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Mehr Spaß für Kinder

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Abwechslung sollen die Spielgeräte den Kindern bieten.
Abwechslung sollen die Spielgeräte den Kindern bieten. © andré hirtz

Die ersten Geräte des Spielraumkonzepts sind in der Darmstädter Fußgängerzone montiert. Sie sollen die Innenstadt kinderfreundlicher machen. Weitere Spielgeräte sollen im Frühjahr folgen.

Um das Memory-Spiel auf dem Stadtkirchenplatz haben sich etliche Erwachsene versammelt. Sie schauen zu, wie Henry ein zweites Exemplar von Gans, Esel oder Pferd findet. Die Erwachsenen sind Politiker, Vertreter von Ämtern und von Citymarketing. Henry ist das Referenzkind des heutigen Tages. Der Dreijährige, Sohn des Grünen-Stadtverordneten Florian Gernhardt, lässt sich von dem Aufmarsch zum Glück nicht beeindrucken.

Erst sucht er doppelte Tiere. Und dann entdeckt er den „Grashalm“ genannten Schwingstab ein paar Meter weiter. Der Papa und er stellen sich drauf und wippen gemeinsam. Henry hat sichtlich Spaß. „Alleine“, fordert er.

So muss das sein. Die Erwachsenen machen ihr Ding, in diesem Fall Spielraumkonzepte vorstellen, und der Nachwuchs hat Spaß dabei. Denn das ist die Idee bei diesem „Co-Werk“, wie es Sozialdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne) mit Blick auf Baudezernentin Cornelia Zuschke (parteilos) und die Vertreterinnen von Citymarketing und Ämtern nennt.

„Das Anliegen, die Innenstadt kinderfreundlicher zu gestalten“ habe viele Facetten, die letztlich „zu einem großen Ganzen“ beitrügen, sagt Barbara Akdeniz. Die insgesamt neun Spielstationen wurden in den vergangenen Wochen montiert. Das Konzept ist schon älter, es stammt aus dem Jahr 2008. Bis die finanziellen Rahmenbedingungen der 57 000 Euro teuren Maßnahme geklärt werden konnten, hat es offenbar eine Weile gedauert.

„Müssen es denn immer Spielplätze sein, kann denn nicht alles für alle sein“, fragt Baudezernentin Cornelia Zuschke und berichtet von der Befragung des Stadtteilmanagement-Büros Freischlad und Holz im Jahr 2008, welche Orte sich denn ganz besonders für Kinder eigneten. Ergebnis laut Zuschke: „Fast alle.“ Wenn man denn einige Punkte wie Verkehrssicherheit, Lieferwege oder Feuerwehrangriffswege beachtet.

Tatsächlich sind Kinder und Jugendliche, was die Nutzung des öffentlichen Raumes angeht, deutlich unterrepräsentiert. Spielplätze belegen allenfalls Nischen, insbesondere in den Innenstädten dominieren Verkehr, Märkte und Cafés – jedenfalls Erwachsenenangelegenheiten. „Das größte Pfund ist, dass hier Räume nicht kommerziell genutzt werden“, sagt denn auch Baudezernentin Zuschke und bittet die Anwesenden mal wegzugucken, weil sie gern selbst an die Wippstange will.

„Jedenfalls hält die was aus“, befindet Papa Florian Gernhardt, und die gesamte Gruppe zieht weiter zum „Sprössling“ in der Ernst-Ludwig-Straße, einer Eisenstange, die sich aus dem Boden windet wie ein Sojakeim und in einem verdickten Ende ausläuft. „Größere Kinder setzen sich drauf, kleinere erschließen sich das von unten“, stellt Barbara Akdeniz bei Henrys Anblick fest.

Weitere Spielpunkte folgen

Ein paar Meter weiter oben warten zwei „springende Punkte“ auf den kleinen Mann – metallene Kugeln auf Federn, mit denen ebenfalls gewippt werden kann. Springende Punkte: „Hach, die wünschte ich mir hinterm Rednerpult bei der Stadtverordnetenversammlung“, entfährt es der Baudezernentin – auch eine Art nichtkommerzieller Nutzung. Und sicher redezeitverkürzend.

Wippen, wackeln, denken, balancieren – das Spielraumkonzept in der Darmstädter Innenstadt ist längst nicht so ausgefeilt wie zum Beispiel das Schulwegkonzept in Griesheim. Dort wurden schon vor Jahren Gehwege und Aufenthaltspunkte von Grundschülern analysiert und entlang dieser Wege und Punkte entsprechende Spielgeräte angelegt. Aber für die Kinder beim Familieneinkauf ist es, wie Jugenddezernentin Akdeniz sagt, „schön, wenn sie mal Abwechslung haben und im Mittelpunkt stehen“.

Weitere Spielpunkte sollen im Frühjahr folgen, darunter einige Hüpfkästen, wie sie auch an der Stadtkirche und dem Büchnerplatz zu finden sind. Dann hat Henry noch mehr Spaß. (rwb)

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