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Meine Mutter und die Brandnacht

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Der englische Regisseur Martin Greaves übergibt Masterbänder seines Films zum 11. September 1944 an das Darmstädter Stadtarchiv. Ein englischer Bomberverband hatte damals in Darmstadt einen Feuersturm entfacht, dem zehntausend Bürger zum Opfer fielen.

Das Darmstädter Stadtarchiv ist um eine Kostbarkeit reicher. Der englische Regisseur Martin Greaves hat dem Haus die Originalbänder seines Films „Running with Mum – der Weg meiner Mutter“ geschenkt, der die Bombennacht des 11. Septembers 1944 an einem Einzelschicksal schildert. Ein englischer Bomberverband hatte damals in Darmstadt einen Feuersturm entfacht, dem zehntausend Bürger zum Opfer fielen.

Mittlerweile kennen viele Darmstädter diese Geschichte. Denn seit 2008 wird der Film jährlich am Gedenktag des Bombenangriffs in der Centralstation gezeigt, zusammen mit dem Film „Brandmale“ von Christian und Jutta Gropper.

„Running with Mum“ erzählt die Flucht einer Mutter und ihrer Kinder aus einem Keller in der Kiesstraße. Ringsum brennen alle Häuser – und am Ende auch die Beine eines der Kinder: Später, als junge Frau, verlässt die Tochter ihre Heimatstadt. Sie hat sich, ausgerechnet, in einen Engländer verliebt und folgt ihm nach London.

Freude im Stadtarchiv

Das Mädchen mit den verbrannten Beinen ist die Mutter des Regisseurs Martin Greaves. Lange sprach sie nicht über ihr Trauma – bis Greaves mit ihr nach Darmstadt fuhr. Hier liefen sie den Weg jener Septembernacht ab, den Weg der Flucht. Das löste schließlich die Zunge der Mutter. Kiesstraße, Karlstraße, Wilhelminenstraße. Dort erzählt die Mutter ihre Geschichte, und so wurde sie Filmgeschichte.

Und nun kehrt auch diese an ihren Ursprung zurück. Am Freitag übergab Greaves die Mastertapes, die Originalbänder, an Peter Engels, den Leiter des Stadtarchivs. So will der Regisseur erreichen, dass sein Film „auch in Zukunft nutzbar“ ist. In einigen Jahren werde „kein Mensch mehr den Regisseur kennen“, sagte Greaves. „Und wenn jemand diesen Film sucht, dann hier in Darmstadt.“ Und nicht bei ihm in London. Deswegen trat er auch alle Rechte ans Stadtarchiv ab.

Engels freute sich über die Schenkung und versicherte, das Stadtarchiv werde „Running with Mum“ ausschließlich zu nicht-kommerzieller Nutzung freigeben: zur wissenschaftlichen Auswertung, zur Vorführung vor Schulklassen oder in Uni-Seminaren, zur Verwertung im Fernsehen. Um den Filmbestand vorführbar zu erhalten, arbeite das Archiv mit dem Darmstädter Videoklub zusammen, der die Bänder digitalisiere. (ers)

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