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Mehr Wasser für gestresste Bäume im Darmstädter Westwald

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Von: Annette Schlegl

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Trockenheit und Wassermangel setzen den Bäumen im Darmstädter Westwald zu.
Trockenheit und Wassermangel setzen den Bäumen im Darmstädter Westwald zu. © Michael Schick

Ein Sanierungsprojekt für den Darmstädter Westwald wird fortgeführt: Bis 2032 sollen Bäume mit Grundwasser versorgt werden. Außerdem fließen Millionen in die Nitratberatung im Ried.

Im Hessischen Ried, westlich von Darmstadt in der Gemarkung von Weiterstadt und Griesheim, wird seit 15 Jahren überschüssiges Grundwasser aus Siedlungsgebieten in Waldgebiete abgeleitet, damit es dort infiltrieren, also einsickern, kann und den Grundwasserspiegel anhebt. So wird die Wasserversorgung der von Trockenheit gestressten Bäume verbessert. Das Wasserprojekt, das unter dem Namen „Westwaldprojekt“ ins Leben gerufen wurde, findet nun seine Fortsetzung. Am Weltwassertag wurde eine Vereinbarung für eine zweite Projektphase unterschrieben; vom Land fließt dafür eine Million Euro.

Die Sanierung des Darmstädter Westwalds, die in den Jahren 2006/2007 begann, geht nun vertraglich weiter. Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne) und der hessische Umweltstaatssekretär Oliver Conz fanden sich für die Vertragsunterzeichnung am Dienstag an den Infiltrationsanlagen im Waldgebiet Triesch ein – dort, wo den Bäumen weiterhin „unter die Arme gegriffen“ werden soll. Das Waldstück östlich der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt war schon in der ersten Projektphase Sanierungskandidat. Dort wie auch im Bereich Harras und Büttelborner Wald wurden Infiltrationsgräben gezogen.

Im Prinzip ist das Projekt nichts anderes, als überschüssiges Wasser dorthin zu transportieren, wo Wasser fehlt. In einigen Siedlungsgebieten von Griesheim und Weiterstadt ist der Grundwasserspiegel hoch, liegt relativ dicht an der Oberfläche. Die Folge sind feuchte Keller. Zum Siedlungsschutz wurden in der ersten Phase des Westwaldprojekts drei Grundwasserentnahmebrunnen in Griesheim und zwölf in Weiterstadt gebohrt. Das geförderte Wasser wird den Landwirten zur Bewässerung ihrer Kulturen zur Verfügung gestellt – und eben dem Wald zur Versorgung mit Grundwasser. Das kostbare Nass wird über die Leitungen der landwirtschaftlichen Beregnungsverbände Weiterstadt und Griesheim ins Waldgebiet Triesch transportiert.

Bereits im Jahr 2004 wurde ein erster Sanierungsvertrag aufgesetzt, der 2007 mit Inbetriebnahme der Anlagen in Kraft trat. Er lief 2017 aus. Die Städte Weiterstadt und Griesheim erhielten die Infiltration in den Wald dennoch auch danach in großen Teilen aufrecht.

Der runde Tisch zur Verbesserung der Grundwassersituation im Hessischen Ried empfahl schon 2015, das Projekt im Triesch fortzuführen, aber Optimierungen zu erarbeiten. Der neue Vertrag, den das Land, Hessen-Forst und die Städte Weiterstadt sowie Griesheim am Dienstag schlossen, berücksichtigt nun die in der Vergangenheit gemachten Erfahrungen und festgestellten Optimierungspotenziale. Unter anderem werden im Triesch drei neue Infiltrationsgräben, Einleitungsschächte sowie ein Mess- und Regelschacht geschaffen. Außerdem wird das Griesheimer Beregnungsnetz erweitert und Anlagentechnik aus dem Büttelborner Wald verlagert.

Mit insgesamt knapp zwei Millionen Euro fördert das Land darüber hinaus drei Jahre lang bis 2024 die Gewässerschutzberatung für Landwirte im Hessischen Ried. Sie sollen ihre Felder weniger düngen und so den Nitrateintrag in den Boden verringern. Der Wasser-, Boden- und Landespflegeverband Hessen hat nach europaweiter Ausschreibung den Zuschlag für die Beratungen erhalten.

Auf den Äckern im Ried werden dabei im Frühjahr Proben gezogen, im Anschluss erhalten die Landwirte eine Düngeempfehlung. Eine Untersuchung im Herbst zeigt dann, wie viel Stickstoff noch im Boden vorhanden ist und damit ins Grundwasser ausgewaschen werden kann. Auch die Zwischenreihenbegrünung ist ein Thema. So soll in den „Tälern“ zwischen den Spargeldämmen das Nitrat gebunden werden.

Das Wasser für die Bäume wird über Beregnungsanlagen an die Infiltrationsstandorte transportiert.
Das Wasser für die Bäume wird über Beregnungsanlagen an die Infiltrationsstandorte transportiert. © Michael Schick
Die Gewässerschutzberatung für Landwirte im Hessischen Ried greift auch Spezialthemen wie die Zwischenreihenbegrünung bei Spargel auf.
Die Gewässerschutzberatung für Landwirte im Hessischen Ried greift auch Spezialthemen wie die Zwischenreihenbegrünung bei Spargel auf. © Michael Schick

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