1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Mehr Fahrgäste, weniger Geld

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Der Ausbau des Nahverkehrs wird erst über Zuschüsse des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes möglich. Doch das Gesetz läuft 2019 aus. Der Verband deutscher Verkehrsunternehmen sieht mit Sorge in Zukunft - und plädiert für eine PKW-Maut, um die Finanzierung zu sichern.

Die Straßenbahnverlängerung in Arheilgen wäre ohne Finanzhilfe des Landes Hessen wohl ebenso wenig möglich gewesen, wie der Bau der Tram-Linie nach Kranichstein. Zuschüsse über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz sind für den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) elementar. Aber wie lange noch?

Das Gesetz läuft 2019 aus. Es gebe eine „unklare und unsichere Zukunft“, erklärte der Präsident des Verbands deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Jürgen Fenske, am Dienstag bei der VDV-Jahrestagung im Darmstadtium. Er sieht die Qualität des ÖPNV gefährdet, weil die Finanzierung nicht gesichert ist. Um sie zu gewährleisten, hält der Verband auch eine Maut für Autos denkbar.

Der ÖPNV ist gefragter denn je. Allein in Darmstadt ist die Zahl der Fahrgäste zwischen 2005 und 2010 um rund ein Drittel auf mehr als 40 Millionen gestiegen. Heag Mobilo und die Nahverkehrsorganisation Dadina, in der Darmstadt und der Landkreis Darmstadt-Dieburg zusammengeschlossen sind, führen das auch auf Investitionen in Haltestellen, Bahnhöfe und Verbindungen zurück. Doch mit der hohen Nachfrage halte die finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand nicht Schritt, erklärte Fenske. Er bezifferte den Investitionsstau auf 2,35 Milliarden Euro. Gebe es nicht schnell Sicherheit bei der Finanzierung, sieht er einen „Stillstand bei Aus- und Neubau der Infrastruktur“.

Projekte, die umgesetzt werden sollen, wenn die Gesetze ausgelaufen sind, gelten als gefährdet. Das gilt nach Angaben von Heag-Mobilo-Geschäftsführer Matthias Kalbfuss nicht für große Vorhaben in der Stadt. „Die Sanierung der Bismarckstraße ist finanziert“, versichert er. Ab Mitte kommenden Jahres soll der Abschnitt zwischen Goebelstraße und Berufsfeuerwehr grunderneuert werden, später folgt das Stück bis zum Willy-Brandt-Platz. Das 9,2-Millionen-Projekt ist Teil der Modernisierung des Nahverkehrswegs vom Luisenplatz zum Hauptbahnhof.

Aber wie steht es mit dem auf den ehemaligen US-Militärflächen zwischen Bessungen und Eberstadt geplanten neuen Stadtteil? Der Heag-Mobilo-Geschäftsführer hat keinen Zweifel, dass deren Anbindung an das ÖPNV-Netz finanziert und der Bau zumindest begonnen ist, bevor die Gesetze auslaufen. „In zwei Jahren können wir soweit sein“, sagte Kalbfuss am Rande der Tagung.

Anders sieht es dagegen mit einem Vorhaben aus, das derzeit im Landkreis diskutiert wird: eine Straßenbahn von Groß-Zimmern nach Darmstadt. „Ohne Zuschüsse ist das unmöglich“, stellte Dadina-Geschäftsführer Matthias Altenhein klar. (rf)

Auch interessant

Kommentare