraße gezeigt, dass sie auf Mieterwünsche Rücksicht nehme. Partsch hält es für wichtig, die Solidarität im Postquartier und die gute Nachbarschaft zu erhalten. Dies sei durch den Kompromiss gelungen. In der Postsiedlung wohnen mehrheitlich frühere Mitarbeiter des Postverteilzentrums, manche sogar schon seit den 50er Jahren.

Mieter, die in den künftigen Abrisshäusern 7 bis 19 wohnen, erklärten sich damit einverstanden, in eine der freistehenden Wohnungen in den Häusern 1 bis 5 zu ziehen. Der Abriss erfolgt wahrscheinlich Ende dieses Jahres. Die Bauverein AG stellt ihnen unbefristete Mietverträge aus. Den anderen Mietern werden Ersatzwohnungen in der Nähe angeboten. Die 3500 Quadratmeter Grünfläche sollen erhalten bleiben. Eine Folge des Kompromisses ist, dass zwölf Reihenhäuser nicht gebaut werden können.

Der Bauverein macht den Mietern darüber hinaus das Angebot, bis zum 30. Juni 2012 zu entscheiden, ob sie Wohnungen kaufen oder ob sie als Mietergruppe ein genossenschaftliches Wohnprojekt gründen wollen. Der Vorstandsvorsitzende der Bauverein AG, Hans-Jürgen Braun, würde eine solche „stabile Mischung“ von Mietern und Eigentümern begrüßen.

Bastian Ripper, der Sprecher der Mieterinitiative, ist davon überzeugt, dass die bestmögliche Lösung gefunden wurde. Ohne Hektik und mit Unterstützung der Juristen des Bauvereins werde nun geprüft, ob eine Genossenschaftsgründung möglich ist. Dazu müssten zwei Drittel der Mieter zustimmen. (pyp)

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