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Mehr als Rock und Kleinkunst

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Sandra und Pippo Russo gründeten das Magazin „Vorhang auf“ 1996.
Sandra und Pippo Russo gründeten das Magazin „Vorhang auf“ 1996. © André Hirtz

Das Stadtmagazin „Vorhang auf“ feiert sein 20-jähriges Bestehen. Am Freitag wird das Jubiläum im Staatstheater gefeiert.

Türen scheinen verbannt aus den Verlagsräumen, durchgängig und offen kommen die 100 Quadratmeter „Vorhang Auf“-Welt in einer Erdgeschosswohnung an den Ausläufern Bessungens daher. Viele Monitore auf den Schreibtischen, auf den Schränken stapeln sich Papiere, Kabelsalate am Rande. Auf der langen Fensterbank in Giuseppe „Pippo“ Russos Büro sind reihenweise Ausgaben seines Stadtmagazins aufgestellt und der kreative Kopf des Hefts hat gerade die erste Ausgabe vom Juli 1996 herausgezogen. „So sah ich damals aus“, stellt er fest und muss lachen, als sein Blick auf das Foto im Editorial fällt. Keck schaut er darauf über seine Brille hinweg und grinst breit. „Immer wieder gut“, wirft Sandra Russo ein, seit einigen Jahren seine Ex-Frau und inzwischen wieder Heftmacher-Gefährtin.

20 Jahre ist es her, dass die beiden „Vorhang auf“ gegründet haben, und das ist Anlass für ein Fest am 29. Juli im Staatstheater, aber auch für eine Rückschau: Damals wirkte Pippo Russo bei „Frizz“, dem wiederum das von ihm 1983 gegründete Kulturmagazin „Klappe“ vorausgegangen war. Doch bei der Rhein-Main-Publikation „Frizz“ war ihm die Ausrichtung letztlich zu überregional. „Die Darmstädter Themen sind untergegangen.“

Zeitungsproduktion im Wandel

Der studierte Politik- und Literaturwissenschaftler stieg aus und gründete „Vorhang auf“. Damals schon mit im Boot war die gelernte Schauspielerin Sandra Russo, die auf die Wahl des Titels einigen Einfluss hatte: „Der Moment, wo der Vorhang aufgeht, ist der, in dem die Leute sich freuen und denken: Jetzt geht’s los“, erläutert sie, heute 52 Jahre alt und inzwischen längst auch gelernte Mediengestalterin.

„Meine Idee war, den Fokus deutlich zu erweitern“, erläutert der 66 Jahre alte Blattmacher, ein Energiepaket mit leichtem Hang zur Hektik. Die Stadtmagazine, gegründet in den siebziger und achtziger Jahren, seien stark auf Rock, Kleinkunst und Partys ausgerichtet gewesen. „Es gibt so viel mehr“, sagt Russo. Er wollte alles im Heft haben, was mit Freizeit und Leben in und um Darmstadt zu tun hat. „Da sind Reisen, Gastronomie und Wellness auch interessant.“

Die breitere inhaltliche Ausrichtung eröffnete auch mehr Chancen für Anzeigen- und Werbekunden, wie Sandra Russo einwirft. Der Verlag sei wirtschaftlich stets so stabil aufgestellt gewesen, dass sie und ihre beiden gemeinsamen Kinder immer davon leben konnten. Auch die Mitarbeiter seien stets bezahlt worden. Fünf Angestellte waren es die meiste Zeit mindestens, dazu viele freie Mitarbeiter und zirka zehn Ausfahrer. 950 Verteilstellen in Darmstadt und umliegenden Landkreisen werden mittlerweile beliefert bei einer Auflage von 30 000 Exemplaren.

Verändert hat sich in 20 Jahren freilich einiges: „Damals hat eine Zeitungsproduktion viel länger gedauert“, erinnert sich Pippo Russo. Speichervorgänge und Wege zwischen Belichtern und Druckerei seien deutlich länger gewesen, wo nun wenige Mausklicks genügen. Texte seien abgetippt worden, wo heute flugs aus einer Mail kopiert und eingefügt wird. „Vieles ist einfacher“, stellt er fest.

„Aber die Kulturlandschaft ist auch viel umfänglicher geworden“, wirft Sandra Russo ein. Elektronische Medien spielten als Ankündigungsplattform eine große Rolle. Im Dezember hat sie daher den Online-Auftritt erneuert und aktualisiert ihn fortwährend mit Terminen. Die breite inhaltliche Ausrichtung bleibt dabei Programm. „Wir sind eine Art monatliches Navigationssystem für aktive Erwachsene“, fasst Pippo Russo zusammen. Oder, um es mit einem Slogan des ersten Hefts auszudrücken: „Das neue Freizeit-Magazin für Große ist da!“ (aw)

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