Darmstadt

Mehr als eine günstige Herberge

Zu Besuch bei zwei privaten Couchsurfern, die Reisende aufnehmen. Thea Sund aus Wixhausen beweist, dass Couchsurfing nicht nur etwas für Studenten ist.

Nishay Gupta ist Surfer. Ein Surfbrett trägt er jedoch nicht unter dem Arm. Der Inder aus Neu Delhi ist Couchsurfer – er hat beruflich im Rhein-Main-Gebiet zu tun und übernachtet für einige Tage bei dem 27-jährigen Sebastian aus Darmstadt.

Sebastian ist Couchsurfer aus Leidenschaft. Als Surfer und als Host – so heißen Gäste und Gastgeber, die sich online auf der Seite des kostenlosen Gastfreundschaftnetzwerkes tummeln, beherbergt er oft gleichzeitig bis zu vier Leute. Beim Couchsurfing übernachten Reisende nicht in Hotels, sondern bei Privatpersonen. Neben den naheliegenden Übernachtungen können etwa auch Stadtführung angeboten werden. „Der soziale Aspekt wird hier groß geschrieben“, erklärt Sebastian, der erste Surf-Erfahrungen 2012 in Taiwan gemacht hat. Er nimmt seine Gäste gerne mit auf einen Klub-Besuch in der Goldenen Krone. „Ich beherberge am liebsten Leute, die nicht nur auf der Suche nach einer kostenlosen Unterkunft sind“, erklärt der Student.

Thea Sund aus Wixhausen beweist, dass Couchsurfing nicht nur etwas für Studenten ist. Die 67-Jährige ist eines von drei Millionen Couchsurfing.com-Mitgliedern. Seitdem sie 2012 in Buenos Aires Erfahrungen mit Couchsurfing gesammelt hat, hat sie kurz darauf selbst „gehostet“. „Am liebsten habe ich spanischsprachige Gäste, dann kann ich mein Spanisch trainieren.“

Auch bei Airbnb ist die 67-Jährige angemeldet. Sie favorisiert jedoch Couchsurfing. „Die Leute bei Airbnb suchen eine anonyme Unterkunft. Beim Couchsurfing muss man sich aufeinander einlassen“, erklärt sie. Vor Kurzem habe sie eine Frau aus Mexiko und ihre Tochter zu Gast gehabt. „Das war, als hätte ich eine gute Freundin wieder getroffen.“

Nicht immer ist jemand da

Airbnb versteht sich als Marktplatz, auf dem Menschen online Unterkünfte auf der ganzen Welt inserieren und buchen können. Hier steht die Vermittlung von Schlafplätzen im Vordergrund. Zudem fallen für die Unterkünfte Kosten an. In diesem Netzwerk ist Samuel Vogel aktiv.
Zwischen einen Tag und einem Monat kann man sich bei ihm einmieten. Für 40 Euro in der Nacht bekommt man dann ein „Zimmer inklusive Fahrrad“. Mitarbeiter von Post, Telekom oder Merck, aber auch Uni-Professoren seien oft seine Gäste.

Mit den Airbnb-Nutzern wohnt Samuel dann in einer WG. Seitdem sein Mitbewohner ausgezogen ist, vermietet er dessen ehemaliges Zimmer. „Natürlich nutzt man Airbnb auch aus finanziellen Gründen. Ich bekomme etwas mehr, als wenn ich einen festen Mitbewohner hätte“, berichtet der 25-Jährige. Einen Vorteil habe das Arrangement auf Zeit: Es sei nicht immer jemand da.

Die Plattform Nightswapping arbeitet daran, sich zu einer Airbnb-Alternative zu entwickeln. Wer seine Wohnung auf der Internetseite anbietet und Gäste empfängt, bekommt Nächte gutgeschrieben. Diese kann man bei Bedarf einlösen. Das Übernachten selbst ist kostenlos.
Allerdings fällt pro Aufenthalt eine Vermittlungsgebühr von 9,90 Euro an. In größeren Städten wie Frankfurt ist das Angebot gut. Südhessen hingegen liegt noch etwas brach.

Doch sind die Internet-Portale eine Bedrohung für etablierte Einrichtungen? „Grundsätzlich sehen wir darin eine Ergänzung der Angebotsvielfalt“, sagte Folke Mühlhölzer, Vorsitzender der Geschäftsführung der HA Hessen Agentur. „Der Hotel- und Gastronomieverband Dehoga Hessen kritisiert aber zu Recht, dass bei Airbnb auch professionell gemanagte Wohnungen dauerhaft angeboten werden. Diese stehen dem angespannten Wohnungsmarkt nicht zur Verfügung und müssen die hohen Sicherheitsstandards des Beherbergungsgewerbes nicht erfüllen.“ Couchsurfing hingegen sehe er nicht als Konkurrenz. (ers)

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